{"id":640,"date":"2014-01-20T23:06:40","date_gmt":"2014-01-20T21:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=640"},"modified":"2014-01-20T23:06:40","modified_gmt":"2014-01-20T21:06:40","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=640","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 28"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">In der \u00f6ffentlichen Betrachtung sind es zweifellos die humanoiden Funde welche sowohl medial als auch in der allgemeinen Diskussion die gr\u00f6sste Beachtung finden. Dennoch muss vom arteologischen Standpunkt aus betont werden, dass es in der wissenschaftlich-arteologischen Betrachtung die Artefakte sind, welche den relevanten Bezug zur Entwicklung einer Soziet\u00e4t beinhalten. Gleichwohl ist einzur\u00e4umen, dass seit der Entdeckung der Mumie des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Tutanchamun<\/i> im Jahre 1922 durch <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Howard Carter<\/i> neben dem gewaltigen \u00f6ffentlichen Interesse auch die historische und \u2013 seit den letzten Jahrzehnten \u2013 auch die arteologische Grundlagenerforschung eine bedeutende mediale Unterst\u00fctzung erfuhr, welche neben der wissenschaftlich, monet\u00e4ren Dotierung auch ihren Niederschlag hin bis zur filmischen Unterhaltungsindustrie gefunden hat.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-646\" alt=\"lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechi_08_92-15-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Wissenschaftliche Arbeit ist immer auch ein Spiegelbild der allgemeinen gesellschaftlichen Kultur. Selbst wenn die Allgemeinheit auf den ersten Blick \u00fcberwiegend zum Konsum von Tatsachen verdrehenden und verzerrenden Stereotypen neigt, so muss doch, wie das Beispiel des Gr\u00e4berfundes von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Howard Carter<\/i> zeigt, umgekehrt eingestanden werden, dass im Laufe von mehreren Jahren auch die wissenschaftlichen Ergebnisse Einzug in die Allgemeinbildung und in die Schulb\u00fccher halten. Es ist somit eine nicht zu untersch\u00e4tzende Aufgabe aller wissenschaftlich T\u00e4tigen, die Erfahrenswelt der nicht direkt beteiligten Bev\u00f6lkerungen derart mit einzubinden, dass daraus in weiterer Folge ein global verwendbares Wissen an Daten und Tatsachen entsteht, welches insgesamt unserem Verst\u00e4ndnis um das Werden und Gedeihen unserer eigenen Spezies dienlich ist. Es ist dabei nicht die Aufgabe der Wissenschaft die kreativen und oft auch boulevardesken Interpretationen st\u00e4ndig zu hinterfragen und ob ihres mangelnden wissenschaftlichen Inhalts zu kritisieren, vielmehr muss das Bestreben von Lehre und Forschung dahin gehen, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten \u00fcber eine breit angelegte und interdisziplin\u00e4re Forschung als bildungsm\u00e4ssigen Allgemeingut zu deklarieren, welches in weiterer Folge die zuk\u00fcnftige Grundlagenforschung ausser Frage stellt und die monet\u00e4re Dotierung entsprechend sichert. Wissenschaft per se ist nicht zweckorientiert sondern einzig der verifizier- und falsifizierbaren Wahrheit verpflichtet. Dass dieser \u2013 in wissenschaftlichen Kreisen \u2013ausser Frage stehende Ansatz jedes Mal aufs Neue betont und eingefordert werden muss, stellt umso mehr eine Notwendigkeit dar, als die politisch Verantwortlichen, jenseits von oft nationalistischen Interessen, die reine Forschung als eine Art von Luxus betrachten, welcher a priori keinerlei relevante Auswirkung im \u00f6konomischen Alltag vorweist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der humanoide Fund im Lechtal erleichtert somit generell die weitere Erforschung der arteologischen Funde in Nordtirol, da die damit einhergehende \u00f6ffentliche Interessensbekundung den Ressourcenzugang insgesamt wesentlich erleichtert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Sowohl der \u201eLechtaler Triptychon\u201c als auch die Kultnische, welche in Trockenbauweise diesen Triptychon beherbergte, stellen aus arteologischer Sicht den bedeutendsten Fund bisher im Lechtal dar. Die Weiterentwicklung der Formensprache dieser metallenen Cult-objecte beweist, dass einerseits zwar eine generell starke und immanente Beeinflussung aus dem s\u00fcddeutschen Raum die gesellschaftliche, kulturelle und rituelle Genese indoktrinierte, andererseits belegt die eindeutige gestalterische und materialbearbeitende kunsthandwerkliche Vorgangsweise eine deutliche kommunikative Verschr\u00e4nkung mit dem Inntal und seinen restlichen Seitent\u00e4lern. Die Inhomogenit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung Nordtirols beruht auf ihren geografischen Besonderheiten, welche eine innere kontinuierliche Gestehung als Gemeinschaft verunm\u00f6glichten, gleichzeitig aber \u00fcber den Umweg der rituellen Vergemeinschaftungen eine stark inklusive Stammeswerdung implizierten. Es ist dieses Spannungsfeld aus transitalen und insistalen Beeinflussungen welche das Forschungsprojekt \u201eNordtirol\u201c derart spannend und interessant machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der \u00f6ffentlichen Betrachtung sind es zweifellos die humanoiden Funde welche sowohl medial als auch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=640"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":647,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions\/647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}