{"id":531,"date":"2013-10-14T19:24:46","date_gmt":"2013-10-14T17:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=531"},"modified":"2013-10-14T19:24:46","modified_gmt":"2013-10-14T17:24:46","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=531","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 12"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Geografisch gesehen erscheint die Verbindung des Lechtals (Ausserfern \u2013 in der Ferne liegend, in der Fremde seiend) zum Inntal tats\u00e4chlich von untergeordneter Bedeutung zu sein, vor allem, wenn man diese Betrachtungsweise speziell auf die Nord-S\u00fcd-Verbindungen durch die Alpen, also auf die Verbindung des nordeurop\u00e4ischen Raums mit den Mittelmeerl\u00e4ndern reduziert. Hier ist tats\u00e4chlich die Route durch das Lechtal und \u00fcber das Hahntennjoch oder auch den Fernpass ohne jegliche gr\u00f6ssere Relevanz im Vergleich zur Nord-S\u00fcdverbindung \u00fcber die Achse Inntal (westlich im St\u00e4dtchen Kufstein Beginnend bis Innsbruck) und Wipptal (von Innsbruck Richtung S\u00fcden dem Lauf des Fl\u00fcsschens Sill str\u00f6mungsverkehrt folgend). Vom Standpunkt der insistalen und auch transistalen Wanderbewegung diverser Clans, kleingruppiger Bev\u00f6lkerungsschichten bis hin zu klassischen V\u00f6lkerwanderungsbewegungen d\u00fcrfen jedoch auch inneralpine ethnologische Verschiebungen keinesfalls ausser Acht gelassen werden, da sie zum einen oftmals lokale Eigenst\u00e4ndigkeiten im sozialen Selbstverst\u00e4ndnis einer Gruppe zu erkl\u00e4ren verm\u00f6gen und zum anderen im gr\u00f6sseren Gef\u00fcge einer verstaatlichten Gemeinschaft die Genese der eigenst\u00e4ndigen Identifikation der Gemeinschaft als solcher mitbegr\u00fcnden (vgl. <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u201eMythen und Sagen als Grundlagen der soziokulturellen Basis einer v\u00f6lkischen Vergemeinschaftung\u201c<\/i>, von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Olga Horvath<\/i> [Hrsg.], Budapest, Edition Hyundared, 1984, Seite 253 ff).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-19.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-532\" alt=\"lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-19-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Unter diesen Gesichtspunkten wird klar, dass hier im Lechtal eindeutig von einer West-Ost-lastigen (und umgekehrt) humanoiden Ausbreitung und Kontaktierung ausgegangen werden muss, was auch die noch heute leicht nachvollziehbare sprachliche Unterscheidung der eingeborenen Bev\u00f6lkerung des Lechtals (= Ausserfern) zum restlichen nordtirolerischen Siedlungsbereich entlang des Inntals und seiner Seitent\u00e4ler deutlich belegt: selbst unter der Zugrundelegung des Faktums, dass 30 km westlich von Innsbruck bei der Gemeinde Telfs eine dialektale Grenzziehung mitten durch Nordtirol verl\u00e4uft (westlich von Telfs wird der sogennante \u201eOberl\u00e4nderdialekt\u201c gesprochen, der einen nachweisbaren r\u00e4toromanischen Einfluss aufweist, welcher sich auch in Architektur, Sitten und Gebr\u00e4uchen bis hin zum Erbrecht niedergeschlagen hat; w\u00e4hrend \u00f6stlich von Telfs der \u201eUnterl\u00e4nderdialekt\u201c gesprochen wird, welcher umgekehrt bajuwarischen Einfluss in vielen Teilaspekten der Alltagssprache und des t\u00e4glichen Lebens aufweist) kann im Inntal und seinen Seitent\u00e4lern dennoch von einer sprachlich gemeinsamen Grundstruktur ausgegangen werden, w\u00e4hrend die Alltagssprache im Lechtal (= Ausserfern) ohne jeden Zweifel dem allemanischen Einflussbereich zuordenbar ist. Selbst unter Bezugnahme auf die heutige inner\u00f6sterreichische Grenzziehung zwischen Nordtirol und dem westlich angrenzenden Bundesland Vorarlberg k\u00f6nnen zwischen den Ortschaften Steeg (Nordtirol, Lechtal) und Warth (Vorarlberg), die ungef\u00e4hr 11 km voneinander entfernt liegen, nur derart marginale sprachliche Verschiebungen in der Lautanwendung und der grammatischen Struktur nachgewiesen werden, so dass diese insgesamt lediglich auf die Ausbildung eines eigenst\u00e4ndigen Lokalkolorits zur\u00fcckzuf\u00fchren sind und nicht auf eine generelle eigensprachliche Entwicklung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerade diese Aspekte zeigen sehr deutlich die Eigenst\u00e4ndigkeit dieser Region in arteologischer Hinsicht auf und tragen so wesentlich zu einer differenzierteren Betrachtungsweise der Gesamtansicht der nordtirolerischen arteologischen Grundlagenbeforschung bei. Dies belegen auch sehr deutlich die nach Norden zum Bereich des Voralpenlandes sich \u00f6ffnenden geologisch-terrestrischen Gel\u00e4ndeformen, welche bereits seit vorarteologischer Zeit die insistalen und transistalen Wanderungen lechaufw\u00e4rts kanalisierten. Dieses Spannungsfeld aus dauerhaft entstehenden Besiedlungsformen und fortw\u00e4hrender Beeinflussung durch humanoide Wanderbewegungen gilt es vorrangig im Zuge dieser arteologischen Expedition zu erforschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geografisch gesehen erscheint die Verbindung des Lechtals (Ausserfern \u2013 in der Ferne liegend, in der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=531"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":533,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions\/533"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}