{"id":566,"date":"2013-11-15T21:32:43","date_gmt":"2013-11-15T19:32:43","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=566"},"modified":"2013-11-15T21:32:43","modified_gmt":"2013-11-15T19:32:43","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-152","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=566","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15\/2"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcckansicht dieser drei in der Kultnische vorgefundenen Cult-objecte gleicht sich in einer Art und Weise, dass an dieser Stelle einzig eine R\u00fcckseite einer genauen Beschreibung zugef\u00fchrt wird; die genaue Analyse aller drei Objekte dieses Triptychons ist dem Heft 23\/1993 aus der Reihe <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u201eDie analytischen Befundungen der arteologischen Funde der arteologischen Expedition \u201aLechtal\u2018 1992<\/i>\u201c der Arteologischen Zentralstelle Innsbruck zu entnehmen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object1_lechtal_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-567\" alt=\"cult-object, rueckansicht, lechtal, 1992, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object1_lechtal_2-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>S\u00e4mtliche Kanten wurden auf eine durchschnittliche Tiefe von 4 mm gefalzt, abgegr\u00e4tet, entspant und geschliffen. Diese Falzung verleiht einerseits dem Objekt insgesamt eine innere Stabilit\u00e4t, wie sie durch die reine Gestaltung in Form eines Flacheisens niemals erreicht werden k\u00f6nnte und belegt andererseits ein handwerkliches Selbstverst\u00e4ndnis, welches weit \u00fcber die eigentliche Nutzungsverwendung eines Gebrauchs- oder auch Kultgegenstandes hinaus geht. Dies ist umso erstaunlicher, da keinerlei Gebrauchsspuren an keinem der drei Cult-objecte nachweisbar sind. Dennoch wurde hier mit sehr grosser Pr\u00e4zession und handwerklichem Aufwand ein Objekt geschaffen, welches in sich s\u00e4mtliche Pr\u00e4missen einer optimalen Verwendung aufweist. Weder wird die Handlichkeit der Objekte durch eine rein formalistische Gestaltung beeintr\u00e4chtigt, obgleich \u2013 und hier kommt eindeutig die Wertigkeit der kultischen Zielsetzung zum Tragen \u2013 es wohl bereits beim Herstellungsvorgang ausser Frage stand, dass diese Objekte keinerlei t\u00e4glichen Nutzungsverwendung im Sinne einer allt\u00e4glichen Verrichtung zugef\u00fchrt werden, noch wird auf der R\u00fcckseite in rein szenarisch-fassadenhafter Form gearbeitet, wie wir es etwa von religi\u00f6sen Skulpturen aus den christlichen Kirchen der eingeborenen Bev\u00f6lkerung kennen, die meist an ihrer R\u00fcckseite lediglich eine grobe Verarbeitung erkennen lassen, die nur insoweit ausgef\u00fchrt wurde, als dass sie dem dreidimensionalen Charakter der Figur entsprechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese akribische Ausgestaltung in s\u00e4mtlichen Details belegt die bedeutende innergesellschaftliche Stellung der kultischen Traditionen und unterstreicht die spirituelle Ernsthaftigkeit insgesamt, welche der damaligen Soziet\u00e4t inne war. W\u00e4hrend der Fund im Stubaital (vgl. <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u201eStubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 16\u201c<\/i>). Zudem beweist die weiterentwickelte Formensprache der beidschenkelig offenen Cult-objecte hin zu einer einheitlichen Form f\u00fcr alle drei Cult-objecte, dass zwar die handelstechnische Infrastruktur und im Zuge dessen auch der kulturelle und alltagsspezifische Erfahrungsaustausch mit Gruppen, Clans oder gar St\u00e4mmen aus dem s\u00fcddeutschen Raum (heutiges Allg\u00e4u) lediglich in linguistischer Sicht Nachhaltigkeit erreichte (wie auch heute noch unschwer feststellbar ist; so geh\u00f6rt das nordtirolerische Ausserfern \u2013 also das Gebiet des heutigen politischen Distrikts \u201eReutte\u201c \u2013 eindeutig dem alemannischen Sprachkreis an und besitzt somit sprachlich eine gegen\u00fcber dem Rest von Nordtirol klar abgegrenzte Eigenst\u00e4ndigkeit, die ihre linguistische Verwandtschaft zum im Westen befindlichen Bundesland Vorarlberg und zum s\u00fcddeutschen Allg\u00e4u hin definiert), w\u00e4hrend Tradtionen, Sitten und Gebr\u00e4uche dennoch klar einer gemeinsamen rituellen Genese entsprechen. Dies erscheint umso bemerkenswerter, als der gesamte Austausch an Waren, G\u00fctern, und intellektueller Beeinflussung viel eher vom s\u00fcddeutschen Raum her zu erwarten war und in rein genetischer Beweisf\u00fchrung der Gesamttypologie der eingeborenen Bev\u00f6lkerung auch entgegengesetzt zum Wasserlauf des Flusses Lech her von Norden erfolgte, dennoch aber war es der nur in den Sommermonaten passierbare Weg \u00fcber das Hahntennjoch, welcher dauerhaft den eigenen Entstehungsmythos und das daraus abgeleitete rituelle und tradierte Eigenverst\u00e4ndnis formte. Am deutlichsten ist dies eben in Form, Ausgestaltung und der spezifischen Kultnutzung der vorgefundenen Objekte zu erkennen. Die gegenseitigen Assimilierungstendenzen von transalen und insistalen Infiltrationen unterliegen dem Primat der sozietiven Tauglichkeit und d\u00fcrfen aus arteologischer Sicht daher keineswegs ausser Acht gelassen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die R\u00fcckansicht dieser drei in der Kultnische vorgefundenen Cult-objecte gleicht sich in einer Art und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/566"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=566"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":568,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/566\/revisions\/568"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}