{"id":595,"date":"2013-12-24T11:32:29","date_gmt":"2013-12-24T09:32:29","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=595"},"modified":"2013-12-25T22:26:34","modified_gmt":"2013-12-25T20:26:34","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=595","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 20"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Trotz dieser unvorhergesehen, administrativen Schwierigkeiten muss gesagt werden, dass der gesamte Nordtiroler Raum, so wie auch das Staatsgebilde der Republik \u00d6sterreich nicht so sehr von Wirtschaft, Forschung und Bildung leben, sondern vielmehr die Funktionalit\u00e4t dieses sozialen Gef\u00fcges in erster Linie einer tats\u00e4chlich bewundernswert arbeitenden Beamtenschaft zu verdanken ist. Auch wenn hierbei oftmals heutzutage uns fremdartig erscheinende Ausformungen zu beobachten sind \u2013 wie etwa die Unk\u00fcndbarkeit von Brieftr\u00e4gern oder den Chauffeuren h\u00f6herer leitender politischer Amtsinhaber \u2013 so fusst dieses Selbstbild der Beamtenschaft auf einem klaren Selbstverst\u00e4ndnis der Solidarit\u00e4t mit dem staatlichen Gef\u00fcge als solchem.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Freilich beinhaltet diese Solidarit\u00e4t auch eine geradezu erschreckende Bereitschaft sich in Obliegenheiten, welche durch die jeweils herrschenden politischen Strukturen vorgegeben werden, sich weder aktiv noch passiv einzubringen oder gar einzumischen. Der Tiroler Beamte (oder auch generell der \u00f6sterreichische Beamte) als solcher stellt niemals die herrschenden Machtverh\u00e4ltnisse in Frage, da er davon ausgeht, dass diese Verh\u00e4ltnisse ihre politische Legitimit\u00e4t der jeweils geltenden staatlichen Verfassung entsprechend aus\u00fcben, oder\/und von Gott gegeben sind. Nicht umsonst wird noch heute in der \u201eTiroler Landesverfassung\u201c eindeutig und speziell auf die christliche Ausrichtung hingewiesen und ein klar artikulierter Gottesbezug gewollt hergestellt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/bescheid-bh-reutte.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-596\" alt=\"bescheid, lechtal, 1992, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/bescheid-bh-reutte-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Daraus ergibt sich, dass die Beamtenschaft stets dann positiv f\u00fcr das Gesamtwesen funktioniert, wenn die politischen Strukturen demokratisch aufgebaut sind und auch einer der Gewaltentrennung entsprechenden Kontrolle unterliegen. Umgekehrt neigt aber generell die nordtirolerische Bev\u00f6lkerung zu eine rungefragten und tief verinnerlichten Obrigkeitsh\u00f6rigkeit welche sich allgemein in Form eines vorauseilenden Gehorsams niederschl\u00e4gt, der a priori nicht nur jeder Neuerung mehr als nur skeptisch gegen\u00fcbersteht, sondern es auch erm\u00f6glichte, dass in der Zeit des Nationalsozialismus sich Nordtirol r\u00fchmte, als erster Gau des Dritten Reichs \u201ejudenfrei\u201c zu sein. Wie verinnerlicht diese Einstellungen (auch heute noch) sind, zeigt die Tatsache, dass die Berufsgruppe der Lehrer jene Berufsgruppe war, die den h\u00f6chsten Anteil an Parteimitgliedern der NSDAP hatte (\u00fcber 90 %).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend anderenorts gerade der Bildungssektor als innovative und offene Kraft f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Gestaltung gilt, herrschen in Nordtirol noch immer geradezu anachronistisch erscheinende Zust\u00e4nde: gleichwohl in der Bundesverfassung der Republik \u00d6sterreich die Trennung von Staat und Kirche (Religion) festgehalten ist, kann gerade in Nordtirol von einer derartigen Trennung keine Rede sein. Nicht nur, dass kirchliche Institutionen Schulen und Heime betreiben, welche mit \u00f6ffentlichen Geldern mehr als unterst\u00fctzt werden, sie gelten auch noch als die \u201eElite\u201c der Bildungseinrichtungen. Ausserdem sitzen in beinahe s\u00e4mtlichen Gremien f\u00fcr bildungspolitische und gesellschaftliche relevanten Belangen mit Sitz und Stimmrecht Vertreter der katholischen Kirche.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Andererseits bedingt diese Melange, dass in den meisten F\u00e4llen Abl\u00e4ufe und Verfahren mit einer vorausschaubaren Tendenz ablaufen und somit eine, wenn auch durchaus, vom demokratiepolitischen her betrachtet, eigenartige Form einer gewissen Rechtssicherheit bieten. Solange der gesellschaftlich hierarchische Aufbau nicht durch striktes demokratisches Bestehen auf dem eigenen Rechtsstandpunkt gest\u00f6rt erscheint, kann im bestehenden Rahmen des gesellschaftlichen Gef\u00fcges ein durchaus Zufriedenheit heischendes, berechenbares und biederes Dasein gef\u00fchrt werden. Dass umgekehrt nat\u00fcrlich in einem derartigen Umfeld jedwede Neuerung auf Ablehnung und teilweise offenes Ressentiment st\u00f6sst, ist systemimmanent. F\u00fcr die Durchsetzung der eigenen Interessen ist es somit unumg\u00e4nglich notwendig, die Spielregeln der poltischen und verbeamteten Strukturen zu befolgen und \u00fcber Beziehungen und Kontakte zu einem in den Rahmen des Systems passenden Kompromiss zu gelangen. Nicht sosehr der Rechtsanspruch z\u00e4hlt, als vielmehr die Bereitschaft die herrschenden Strukturen zumindest nicht in Frage zu stellen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich auch jene Eitelkeit der lokalen poltischen Eliten, welche Dr. Arkadasch in seiner Berufung gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Reutte der arteologischen Expedition \u201eLechtal\u201c zu Nutze machte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz dieser unvorhergesehen, administrativen Schwierigkeiten muss gesagt werden, dass der gesamte Nordtiroler Raum, so wie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=595"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":602,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions\/602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}