{"id":711,"date":"2014-03-30T21:45:03","date_gmt":"2014-03-30T19:45:03","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=711"},"modified":"2014-03-30T21:45:03","modified_gmt":"2014-03-30T19:45:03","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=711","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 10"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Bei dieser f\u00fcnften Expedition in den Raum Nordtirol der Republik \u00d6sterreich ist festzustellen, dass sich trotz eines mittlerweile 16-j\u00e4hrigen Zeitraums bis auf einige wirtschaftliche Parameter die sozialen und kulturellen sowie politischen Strukturen in diesem Teil Europas nicht oder kaum ge\u00e4ndert haben. Es steht ausser Streit, dass ein wesentlicher Teil dieser konservativen Tr\u00e4gheit durch die abgeschiedene Lage dieser Talschaften prolongiert wird, da zudem die touristische Erschliessung \u00fcberwiegend lediglich als merkantile Form einer besseren Bewirtschaftung der kargen B\u00f6den verstanden wird (so bringt die t\u00e4tigkeitslose Verpachtung einer Weide oder alpinen Hochweide um vieles mehr an Geld, als die extrem arbeitsintensive Bewirtschaftung dieser Fl\u00e4chen im Rahmen der Viehzucht), denn als eine gesamtgesellschaftliche \u00d6ffnung und Hinwendung an Europa. Speziell jedoch die Mentalit\u00e4t der eingeborenen nordtiroler Bev\u00f6lkerung beruht auf einem strengen, wenn auch offiziell nicht artikulierten Chauvinismus, welche jeden Kontakt mit aussen als erstes als Bedrohung der eignen Identit\u00e4t empfindet, denn als Chance auf eine Bereicherung der eigenen Wertigkeiten. Gerade wenn h\u00e4ufig im Gespr\u00e4ch mit Eingeborenen die eigene Offenheit immer wieder betont wird und dazu als Beispiele die zweimalige Ausrichtung der Olympischen Winterspiele in Innsbruck (Landeshauptstadt) ins Treffen gef\u00fchrt wird, sowie die durchaus beeindruckende Bilanz auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs, zeigt doch der allt\u00e4gliche Umgang mit Nichteinheimischen, welche nicht prim\u00e4r als touristische Devisenbringer f\u00fcr zwei bis drei Wochen sich im Lande aufhalten, sondern beruflichen und\/oder wissenschaftlichen Aufgaben nachkommen, wie schnell diese merkantile Maske fallen gelassen wird und einer urspr\u00fcnglichen Skepsis und Angst Platz machen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/europa.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-712\" alt=\"europa relief, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/europa-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Im Hinblick auf eine von den politischen Kr\u00e4ften in der Bundeshauptstadt Wien angestrebten Teilnahme an der Europ\u00e4ischen Union bedarf es hier noch gewaltiger Anstrengungen jener geistigen Bildungseliten, mit denen insgesamt Nordtirol eher sp\u00e4rlich bedient ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Zudem ist feststellbar, dass Bildung und Wissen im Stellenwert hier insgesamt weit unter den F\u00e4higkeiten der politischen Vernetzung agieren, w\u00e4hrend \u2013 besonders in den Printmedien \u2013 dem Boulevard der sogenannten \u201e\u00f6ffentlichen Meinung\u201c breiteste Zu- und \u00dcbereinstimmung entgegengebracht wird. Dies zeigt sich nachhaltig in der \u00f6sterreichischen Medienlandschaft, die \u00fcberwiegend mit einem konservativen und vereinfachend flachen Journalismus aufwartet und kaum Platz f\u00fcr investigative Berichterstattung zul\u00e4sst. Die auch in \u00d6sterreich sich als \u201efrei\u201c bezeichnende Presse tendiert zu einer larmoyanten Nabelschau und ist insgesamt betrachtet weit davon entfernt jene Aufgaben zu erf\u00fcllen, welche Medien in einer funktionierenden Demokratie zukommen. Trotzdem, oder gerade deswegen beschr\u00e4nkt sich das mediale Interesse der Eingeborenen auf das jeweilige Lokalblatt (in Nordtirol auf die \u201eunabh\u00e4ngige <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Tiroler Tageszeitung<\/i>\u201c), ein oder zwei \u00fcberregionale Zeitungen (\u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Krone\u201c, \u201eKurier\u201c, \u201ePresse<\/i>\u201c) und auf die zwei staatlichen TV-Sender mit ihren jeweiligen lokalen, t\u00e4glichen Einschaltungen von knapp 30 Minuten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Das Interesse dar\u00fcber hinaus endet meist mit dem Konsum des Unterhaltungsangebotes von bundesdeutschen Fernsehstationen, welches besonders f\u00fcr den privaten Gebrauch am Wochenende genutzt wird und f\u00fcr diverse Sportberichterstattungen in den Sommermonaten, wenn das patriotische Gesamtinteresse f\u00fcr den Skilauf und die damit verbundenen Rennberichterstattungen saisonbedingt zu Ende sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerade diese, s\u00e4mtliche Bev\u00f6lkerungsgruppen Nordtirols umfassende Begeisterung f\u00fcr den Skisport, welche in keinem anderen Land der Welt dieses Ausmass erreicht, bezeugt die chauvinistische Bereitschaft der Eingeborenen, sowohl die eigenen Traditionen und Sitten, als auch die eigene Ausformung der Gemeinschaft als eine humankulturelle H\u00f6chstleistung zu betrachten, die es umgekehrt erlaubt und notwendig erscheinen l\u00e4sst, s\u00e4mtliche Kontakte mit und von aussen als zumindest nicht ebenb\u00fcrtig wenn nicht sogar unterlegen zu klassifizieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich einmal mehr die absolute Wichtigkeit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung und einer arteologischen Analyse, um dergestalt nachhaltig zu einer und positiven Gestaltung insgesamt beitragen zu k\u00f6nnen. Das Bewusstsein, dass Nordtirol inmitten von Europa liegt, kann durch die arteologische Forschung belegt werden und f\u00fchrt so zu einem tieferen und reichen Verst\u00e4ndnis der V\u00f6lkerschaften Europas.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dieser f\u00fcnften Expedition in den Raum Nordtirol der Republik \u00d6sterreich ist festzustellen, dass sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/711"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=711"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/711\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":713,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/711\/revisions\/713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}