{"id":560,"date":"2013-11-10T20:39:07","date_gmt":"2013-11-10T18:39:07","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=560"},"modified":"2013-11-10T20:39:07","modified_gmt":"2013-11-10T18:39:07","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=560","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass diese Kultnische keinerlei auf Dauer angelegte Fundamentierung durch einen unter die Frostgrenze reichenden Aufbau aus massivem Kalkgestein oder auch aus dem Flusslauf entnommenen, grossformatigen Flusssteinen aufweist. Dass es dennoch zu keinerlei basalen Verwerfungen und\/oder Verschiebungen gekommen ist, welche dem seiner Trockenbauweise entsprechendem m\u00f6rtellosem Aufbau irgendwelche setzungstypischen Sch\u00e4den zuf\u00fcgte, beweist die hohe Kunst der fertigenden Handwerker, die ohne Frage sich eine sehr genaue, aus ihrer Erfahrung resultierende Kenntnis der bauphysikalischen Bedingungen vor Ort angeeignet haben mussten. Dies verlangte nach einer pr\u00e4zisen Kenntnis der Untergrundstrukturen vor Ort, insbesondere \u00fcber die systemimmanenten Prozesse im Rahmen eines flussl\u00e4ufigen Geschiebes mit st\u00e4ndig wechselnden Wasserst\u00e4nden und jahreszeitlich bedingten, nahezu regelm\u00e4ssig wiederkehrenden Hochwassern. Der Bauplatz der Kultnische wurde zum einen durch den sich aus den Bedingungen vor Ort ergebenden Furtspezifika bestimmt und zum anderen aus den an der Baustelle vorgefundenen Strukturen der Bodenbeschaffenheit. Eine \u00f6rtliche Abweichung oder planm\u00e4ssige Anpassung konnte dabei nur im Umkreis von wenigen Metern erfolgen, da ansonsten die rituelle Bedeutung des Bauwerks ad absurdum gef\u00fchrt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der gesamte Uferbereich entlang der rechtsseitigen Ufereinfurtung besteht zum \u00fcberwiegenden Teil aus mindestens kopfgrossen, durch die Verbringung mit dem Wasserlauf stark abgerundeten Kalksteinen, die mit den mitgef\u00fchrten, leichteren Schottern eine sediment\u00e4re Brekzie bilden. Typisch f\u00fcr derartige sediment\u00e4re Brekzien ist ihre Entstehung in geringer Entfernung von jenem Ort, an welchem die Zertr\u00fcmmerung des Ausgangsmaterials stattgefunden hat. Dies ist von der groben, kantigen Form der verbackenen, sich im Schotter befindenden Bruchst\u00fccke abzuleiten, da weite Transportwege (z. B. als Sedimenteintrag in Wasserl\u00e4ufen oder Gletschern) in der Regel zu einer Abrundung der Kanten f\u00fchren. Anlass zur Entstehung einer Brekzie ist meistens eine Massenbewegung, wie zum Beispiel bei einem Bergsturz, einer Hangrutschung oder untermeerische Tr\u00fcmmermassen vor einem Riff. Die sich daraus bildende Struktur des Uferhanges verdichtete sich im Laufe der Zeit durch den andauernden Str\u00f6mungsdruck des Flusses im Verein mit den nat\u00fcrlichen Setzungsbewegungen jeglicher tektonischer Schichten. Es war somit weder notwendig noch sinnvoll f\u00fcr den Unterbau der Kultnische einen eigenen Frostkoffer zu errichten, umso mehr, als diese T\u00e4tigkeit mit umfangreichen und tiefen Eingriffen in diese sediment\u00e4re Brekzie verbunden gewesen w\u00e4re, welche in weiterer Folge zu einer Schw\u00e4chung und St\u00f6rung am gesamten Uferverlauf gef\u00fchrt h\u00e4tten. Die Kultnische konnte daher direkt nach einer oberfl\u00e4chlichen Begradigung des Bauplatzes auf den Mutterboden der B\u00f6schung aufgesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtalcult_1992-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-561\" alt=\"cult-object, triptychon, lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtalcult_1992-5-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Wie hoch das handwerkliche Geschick im Allgemeinen zu dieser zeit bereits gediehen war, zeigt auch der sensationelle Fund der als Triptychon ausgebildeten Cult-objecte, welcher weitestgehend unversehrt in dieser Kultnische entdeckt und freigelegt wurde. Es handelt sich dabei um drei metallene, zwischen 92 und ca. 98 mm lange, zum Grossteil flach ausgef\u00fchrte Fundst\u00fccke, die in ihrer Funktionalit\u00e4t den bisher in Nordtirol vorgefundenen Cult-objecten (Ausgrabungen im Inntal, im Wipp- und im Stubaital) eindeutig, wenn auch als Weiterentwicklung zuordenbar sind. Dies belegt eindeutig, dass die insistalen Wanderbewegungen \u00fcber das Hahntennjoch weitaus mehr als dem blossen Austausch von Waren und G\u00fctern dienten, sondern vielmehr eine intrinsische und wohl auch extrinsische Beeinflussung im Sinne einer sozialen Vernetzung \u00fcber die eigene Verortung des lokalspezifischen Bezugs hinaus dauerhaft initiierten. Die Fundung von relationsbezogenen Cult-objecten an verschiedensten geographischen \u00d6rtlichkeiten Nordtirols, die zudem einer g\u00e4nzlich unterschiedlichen Assimilierung oder gar Okkupation von aussen unterlagen, belegt den konservativen Erhaltungsansatz eines aus den eigenen Traditionen heraus gestalteten Individualisierungsansatzes einer Bev\u00f6lkerungsgruppe, welche sich rituell als auch physisch mit der Inbesitznahme des Siedlungsraumes nachhaltig zu identifizieren versucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass diese Kultnische keinerlei auf Dauer angelegte Fundamentierung durch einen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/560"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=560"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":562,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions\/562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}