{"id":708,"date":"2014-03-28T22:26:43","date_gmt":"2014-03-28T20:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=708"},"modified":"2014-03-28T22:26:43","modified_gmt":"2014-03-28T20:26:43","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=708","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 9"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die gegenw\u00e4rtige Erschliessung mit den heutigen technischen M\u00f6glichkeiten, welche diese Talschaft ganzj\u00e4hrig selbst f\u00fcr den motorisierten Individualverkehr erreich- und somit auch touristisch nutzbar macht darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, welch ungeheurer materieller und auch finanzieller Aufwand dahintersteckt, um diesen Status aufrecht zu erhalten. Diese \u201eLebensader\u201c Tourismus ordnet umgekehrt aber auch s\u00e4mtliche andere Lebensbereiche unter ihr Primat: mag es sich dabei nun um die landwirtschaftliche Nutzung handeln (die in weiten Bereichen ohnehin nur mehr landschaftserhaltenden und\/oder landschaftsbewahrenden Charakter aufweist), oder um die bescheidenen Ansiedlungen von handwerklichen Betrieben oder Dienstleistungsunternehmen. Als Beispiel sei hier der in den letzten Jahren stark versierte Obstbau mit seiner Ausrichtung auf spezielle Kernobstsorten aus der Familie der \u00c4pfel (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Malus<\/i>) und Birnen (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pyrus<\/i>) genannt, welche jedoch nur in geringen Teil dem Verzehr zugef\u00fchrt werden, haupts\u00e4chlich jedoch der Branntweinerei zur Verf\u00fcgung stehen, wie insgesamt Alkohol in jeglicher Form als das traditionelle Rauschmittel in Nordtirol gelten muss, wobei wiederum in diesem Bereich dem Schnaps (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Spiritus<\/i>) in sehr hochprozentiger Mixtur (&gt; 43 %) eine im Grunde genommen nur \u00e4usserst schwer nachvollziehbare Sonderstellung zukommt. Diese Destillerien haben sich besonders hier im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Kaunertal<\/i>, aber auch in sehr vielen anderen Teilen Nordtirols, besonders in der N\u00e4he von touristischen Einrichtungen wie Gasth\u00f6fen und Hotels angesiedelt, um auf diese Weise mit dem Verkauf von Branntweinen an der wirtschaftlichen Entwicklung partizipieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/schnaps.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-709\" alt=\"rauschmittel, kaunertal, 1997, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/schnaps-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Dr. Achmed Seruaui<\/i>, hat in seiner \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Studie \u00fcber indigene Rauschmittel, deren Verwendung in der eingeborenen Bev\u00f6lkerung und den daraus resultierenden kurz- und l\u00e4ngerfristigen Einfl\u00fcssen auf die gemeine Interaktio<\/i>n\u201c eindrucksvoll dargelegt, wie sich gerade im Bereich der \u00f6sterreichischen Alpenregion der regelm\u00e4ssige Konsum von hochprozentigem Alkohol auf das Sozialgef\u00fcge der Menschen niederschl\u00e4gt. So gilt nach wie vor ein Normverstoss welcher unter Einfluss von starker Alkoholisierung vonstattengeht, als wesentlich unproblematischer (oder gar nur als sogenanntes \u201eKavaliersdelikt\u201c), als ein gleich gearteter Regelverstoss, welcher in unalkoholisiertem Zustand vorgenommen wird. Dies geht hin bis zu \u00f6ffentlicher und h\u00e4uslicher Gewalt und kann bei gemeinsamen Feierlichkeiten in der \u00d6ffentlichkeit bereits bei Jugendlichen h\u00e4ufig beobachtet werden, welche oftmals schwer betrunken und unzurechnungsf\u00e4hig, der Bewusstlosigkeit nahe, zu Agressionsausbr\u00fcchen, Weinerlichkeit, begleitet von Erbrechen und Kontrollverlust \u00fcber die Bewegungsabl\u00e4ufe neigen. Derartige Vorkommnisse werden meist generell verharmlost und oftmals auch noch heroisiert. Zu mehr als 90 % ist dies ein rein m\u00e4nnliches Verhalten \u2013 wenngleich zu bemerken bleibt, dass auch die weibliche Bev\u00f6lkerung der \u00f6sterreichischen Alpenregion gleichfalls diesem Volksrauschmittel durchaus fr\u00f6nt. Jedoch gilt es als verp\u00f6nt, dass sich Frauen (und M\u00e4dchen) generell im gleichen Ausmasse betrinken wie die M\u00e4nner (und m\u00e4nnlichen Jugendlichen), bzw. in dieser Art des Exzesses an der \u00d6ffentlichkeit beteiligen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Laut Dr. Achmed Seruaui bedingte die historisch \u00fcber Jahrhunderte hinweg andauernde Abgeschiedenheit der D\u00f6rfer, Weiler und Siedlungen, insbesondere in der oft ein halbes Jahr andauernden Winterzeit (welche auch kaum sinnhafte T\u00e4tigkeiten ausserhalb des Hauses und Hofes zuliessen), eine sich verst\u00e4rkende Affinit\u00e4t zum vorhandenen Rauschmittel, um auf diese Weise die monotonen und geisteszehrenden Alltagssituationen (permanente K\u00e4lte und wirtschaftliche Not) ertr\u00e4glich zu gestalten. Dr. Achmed Seruaui vergleicht hierzu den oralen Gebrauch der Cocabl\u00e4tter in den s\u00fcdamerikanischen Anden, welche als Rauschmittel in der dortigen Region ad\u00e4quat ihre Verwendung finden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die dabei im Raum Nordtirol zu beobachtenden Rituale im Zusammenhang mit Alkoholkonsum beinhalten h\u00e4ufig archaische Elemente, welche von ihrem Ursprung her auf die Zeit vor der Entdeckung der Destillerie (~ 14.Jahrhundert) r\u00fcckf\u00fchrbar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gegenw\u00e4rtige Erschliessung mit den heutigen technischen M\u00f6glichkeiten, welche diese Talschaft ganzj\u00e4hrig selbst f\u00fcr den&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/708"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=708"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":710,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/708\/revisions\/710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}