{"id":663,"date":"2014-03-02T18:50:16","date_gmt":"2014-03-02T16:50:16","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=663"},"modified":"2014-03-02T18:50:17","modified_gmt":"2014-03-02T16:50:17","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=663","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 3"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich zur Erkundungswanderung im Jahre 1987 war auf der einen Seite ein deutlicher R\u00fcckgang eines gastfreundlichen Verhaltens insgesamt feststellbar: zwar bestand weiterhin eine vordergr\u00fcndig durch professionell anmutende Freundlichkeit begleitete Neugier nach dem Zweck des Aufenthaltes (der berufliche Charakter des Expeditionsteams war augenscheinlich), diese Neugier wurde jedoch von einer merkbaren Distanziertheit \u00fcberlagert, sobald der wissenschaftlich, internationale Anspruch der arteologischen Ausrichtung thematisiert wurde. Fragestellungen wie \u201eUnd was gedenken Sie hier zu finden?\u201c, \u201eHat das wirklich was mit unserem Tal zu tun?\u201c, \u201eWas f\u00fchrt ausgerechnet Fremde dazu, sowas zu untersuchen?\u201c fungierten als verbale Artikulation dieser Skepsis.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite war das Verhalten der eingeborenen Bev\u00f6lkerung insgesamt von einer monet\u00e4ren Dienstbeflissenheit gekennzeichnet, welche sich in einem breiten Dienstleistungsangebot zeigte, welches zehn Jahre zuvor noch nahezu undenkbar war. So war etwa im Gemeindeamt des Dorfes Prutz (am Eingang des Kaunertals gelegen) nunmehr ein Internetanschluss vorhanden, welcher gegen entsprechendes Entgelt und gegen vorherige Anmeldung \u00fcber das <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arch\u00e4ologische Institut der Universit\u00e4t Innsbruck<\/i> zeitweise verwendet werden konnte. Die Unterbringung der wissenschaftlichen Grabungsteilnehmer erfolgte nunmehr vorab in direkter Zusammenarbeit mit dem Tourismusb\u00fcro des Kaunertals, welches an sechseinhalb Tagen die Woche von zwei weiblichen B\u00fcrokr\u00e4ften und einem eingeborenen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer besetzt ist. Da die Sommersaison in dieser Talschaft die wesentlich buchungs\u00e4rmere Zeit gegen\u00fcber der Wintersaison darstellt, stellte die bezahlte Unterbringung der Expeditionsmannschaft eine durchaus willkommene wirtschaftliche Bereicherung dar. Besonders in der Gestaltung der Unterk\u00fcnfte zeigte sich die touristische Entwicklung innert des letzten Jahrzehnts in dieser Talschaft: w\u00e4hrend die Unterbringung im Jahr 1987 noch teilweise den Charme von Jugendherbergen verspr\u00fchte \u2013 mit Gemeinschaftsduschen und etagenweisen Sanit\u00e4ranlagen \u2013 so waren nunmehr s\u00e4mtliche Zimmer mit Bad\/Dusche und WC, sowie teilweise sogar mit TV ausgestattet. In Bezug auf Reinlichkeit und Hygiene gilt das alpine Beherbergungswesen seit den 1960er Jahren selbst international als vorbildlich, lediglich die K\u00fcche muss nach wie vor als rustikal bezeichnet werden: schweinefleischbetont, fettreich und gew\u00fcrzarm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/balkon.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-664\" alt=\"balkon, kaunertal, arteologie, dr. arkadsch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/balkon-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Architektonisch ist zu bemerken, dass der Versuch einer authentischen Umsetzung von Neubauten vielerorts dilettantisch zu einer Art b\u00fchnenhafter Szenerie verkommen ist, die sich in einer \u00fcberquellenden Verwendung von Holz \u2013 Zierrat, Schnitzereien, naiver L\u00fcftlmalerei und dem Anbringen von weidm\u00e4nnischem Schmuck an den Hausfassaden niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Verkehrstechnisch ist das Kaunertal zur G\u00e4nze f\u00fcr den motorisierten Individualverkehr erschlossen. S\u00e4mtliche Zu- und Abfahrten zu den verstreuten Ansiedlungen und d\u00f6rflichen Weilern im Kaunertal sind mittels befestigter und asphaltierter Strassen zu bew\u00e4ltigen, selbst Forst- und Feldwege, denen eine touristische Nutzung angeplant ist, sind zumindest einspurig asphaltiert. Der Hauptverkehrsweg des Tales, die <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Kaunertal Landesstrasse<\/i>, f\u00fchrt, vorbei am <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Gepatsch-Stausee<\/i> bis zum Kaunertaler Gletscher und widerspiegelt die energiepolitische und touristische Wertigkeit der nunmehrigen \u00f6konomischen Gesamtsituation des Tales.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dieser Wandel des gesamten Kaunertals von einer gr\u00f6sstenteils rural gepr\u00e4gten Besiedelungsstruktur hin zum touristischen Dienstleistungssektor, pr\u00e4gt nicht nur die infrastrukturelle Entwicklung, sondern findet auch ihren Niederschlag in der eingeborenen Bev\u00f6lkerung selbst. Rein agrarische Strukturen (vornehmlich im Familienverband) sind nunmehr lediglich vereinzelt und abseits der Prim\u00e4rlagen zu finden, w\u00e4hrend das wirtschaftliche Augenmerk vorwiegend im Bereich der Privatzimmervermietung und der gewerblichen Gastronomie sowie Hotelerie liegt. Die Landwirtschaft (vorwiegend Viehzucht mit alpiner Sommerweide) wird nunmehr stark rationalisiert und motorisiert im Nebenerwerb betrieben und erf\u00fcllt im Hauptzweck landschaftserhaltende und flurtechnisch \u00fcbertragene Agenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vergleich zur Erkundungswanderung im Jahre 1987 war auf der einen Seite ein deutlicher R\u00fcckgang&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/663"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=663"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":665,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/663\/revisions\/665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}