{"id":553,"date":"2013-11-01T12:01:48","date_gmt":"2013-11-01T10:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=553"},"modified":"2013-11-01T12:01:48","modified_gmt":"2013-11-01T10:01:48","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-144","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=553","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 14\/4"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Verortung von rituellen Kultpl\u00e4tzen im gesamten Alpenraum kann grundlegend bis zur Zeit der erfolgreichen Monotheisierung, einem lebensbejahendem Glaubensbild, welches von der Anbetung verschiedenster Erdg\u00f6tter gekennzeichnet war, zugeordnet werden. Dies zeigt sich in aller Deutlichkeit in den vorgefundenen Kultnischen, deren Einbettung in den \u201eMutterboden\u201c (ein Begriff der in der deutschen Sprache noch heute Verwendung findet) diese direkte und wohl auch durch keine priesterliche Exklusivit\u00e4t beschr\u00e4nkte Verbundenheit der damaligen Bev\u00f6lkerung mit ihrem Geister- und G\u00f6tterbild belegt. Besonders in der Prae-Arteologischen-Zeit als auch in der Arteologischen-Zeit ist davon auszugehen, dass f\u00fcr die Menschen des Nordtiroler Siedlungsraumes, und wohl auch dar\u00fcber weit hinaus gehend, die gesamte Natur als beseelt und animiert verstanden wurde, wobei aber anzumerken bleibt, dass sich daraus kein auf \u00c4ngsten beruhendes religi\u00f6s-institutionelles Muster entwickelte, sondern vielmehr eine Art von spiritueller Volksfr\u00f6mmigkeit, welche f\u00fcr jeden Anlass (sei es nun eine Form von Erntedank oder auch der Beginn einer notwendigen Reise) eine rein ideelle Begleitung mittels mystifizierter Spiritualit\u00e4t f\u00fcr die Menschen in ihrer allt\u00e4glichen Lebenswelt offerierte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerade in Nordtirol haben sind eindeutig Reste dieser Volksfr\u00f6mmigkeit aus Prae-Arteologischer-zeit und Arteologischer-Zeit trotz der seit vielen Jahrhunderten erfolgten Christianisierung deutlich erhalten. Rein logisch betrachtet, hat die katholische Ausformung des Christentums im Alpenraum wenig bis gar nichts mit einer monotheistischen Religion im eigentlichen Sinne gemein <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(Francesca Woitijalowa, \u201eAberglaube als basales Fundament einer monotheistischen Religionsstruktur\u201c; Universit\u00e4t Warschau; 1983; Schriften zur Rationalit\u00e4t, Heft 23)<\/i>. Allein die Unterscheidung zwischen Propheten und Heiligen zeigt auf, dass zum einen zwar die sogenannten Verk\u00fcnder und\/oder Lehrgestalten im theologischen Diskurs ihre konsolidierte Bedeutungshistorie erhalten, anderseits aber bietet gerade die katholische Ausformung des Christentums mit einer Unzahl von Heiligen (und in einer abgeschw\u00e4chten Unterform auch mit sogenannten \u201eSeeligen\u201c Personen\/Wesen) f\u00fcr nahezu alle Lebenssituationen eine spezifische spirituelle Begleitung an (vgl. die \u201eVierzehn Nothelfer\u201c), welche noch heute derart tief im Empfinden der eingeborenen Bev\u00f6lkerung verwurzelt sind, dass man objektiver Weise eindeutig von einem Mehrgottglauben sprechen muss (Anmerkung: auf die gesamtchristliche Lehre der \u201eDreifaltigkeit\u201c, dass der Begriff \u201eEin Gott\u201c aus Gott-Vater, seinem Sohn und aus dem \u201eHeiligen Geist\u201c besteht, wird hier nicht weiter eingegangen). Zudem belegen zahlreiche und weitestgehend ausser Frage stehende vorchristliche Rituale, welche noch heute praktiziert werden (etwa die \u201eRaun\u00e4chte\u201c, \u201eSonnwendfeuer\u201c und die verschiedenen Figuren der \u201eFasnacht\u201c), die starke Verwurzeltheit der eingeborenen Bev\u00f6lkerung mit vorchristlichen Glaubensbildern und Traditionen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Grabnische.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-554\" alt=\"grabnische, lechtal, 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Grabnische-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der zelebrierten Diesseitigkeit der vorchristlichen Rituale. Dieses Hingewandtsein an das Leben als solches zeigt sich in aller Deutlichkeit gerade in der Formung und Gestaltung der Kultnischen, welche samt und sonders direkt am und im Erdboden\/Erdreich verortet sind, w\u00e4hrend die christlichen Pendants immer \u201ehimmelw\u00e4rts\u201c ausgerichtet wurden (vgl. Kultnische vs. Bildstock). \u00dcberreste dieser vorchristlichen Traditionen k\u00f6nnen in zahlreichen Kirchenbauten am Fussboden gesichtet werden, welche als eingelassene Grabplatten einerseits die Verbundenheit mit der Erde widerspiegeln und andererseits dem Bestattungscharakter im christlichen Sinne entsprechen. Die Parallelit\u00e4ten der Gestaltung dieser Grabst\u00e4tten zu den meist in Trockenbauweise errichteten Kultnischen sind augenscheinlich. Die Bodengestaltung dieser Grabst\u00e4tten als auch der Kultnischen erfolgte mit heimischem Gestein und auch die umgebenden Mauerungen weisen diesbez\u00fcglich klare, strukturelle \u00dcberschneidungen auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verortung von rituellen Kultpl\u00e4tzen im gesamten Alpenraum kann grundlegend bis zur Zeit der erfolgreichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/553"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":555,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/553\/revisions\/555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}