{"id":589,"date":"2013-12-20T15:23:11","date_gmt":"2013-12-20T13:23:11","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=589"},"modified":"2013-12-20T15:23:11","modified_gmt":"2013-12-20T13:23:11","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=589","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 18"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Besonders die eingeborenen Grabungskr\u00e4fte dr\u00e4ngten sich umgehend derart gegen die Absperrung, dass es durchaus vehementer Autorit\u00e4t bedurfte, um die Sicherheit der Fundstelle f\u00fcrderhin zu gew\u00e4hrleisten. Dr. Arkadasch beorderte sein angestammtes wissenschaftlich-arteologisches Team zur \u00dcberwachung der Absperrung und drohte zudem sofort die weiteren Grabungs- und Fundbergearbeiten abzubrechen, wenn weiterhin mit derartiger Disziplinlosigkeit zu rechnen sei. So gutm\u00fctig die eingeborene maskuline Bev\u00f6lkerung im Umgang mit G\u00e4sten zu sein scheint, so br\u00fcsk und oftmals beinahe feindselig bis ablehnend entpuppt sich die Nordtiroler Bev\u00f6lkerung, wenn es nicht direkt um devisenbringende Personen geht, welche gewillt sind, ihren Aufenthalt in dieser zweifellos durchaus reizvollen Landschaft mit einem monet\u00e4ren Gegenwert zu honorieren. Dieser merkantile Zug offenbart sich bereits bei den Kindern, welche \u2013 vor allem in den verbliebenen agrarischen Familienbetrieben und im Beherbergungs- und Gastst\u00e4ttenbetrieb \u2013 von fr\u00fchen Jahren an zur t\u00e4tigen Mithilfe im Rahmen des elterlichen Betriebes angehalten werden. Diese Haltung reflektiert sich augenscheinlich in einem starken Hang zu einer beinahe schon \u00fcbertriebenen Darstellung der eigenen Wertigkeit mit Hilfe von materiellen Statussymbolen. So neigt die nordtiroler Bev\u00f6lkerung zu einer oftmals kitschig wirkenden \u00dcberladung der Fassadengestaltung ihrer Unterk\u00fcnfte, welche gleichzeitig in architektonischer Weise vom \u2013 selbst von kritischen Eingeborenen derart bezeichneten \u2013 \u201eLederhosenstil\u201c gepr\u00e4gt wird. Es handelt sich dabei um in ihrer Grundstruktur b\u00e4uerlich wirkende Geb\u00e4ude welche mit verschn\u00f6rkeltem, ornamentalem Holzzierat in ausladendster Weise verunstaltet werden. Dies setzt sich im Blumenschmuck, der beinahe \u00fcberall an Fenstern und Balkonen anzufinden ist, fort und findet seine Weiterf\u00fchrung in nahezu klinisch reinen Haus- und Hofeinfahrten, welche die Zufahrt zu generell streng eingez\u00e4unten und abgeriegelten Grundst\u00fccken darstellen. Dieses Sich-Abkapseln spiegelt wohl auch die Enge der Talschaften und die damit soziokulturell mit einhergehende geistige Enge der eingeborenen Bev\u00f6lkerung wider, welche allem ungewohnten und fremden zuerst mit Ablehnung und Skepsis gegen\u00fcbertritt und erst in weiterer Folge von einer vorsichtigen und misstrauischen Neugier in manchen F\u00e4llen abgel\u00f6st wird. Umgekehrt kennt der tiroler Eingeborene oftmals aber keinerlei Scheu, wenn er glaubt, auf Grund seiner Position das Recht zu haben unmittelbar an einem wichtigen Geschehen teilhaben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-590\" alt=\"humanoider fund, lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-7-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Diesem Selbstverst\u00e4ndnis nachhaltig entgegenzutreten war somit die wichtigste Erstmassnahme um den humanoiden Fund, welcher von Herrn Herwig Angerer freigelegt wurde, zu sch\u00fctzen. Zudem verschlechterte sich das Wetter an diesem 5. August hin zur Unbest\u00e4ndigkeit und es war jederzeit mit einsetzenden Regenschauern zu rechnen. Ehe daher mit der professionellen Bergung des Fundes begonnen werden konnte, musste die nun vor unbefugtem Zutritt gesicherte Fundstelle eingezeltet werden und mit den notwendigen Seitendrainagierungen versehen werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Wie unabl\u00e4sslich derartige Vorbereitungen sind, zeigte sich in der Nacht auf den 6. August, als stundenlanger Regen nicht nur den Wasserstand des Flusses Lech um gut 10 cm ansteigen liess, sondern auch die Uferbereiche und Gangpfade im Grabungsgebiet nur mehr erschwert passierbar machte. Dank der vorausschauenden Sicherungsarbeiten konnten die weiterf\u00fchrenden Vermessungs- und Kartographierungsarbeiten der Fundstelle dennoch planm\u00e4ssig durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Bergung des humanoiden Fundes folgte exakt den wissenschaftlic-arteologischen Vorgaben, sodass es zu keinerlei weiteren Besch\u00e4digungen mechanischer Art am Fundst\u00fcck kam. Die generelle Problematik, dass mit der Freilegung eines organischen Fundst\u00fcckes die chemischen Prozesse, welche mit seiner Verbringung an die Oberfl\u00e4che und damit in eine sauerstoffhaltige Umgebung einhergehen, nicht absolut aufgehalten werden k\u00f6nnen, stellt nicht nur arteologische, sondern auch arch\u00e4ologische Expeditionen immer wieder vor grosse Herausforderungen. Es ist daher unabdingbar, vor der endg\u00fcltigen Bergung nach M\u00f6glichkeit ein wissenschaftliches Umfeld zu gestalten, welches die weitere Beforschung nicht unn\u00f6tig erschwert oder gar verunm\u00f6glicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonders die eingeborenen Grabungskr\u00e4fte dr\u00e4ngten sich umgehend derart gegen die Absperrung, dass es durchaus vehementer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=589"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":591,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589\/revisions\/591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}