{"id":569,"date":"2013-11-17T20:02:33","date_gmt":"2013-11-17T18:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=569"},"modified":"2013-11-17T20:02:33","modified_gmt":"2013-11-17T18:02:33","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-153","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=569","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15\/3"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Datierung dieses Triptychons markiert <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(+\/- 15 Jahre; laut Radiocarbonuntersuchung der Freien Universit\u00e4t Izmir, Physikalisches Institut unter der Leitung von DDr. Achmed Acif<\/i>) mit den \u00dcbergang von der Arteologischen Zeit zur Hocharteologischen Zeit und muss als bedeutender Fund mit soziokulturellem und rituellem Hintergrund gewertet werden. In sehr vielen (Natur) Religionen gilt die Zahl Drei als heilig; zudem ist sie eine Primzahl. Bereits bei der Grabung im Stubaital wurde eine Dreierkonstellation der Cult-objecte vorgefunden, jedoch bildeten diese Cult-objecte keine derart eindeutige Einheit wie der Fund \u201eLechtal\u201c. Zum einen war die r\u00e4umliche Systematik eines bewusst konzipierten Triptychons nicht gegeben und zum anderen wies nur ein einziges Cult-object eine formale Weiterentwicklung auf. Die beiden anderen Cult-objecte entsprachen in ihrer Gestaltung den bis dahin vorgefundenen Objekten bei den Grabungen im Inntal und im Wipptal.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtalcult_1992-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-573\" alt=\"triptychon, lechtal 1992, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtalcult_1992-4-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die kompositorisch einheitliche Ausformung aller drei Cult-objekte der Fundung \u201eLechtal\u201c, sowie deren exakt parallele Ausrichtung von West nach Ost \u2013 wobei alle drei Spreitgabelungen der beiden ge\u00f6ffneten Schenkel nach Osten weisen \u2013 findet zus\u00e4tzlich ihre Entsprechung in der architektonischen Gestaltung der Kultnische. S\u00e4mtliche Bodensteine wurden gleichfalls in West-Ost-Ausrichtung verlegt, und auch die Kultnische insgesamt unterliegt dieser Pr\u00e4misse.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Mit der Christianisierung von Nordtirol wurden zahlreiche bisherige Kultpl\u00e4tze von der neuen Religion adaptiert. Eine Vorgangsweise die h\u00e4ufig mit dem Auftreten von neuen religi\u00f6sen Str\u00f6mungen einhergeht (z.B. die \u201eHagia Sophia\u201c in Istanbul) und entweder mittels autorit\u00e4rer Gewalt durch neue Herrschaftsdynastien oder aber durch Assimilation der unterworfenen, eingeborenen Bev\u00f6lkerung erreicht wird. Die Historie der transalen Wanderbewegungen ist durchwegs gekennzeichnet von bewusster Oktroyierung der unterlegenen und eroberten Gebiete mit den eigenen religi\u00f6sen Vorstellungen und Ritualen. Dies reflektiert die \u00dcberzeugung, dass die eigenen Gottheiten und\/oder G\u00f6tter der siegreichen Seite aufgrund ihrer spirituellen \u00dcberlegenheit den Erfolg sicherten und somit gleichzeitig die einzige Wahrhaftigkeit der eigenen religi\u00f6sen Vorstellungen beweisen. Gleichwohl bleiben vor allem in Randbereichen und im spirituellen Leben der einfachen Leute althergebrachte Vorstellungen und religi\u00f6se \u00dcberzeugungen weiterhin bestehen und finden ihren Ausdruck entweder in als \u201eabergl\u00e4ubisch\u201c bezeichneten Ritualen, oder aber in adaptierten Versionen des neuen religi\u00f6sen Glaubens.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/dreifaltigkeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-574\" alt=\"katholische dreifaltigkeit, nordtirol, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/dreifaltigkeit-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Es entsprach insgesamt den religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen der eingeborenen Nordtiroler Bev\u00f6lkerung, dass mit der Christianisierung zahlreiche deckungs\u00e4hnliche Formalismen in der rituellen Ausrichtung \u00fcbernommen werden konnten. Aus arteologischer Sicht stellt das Christentum keinen monotheistischen Glauben dar. So entspricht etwa die hierarchische Gliederung des theistischen Aufbaus, hier vor allem in der Unterart des Katholizismus, viel mehr dem religi\u00f6sen Grundgedanken der antiken Religionen (Griechen, R\u00f6mer) mit einer obersten F\u00fchrungsriege und einem dorthin f\u00fchrenden Stufenbau der Glaubensordnung, beginnend von den Lebenden bis hin zu den unsterblichen Untergottheiten und Gottheiten. Die Reihenfolge: Priester (in der katholischen Ausformung ausschliesslich m\u00e4nnlich), Selige, Heilige und dann erst das \u201eTriumvirat\u201c Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist \u2013 entspricht hier nahezu exakt den antiken, okzidentalen Vorbildreligionen. Insbesondere die vorgegebene \u201eEinheit\u201c aus Gottvater, Gottsohn und Heiligem Geist, tr\u00e4gt in sich die seit alters her \u201eHeilige Zahl Drei\u201c und darf in ihrer \u201eUnit\u00e4t\u201c von streng gl\u00e4ubigen Katholiken nicht hinterfragt werden. Gestalterisch wird diese \u201eEinheit\u201c als Dreieck mit einem implizierten Auge dargestellt. Die \u00c4hnlichkeit mit der gestaltungsspezifischen Darstellungsform des Triptychons im \u201eLechtal\u201c ist augenscheinlich. So k\u00f6nnen auch heute noch im gesamten nortirolerischen Raum klare Spuren dieser Verehrungsform f\u00fcr die \u201eHeilige Drei\u201c vorgefunden werden: beginnend vom sogenannten \u201eDreifaltigkeitssonntag\u201c, \u00fcber die mythologische Geschichte der \u201eHeiligen Drei K\u00f6nige\u201c, die \u201edrei Kreuze am Berg Golgotha\u201c, bis hin zur Geschichte der \u201edreimaligen Verleugnung durch Petrus\u201c. Wobei festgestellt werden muss, dass in abgeschw\u00e4chter Form diese rituellen und inhaltlichen Bez\u00fcge zur \u201eHeiligen Zahl Drei\u201c insgesamt im Christentum manifest sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Datierung dieses Triptychons markiert (+\/- 15 Jahre; laut Radiocarbonuntersuchung der Freien Universit\u00e4t Izmir, Physikalisches&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/569"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=569"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":575,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions\/575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}