{"id":556,"date":"2013-11-02T20:42:04","date_gmt":"2013-11-02T18:42:04","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=556"},"modified":"2013-11-02T20:42:04","modified_gmt":"2013-11-02T18:42:04","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-145","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=556","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 14\/5"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Kultnische am rechten Ufer des Flusslaufes befindet sich rechter Hand des urspr\u00fcnglich wohl stufenf\u00f6rmig angelegten Furteingangbereichs, wobei diese Stufenf\u00fchrung von einer eher terassenf\u00f6rmigen Struktur gepr\u00e4gt ist, da die einzelnen Stufen wahrscheinlich nicht mehr als eine f\u00fcnf Zentimeter hohe Gratkante aufwiesen und generell leicht absch\u00fcssig gef\u00fchrt wurden, sodass mit sieben (die Gel\u00e4ndeanalyse ergibt jedoch auch eine m\u00f6gliche Stufenanzahl von acht Stufen) Abs\u00e4tzen der gangbare Grundboden des Furtweges auf H\u00f6he des mittleren, sommerlichen Wasserpegels erreicht werden konnte. Die Tiefe der absch\u00fcssig angelegten Staffeln betrug im Schnitt 65 bis 70 cm, sodass von einem Abgangsquerschnitt von circa f\u00fcnf Metern auszugehen ist. Diese Anlage des Gef\u00e4lles erm\u00f6glicht es, selbst mit schwer beladenen Wagen samt Zugtieren relativ problemlos diese Neigung bzw. Steigung (wenn wir von der umgekehrten \u00dcberschreitungsbewegung ausgehen) zu \u00fcberwinden, da die kaskadige Treppenf\u00fchrung mit f\u00fcnf Zentimeter hohen Gratkanten eine zwar ruckartige Fortbewegung verlangt, welche zum einen jedoch in der Abw\u00e4rtsbewegung zu einer Bremswirkung durch die Verlagerung des Eigengewichtes auf die Vorderachse f\u00fchrt und umgekehrt bei der Steigungsbew\u00e4ltigung es den Begleitern durch die Hebelwirkung bei manuellem Speicheneingriff erm\u00f6glicht, die Steigung selbst mit schwerer Ladung ohne zus\u00e4tzliche Zugtiere oder Personal zu bew\u00e4ltigen. Versuche mit landwirtschaftlichen W\u00e4gen, welche aus der vormotorisierten Zeit stammen belegen die klar durchdachte und in ihrer Einfachheit erstaunlich funktionelle Gesamtanlage dieser Furteinfahrt. Dass dennoch derartige \u00dcberquerungen stets mit Risiko verbunden waren, ergibt sich zum einen aus der Verwendung von Zugtieren (deren Verhalten niemals restlos linear zu planen ist) und zum anderen aus der wechselnden Beschaffenheit des Untergrunds (Regen, Schnee, Eis, Trockenheit, Untersp\u00fclungen etc.). Somit galt jede Furt als neuralgisches infrastrukturelles Verkehrsproblem, welches einer st\u00e4ndigen Wartung und Sicherung bedurfte. Zudem muss der sicherheitspolitische Aspekt ber\u00fccksichtigt werden. Nicht umsonst wurden zahlreiche dauerhafte und bewehrte Siedlungen urspr\u00fcnglich in unmittelbarer N\u00e4he von Furt\u00fcberg\u00e4ngen angelegt, da die strategische und handelsspezifische Bedeutung derartiger Verkehrsknotenpunkte nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass die \u00dcberschreitung des Flusslaufes nur gegen Entgelt (in Form von Naturalien oder sp\u00e4terhin auch in Form von M\u00fcnzzahlungen) durchgef\u00fchrt werden konnte. Ebenso entwickelten sich unmittelbarer Umgebung Handelspl\u00e4tze (als Vorl\u00e4ufer und Wegbereiter von festen Siedlungen) samt gastronomischer Infrastruktur f\u00fcr Reisende und wohl zeitgleich die traditionell den rituellen Bed\u00fcrfnissen entsprechenden Zeremonialformen, deren Gewichtung insgesamt den Herrschaftsanspruch der verorteten eingeborenen Bev\u00f6lkerung exekutionell manifestierte. Die am linken oberen Furteingangsbereich angelegte Kultnische bedient somit nicht nur das spirituelle Bed\u00fcrfnis nach virtuellem, g\u00f6ttlichen Beistand f\u00fcr die \u00dcberfahrt, sondern dient in gleicher Weise der symbolistischen Pr\u00e4sentation der spezifischen Normierung des eingeborenen, vor Ort leitend praktizierten religi\u00f6sen Kults, der gleichbedeutend mit dem Anspruch auf die weltliche Herrschaft \u00fcber diese Gebiet einherging.