{"id":631,"date":"2014-01-11T20:37:23","date_gmt":"2014-01-11T18:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=631"},"modified":"2014-01-11T20:37:23","modified_gmt":"2014-01-11T18:37:23","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=631","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 26"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi-humanoider-fund-zeichnung2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-632\" alt=\"humanoider fund, zeichnung 2, lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi-humanoider-fund-zeichnung2-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Auffallend ist zudem, dass diese rechte m\u00e4nnliche Hand in ihrer morphologischen Struktur eher feingliedrig wirkt. Respektive des Gesamtschwundes an Masse welcher durch die Mumifizierung und dem damit einhergehenden Verlust von Wasser verbunden ist, bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass diese Hand keinerlei muskul\u00e4re Besonderheiten aufweist, welche durch einen langanhaltenden und regelm\u00e4ssigen Gebrauch eines bestimmten Bewegungsmusters, wie er etwa bei der kontinuierlichen Aus\u00fcbung bestimmter handwerklicher Massnahmen einhergeht, sich in der Ausbildung von verst\u00e4rktem Muskelgewebe niederschlagen m\u00fcsste. Auch die Analyse der Sehnen und Gelenke zeigt keinerlei Erscheinungen, die auf eine zur damaligen Zeit \u00fcbliche T\u00e4tigkeit, welche mit der grundlegenden Erhaltung und Befriedigung der unmittelbaren Lebensbed\u00fcrfnisse, schliessen liessen. Ausgehend von der \u00f6konomischen Situation der damaligen eingeborenen Bev\u00f6lkerung gilt, dass wohl mehr als 90 % unmittelbar im landwirtschaftlichen Bereich t\u00e4tig waren und, neben der f\u00fcr derartige rurale Gemeinschaftsformen typischen Herrschaftselite nur relativ wenige Personen im Handel oder einem noch primitiv spezialisierten Handwerk t\u00e4tig waren. Selbst die Schicht der herrschenden Klasse pflegte dabei den Umgang mit den f\u00fcr diese Zeit spezifischen Bewaffnungen, da ein nicht unwesentlicher Teil der legislativen und exekutiven Vormachtstellung in der Aus\u00fcbung eines uneingeschr\u00e4nkten Gewaltmonopols fundierte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Selbst der weibliche Bev\u00f6lkerungsanteil war (und ist es auch heute noch) mehr als arbeitsteilig in meist schweren, k\u00f6rperlichen T\u00e4tigkeiten eingebunden; sei dies nun die Feld-und Waldarbeit, die Hilfsdienste in den Werkst\u00e4tten, oder aber die generelle Versorgung der Familienmitglieder mit Nahrung und Kleidung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dass umgekehrt ein m\u00e4nnliche, rechte Hand mit einem Lebensalter von Mitte dreissig, welche keine einzige der sonst \u00fcblichen, allt\u00e4glichen Lebensspuren aufweist, weder ad\u00e4quate Schwielenbildungen oder gar Narben vorangegangener Verletzungen, einem derart aufwendigen Verfahren wie es die Mumifizierung darstellt, unterzogen wurde, weist zum einen auf die herausragende Stellung dieser Person zu Lebzeiten hin und zum anderen auf die spezifische Wertigkeit insgesamt, welche dem Rollenbild dieser Person zuzuschreiben ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der Kontext zur Fundstelle an dieser Furt belegt, dass es sich dabei weder um eine administrative Ausformung der \u00f6konomischen und infrastrukturellen Bewirtschaftung dieser Schl\u00fcsselstelle am Handelsweg durch das Lechtal handeln kann, noch um eine rein zuf\u00e4llige Fundung eines humanoiden Relikts \u2013 wie folgerichtig aus dem Verfahren der Mumifizierung ableitbar ist. Vielmehr stellt diese Hand einen wesentlichen Teil der spirituellen Verortung solcher f\u00fcr das \u00dcberleben als Ganzes wichtigen lokalen \u00d6rtlichkeiten dar und muss somit im Gesamtbild aus Kultnische und Triptychon einer einheitlichen Betrachtungsweise zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Generell gilt f\u00fcr Kultpl\u00e4tze, dass diese an wichtigen und bedeutenden Landmarken, welche sich meist aus ihrer besonderen topographischen Lage ergeben, angesiedelt werden, Da diese Pl\u00e4tze zudem h\u00e4ufig mit gleichzeitig erfolgenden oder sp\u00e4terhin einsetzenden Beniederlassungen verbunden sind \u2013 so steht in den meisten dauerhaft besiedelten Geb\u00e4udeansammlungen eine Tempelanlage, eine Kirche oder eine sonstiges, einzig der spirituellen Verwendung zugedachtes Geb\u00e4ude im Mittelpunkt \u2013 findet eine permanente Wechselwirkung zwischen politischer Machtdemonstration anhand von Wehr-und Schutzbauten sowie religi\u00f6sen, die eigene ideelle Vormachtstellung pr\u00e4sentierenden Ritualgeb\u00e4uden statt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den inneren Zusammenhalt und das Selbstverst\u00e4ndnis einer Gruppe ist aber die spirituelle Vergemeinschaftung von wesentlich nachhaltiger Bedeutung, als die prim\u00e4re Erhaltung der politischen Vormachtstellung. Dies zeigt sich besonders in Enklaven oder aber dem hartn\u00e4ckigen Festhalten der eigenen rituellen Sitten und Gebr\u00e4uche im Falle einer Okkupation, selbst wenn diese sich \u00fcber die Zeit hin als im weitesten partnerschaftlich zeigen sollte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-13.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-634\" alt=\"lechtal 1992, humanoider fund, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-13-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Der humanoide Fund des \u201eLechi\u201c kann daher als rituelles Symbol des Besitzstandes der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung verstanden werden und bildet gleichzeitig eine Bedeutungsm\u00f6glichkeit in deren spirituellen Lebenswelt. Die aufwendige und hochwertige Form der kultischen Artefakte, sowie die Pr\u00e4sentation einer narbenlosen, von schwerer Arbeit befreiten M\u00e4nnerhand spiegeln die generelle Sehnsucht nach einem Dasein in Harmonie und befreit vom Fron der t\u00e4glichen M\u00fchsal wider. Gleichzeitig wird diesem kultischen Kompendium der spirituelle Schutz dieser Furt \u00fcberantwortet, da gerade an einem von einem Handelsweg gekreuzten Flusslauf nicht nur mit wirtschaftlichen und politischen Fremdinteressen zu rechnen ist, sondern auch die Natur mit all ihren Gefahren permanent zugegen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auffallend ist zudem, dass diese rechte m\u00e4nnliche Hand in ihrer morphologischen Struktur eher feingliedrig wirkt&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=631"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":635,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631\/revisions\/635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}