{"id":617,"date":"2014-01-04T19:58:39","date_gmt":"2014-01-04T17:58:39","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=617"},"modified":"2014-01-04T19:58:39","modified_gmt":"2014-01-04T17:58:39","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=617","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 24"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">An den vermeintlichen \u201eNebenschaupl\u00e4tzen\u201c einer Expedition zeigt sich meist die immense Wichtigkeit einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit verschiedenster wissenschaftlicher Richtungen. F\u00fcr den einzelnen Experten sind zwar die eigenen Zielsetzungen oftmals klar definiert, der Weg jedoch, wie diese Ziele zu erreichen sind, erfordert meist Wissen und Ressourcen, welche dem eigenen Lehrgebiet, wenn \u00fcberhaupt, nur marginal zur Verf\u00fcgung stehen. So ist es ein grundlegendes Bestreben jeder arteologischen oder auch arch\u00e4ologischen Expedition die Fundst\u00fccke nach M\u00f6glichkeit in ihrem originalen Zustand zu bergen zu sichern. W\u00e4hrend noch in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts das Hauptaugenmerk auf einer m\u00f6glichst fundspezifischen optischen Erhaltung der Fundst\u00fccke gelegen hat \u2013 und bereits diese Aufgabenstellung sowohl die wissenschaftlichen als auch finanziellen Mittel ersch\u00f6pfte (sh. die Renovierung des Parthenon [griechisch \u03c0\u03b1\u03c1\u03b8\u03b5\u03bd\u03ce\u03bd \u201eJungfrauengemach\u201c]-Tempels auf der Akropolis, wo mit rostenden Stahlklammern versucht wurde die Marmorbl\u00f6cke zu verbinden und diese dann durch die einsetzende Korrosion einen noch weitaus gr\u00f6sseren Schaden am Tempelgeb\u00e4ude anrichteten), wird nunmehr bewusst darauf geachtet neben der optischen Erhaltung der Fundst\u00fccke diese auch derart zu sichern, dass weiterf\u00fchrende wissenschaftliche Analysen, selbst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt, durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die meisten Artefakte bei Ausgrabungen werden daher mit Proben des umgebenden Gel\u00e4ndes gelagert und archiviert, um aus diesen Begleitmaterialien soziohistorische R\u00fcckschl\u00fcsse und auch klimatische, sowie florale R\u00fcckschl\u00fcsse ziehen zu k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen mittlerweile aus Pigmentresten nicht nur Farbgebungen und gestalterische Verfahrenstechniken entschl\u00fcsselt werden, vielmehr ist auch eine relativ genaue Verortung der verwendeten Rohstoffe auf ihre Herkunft und Gewinnung erforschbar. Diese Daten wiederum erleichtern den Historikern und Soziohistorikern ihre Arbeit ungemein. Nicht mehr allein die Erhaltung der Artefakte f\u00fcr museale Zwecke steht somit im Vordergrund, sondern ebenso die Grundlagenbeschaffung f\u00fcr die weitere wissenschaftliche Bearbeitung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend noch \u00e4gyptische Mumien im 19. Jahrhundert sorglos f\u00fcr unterhaltliche Absichten unwiederbringlich zerst\u00f6rt wurden, so sind auf dem Gebiet der Erhaltung von humanoiden Funden seit der Auffindung der Mumien in der s\u00fcdamerikanischen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Atacamaw\u00fcste<\/i> im Jahre 1917 grosse Fortschritte erzielt worden, wobei gerade in diesem speziellen Fall die klimatischen Bedingungen einer Trockenw\u00fcste diese Erhaltung derart f\u00f6rderten, dass noch in den 1960er Jahren und sp\u00e4terhin pathologische Forschungen m\u00f6glich waren und sind. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse f\u00fchrten zu einer generellen Neuorientierung im Bergeverfahren von humanoiden Funden: nunmehr liegt das Augenmerk auf einer raschen Bergung mit m\u00f6glichst geringem Kontakt zur Aussenluft und einer fundentsprechenden Lagerung in hermetisch abschliessbaren Beh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dazu wurde von Dr. Arkadasch und seinem Team jener Bergungscontainer entwickelt und laufend adaptiert, der mittlerweile zur Standardausr\u00fcstung einer jeden arteologischen und arch\u00e4ologischen Expedition z\u00e4hlt, bei der mit humanoiden Funden zu rechnen ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/container.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-618\" alt=\"bergungscontainer, lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/container-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>In seinen Ausmassen handelt es sich um einen normierten Transportcontainer, sodass sowohl ein Transport per LKW, Bahn, Schiff oder auch Flugzeug jederzeit ohne gr\u00f6ssere logistische Probleme durchgef\u00fchrt werden kann. Zudem ist dieser Container mit hydraulischen Spreizf\u00fcssen versehen, sodass eine Planstellung selbst in absch\u00fcssigem Gel\u00e4nde problemlos durchf\u00fchrbar ist. Mittels externen Modulen kann innert k\u00fcrzester Zeit die autarke Energieversorgung des Containers gew\u00e4hrleistet werden. Der Container selbst ist rundum mit 15 cm Spezialisolierung versehen, sodass ein Einsatz in nahezu allen klimatischen Bedingungen gew\u00e4hrleistet bleibt. Der kleine Vorraum dient der Dekontaminierung des wissenschaftlichen Personals, welches erst nach Passieren einer zus\u00e4tzlichen Sterilit\u00e4tsschleuse den Innenraum betreten kann. Hier steht ein den Umst\u00e4nden entsprechend umfangreiches Labor zur Verf\u00fcgung, genauso wie eine Nirostafl\u00e4che f\u00fcr verschiedenste pathologische Untersuchungen. Die gesamte R\u00fcckwand des Containers beinhaltet vier vollklimatisierbare Boxen, welche vollautomatisch anhand der Daten des Fundortes ein dem Fundst\u00fcck ad\u00e4quates Lagerklima in weniger als einer Stunde erzeugen und so gew\u00e4hrleisten, dass die humanoiden Fundst\u00fccke m\u00f6glichst in einem dem bisherigen Lagerung entsprechenden Umfeld f\u00fcr weitere Untersuchungen erhalten bleiben. Eine transportable Einheit, die von vier M\u00e4nnern bedient und transportiert werden kann, um auch die Einbringung des Fundst\u00fcckes vom Fundort in den Bergungscontainer fachgerecht durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, rundet diese Bergeinfrastruktur ab.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Ohne die planerische und arbeitstechnische Mithilfe von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Armin Lengauer<\/i>, Herrn <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Herwig Angerer<\/i> und dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Acrylglacialiker Mag. Peter Stolz<\/i> w\u00e4re eine derart rasche und professionelle Umsetzung dieses Bergecontainers nicht m\u00f6glich gewesen. Auch sei an dieser Stelle dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Senat der Freien Universit\u00e4t Izmir<\/i> gedankt, welche die finanziellen Mittel daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stellte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den vermeintlichen \u201eNebenschaupl\u00e4tzen\u201c einer Expedition zeigt sich meist die immense Wichtigkeit einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/617"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=617"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/617\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":619,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/617\/revisions\/619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}