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultnische-planzeichnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-557\" alt=\"kultnische, planzeichnung, lechtal, 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultnische-planzeichnung-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Kultnische selbst wurde schlicht gestaltet. Sie misst in ihrer ausgegrabenen und vorgefundenen Gesamtl\u00e4nge etwa 33 cm, d\u00fcrfte jedoch insgesamt etwa einen halben Meter betragen, die nur mehr in einem eck die urspr\u00fcngliche Trockenmauerung vorhanden ist. Die H\u00f6he von 16 cm erscheint insoweit stimmig, als von einer h\u00f6lzernen \u00dcberdachung auszugehen ist; dies ist aus einer k\u00fcnstlich hergestellten Einkerbung zur Aufnahme von Tragebalken an einem Simsstein ablesbar. Sowohl der Boden als auch die in Trockenbauweise hergestellten W\u00e4nde wurden aus heimischem Kalkstein gefertigt. Der ausgegrabene Boden besteht aus zw\u00f6lf etwa handfl\u00e4chengrossen, flachen Kalkkieseln, welche nahezu fugenlos ineinander verlegt wurden. Der Untergrund wurde mit groben Sanden sedimentfrei vorbereitet, um so jedes Oberfl\u00e4chenwasser rasch und nachhaltig der Versickerung zuzuf\u00fchren. Die W\u00e4nde des ausgegrabenen Ecks sind frei tragend in Trockenbauweise auf die Grundfl\u00e4che selbsttragend aufgeschichtet, wobei die untere Kantenf\u00fchrung durch ein mehrere Zentimeter den Mauerrand \u00fcberragendes<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>Fundament dauerhaft gest\u00fctzt werden. Die Sorgsamkeit der Errichtung weist in ihrer statischen Ausf\u00fchrung polygonale Ans\u00e4tze auf, welche s\u00e4mtliche Druck-und Zugkr\u00e4fte der Mauerkonstruktion aber auch des dar\u00fcber befindlichen Dachstuhls seitw\u00e4rts in die Fundamente leitete. Es ist daher schl\u00fcssig anzunehmen, dass die Kultnische frei stand und von aussen weder durch Erdw\u00e4lle oder zus\u00e4tzliches Mauerwerk gest\u00fctzt war. S\u00e4mtliche Bodensteine weisen eine bearbeitete und gegl\u00e4ttete Oberfl\u00e4che aus, wobei nicht mehr einwandfrei feststellbar ist, ob bei dieser Gestaltung auch kunsthandwerkliche Formengebungen eingesetzt wurden. Lediglich im Pr\u00e4sentationsbereich der vorgefundenen Kult-Objecte weisen Spuren von organischem Material zumindest auf die Verwendung von Farbe(n) hin. Die W\u00e4nde wiederum sind ungegl\u00e4ttet und unbehauen, unterstreichen dadurch jedoch den archaischen Charakter der Kultnische Insgesamt, da sie damit architektonisch <span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0<\/span>den rituellen Rahmen f\u00fcr die pr\u00e4sentierten Kult-Objecte optisch verst\u00e4rken. Ausser den drei Kult-Objecten wurden unmittelbar keinerlei weitere Artefakte gefunden. Die Kultnische diente somit eindeutig reinen Bitt- und Dankesritualen ohne eine gegenst\u00e4ndlich bezogene Darreichung von Opfergaben. Diese erfolgte (wahrscheinlich) in direktem Kontakt mit der amtsf\u00fchrenden Priesterschaft respektive deren Gehilfen vor Ort, um auch bei hohem Verkehrsaufkommen einen raschen und unverz\u00fcglichen Verkehrsfluss zu gew\u00e4hrleisten. Im \u00fcbertragenen Sinn kann diese Form der Opfergabe als Vorl\u00e4ufer der Eintreibung eines Wegzolls verstanden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kultnische am rechten Ufer des Flusslaufes befindet sich rechter Hand des urspr\u00fcnglich wohl stufenf\u00f6rmig&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":558,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions\/558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}