{"id":549,"date":"2013-10-28T22:16:36","date_gmt":"2013-10-28T20:16:36","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=549"},"modified":"2013-10-28T22:16:36","modified_gmt":"2013-10-28T20:16:36","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-143","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=549","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 14\/3"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Bereits die Fundstelle als solche und ihre bautechnische Gestaltung ergeben ein in sich geschlossenes Bild einer zu kultischen Zwecken speziell gefertigten St\u00e4tte. Ausgehend von den Massen welche bei der Freilegung festgestellt wurden ist von einer<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>&#8211; wie sie heutzutage noch beinahe im gesamten Alpenraum vorzufinden sind \u2013 bildstockartigen Struktur zu sprechen, die in sich bereits das noch heute g\u00e4ngige Muster eines derartigen Bildstocks aufweist. Es ist zielf\u00fchrend sich bei der Analyse streng an den Wortinhalt des Begriffs Bildstocks zu halten. Dieser besteht aus zwei separat verwendbaren Hauptw\u00f6rtern (Nomen), von welches jedes eine vollkommen eigenst\u00e4ndige inhaltliche Bedeutung besitzt, welche in keiner direkten Beziehung zum jeweils anderen Hauptwort (Nomen) steht. Das Wort \u201eBild\u201c beinhaltet in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung die grafische, fotografische oder malerische Wiedergabe eines Gegenstands, einer Person, eines Tieres oder einer Landschaft, wobei in der Jetztzeit durchaus auch ungegenst\u00e4ndliche Inhalte wie Gef\u00fchle und\/oder mentale Kompositionen dargestellt werden k\u00f6nnen. Der Begriff \u201eStock\u201c bezieht sich zum einen auf einen normalerweise gerade gewachsenen h\u00f6lzernen Ast oder auch Baumteil, welcher f\u00fcr unterst\u00fctzende Zwecke bei Wanderungen oder dem Skilauf verwendet wird, oder aber auch f\u00fcr therapeutische Zwecke bei Verletzungen und\/oder der Rehabilitation im Bereich des Bewegungsapparates. Weiters wird das Hauptwort \u201eStock\u201c auch f\u00fcr den Begriff einer Etage, etwa \u201eerstes Stockwerk\u201c, eines Geb\u00e4udes verwendet, begegnet uns aber auch im sprachlich sehr alten Begriff des \u201eBergstock\u201c oder auch \u201eGebirgsstock\u201c, welcher eine eigenartige, gedrungene montane Felsformation beschreibt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/bildstockallein.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-550\" alt=\"bildstock,, 1992, lechtal, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/bildstockallein-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>In der Wortbildung \u201eBildstock\u201c wird der Begriff des \u201eStockes\u201c in klarer linguistischer Assimilation in einer Verbindung aus der Bedeutung \u201egerader, h\u00f6lzerner Ast\/Baumteil\u201c und der alten Bedeutung \u201eeigenartige, gedrungene, montane Felsformation\u201c einer vollkommen neuen und dennoch fast lautmalerischen Verwendung zugef\u00fchrt, die eindrucksvoll die Gesamtdarstellung eines Bildstockes beschreibt: Es handelt sich dabei um beinahe ausschliesslich religi\u00f6se oder mit religi\u00f6sem Hintergrund verbr\u00e4mte dem Volksempfinden entsprechende, oftmals nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtete, picturale Darstellung von religi\u00f6sen Motiven oder religi\u00f6sen, lokal verorteten Geschichten, welche an den vier Seiten eines gemauerten, oder gar aus Stein gehauenem Kubus angebracht sind und mit einem pyramidenhaften Dach gegen die Unbilden des Wetters gesch\u00fctzt sind. Zur besseren Erkennbarkeit dieser \u201eBildst\u00f6cke\u201c, die samt und sonders in der freien Natur aufgestellt sind, gerne an Weggabelungen und Wegkreuzen, wird der bildnerisch gestaltete Kubus auf steinernen S\u00e4ulen oder mancherorts auch auf S\u00e4ulen aus heimischem Hartholz dergestalt pr\u00e4sentiert, dass sich die picturalen Gestaltungen dem Auge eines erwachsenen Betrachters in nahezu idealer H\u00f6he offerieren. Es ist offensichtlich, dass infolge der Christianisierung des Nordtiroler Raums, diese Darstellung auf s\u00e4ulenartigen Sockeln aus dem bereits lange zuvor christianisierten italienischen Raum (und damit aus dem kulturellen Bereich der R\u00f6mer und der antiken Griechen) \u00fcbernommen wurde, w\u00e4hrend die sprachliche Bezeichnung \u201eStock\u201c klar auf die eigentlichen und eingeborenen Bezugswurzeln hinweist, die sich bis heute einer jeden Oktroyierung im Sinne einer architektonischen Ausdrucks\u00fcbernahme erfolgreich entzieht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die an der Fundstelle \u201eFurt\u201c im Lechtal vorgefundene Kultnische kann somit eindeutig als vorchristlich und damit hocharteologisch befundet werden, da hier einerseits bereits Elemente eines volksnahen, religi\u00f6sen Ritualverhaltens feststellbar sind, andererseits jedoch der Schritt zu einer stelenhaften Gesamtdarstellung, wie es ein Bildstock per se beinhaltet, noch nicht vollzogen wurde. Die Kultnische bleibt in ihrer Grundform nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, beschreibt in ihrer Vergeschichtlichung rituelle Zielsetzungen \u2013 wie etwa den Wunsch nach einer sicheren und unfallfreien \u00dcberquerung des Flusslaufes, bleibt aber gleichzeitig terrestrisch verbunden und zwingt somit den Betrachter zu einer demutsvollen Haltung bzw. einem rituellen Kniefall. Dies ist auch bei den bisherigen Nischenfunden (sh. \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Stubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 15<\/i>\u201c) eindeutig belegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits die Fundstelle als solche und ihre bautechnische Gestaltung ergeben ein in sich geschlossenes Bild&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/549"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=549"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":551,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions\/551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}