{"id":716,"date":"2014-04-15T14:21:51","date_gmt":"2014-04-15T12:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=716"},"modified":"2014-04-15T14:21:52","modified_gmt":"2014-04-15T12:21:52","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=716","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 11"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/holzwirtschaft.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-717\" alt=\"holzwirtschaft kaunertal, 1997, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/holzwirtschaft-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Wintersaison im Tourismus dauert im Kaunertal im Regelfall bis Mitte April (um diese Zeit datiert meist auch das christliche Osterfest, welches sich jeweils nach dem Mond richtet und somit kalendarisch nicht auf ein dauerhaft starres Datum fixiert ist), wobei durch den Gletscherskilauf im hintersten Kaunertal diese Saison eine entsprechende Verl\u00e4ngerung erf\u00e4hrt und wirtschaftlich gesehen dem Tal eine Aufwertung der Zwischensaisonen und der Sommersaison (ab Ende Juni bis Anfang September) bringt. Gleichwohl herrscht zu dieser Zeit ein knappes Arbeitsplatzangebot, welches \u00fcberwiegend die Nebenerwerbslandwirte betrifft, welche in der Winterzeit in den verschiedensten Seilbahn- und Beherbergungsbetrieben ihr zus\u00e4tzliches unselbst\u00e4ndiges Einkommen erwirtschaften. Generell ist das Kaunertal im gewerblichen und auch industriellen Bereich schwach strukturiert, was zum einen auf die infrastrukturelle Gebirgslage und zum zweiten auf das Fehlen jeglicher Bodensch\u00e4tze (abgesehen von Schottervorkommen und der Waldbewirtschaftung) zur\u00fcck zu f\u00fchren ist. Das Arbeitsplatzangebot beschr\u00e4nkt sich daher gr\u00f6sstenteils auf den Dienstleistungssektor, welcher wiederum extrem saisonabh\u00e4ngig ist. So ist die eingeborene Bev\u00f6lkerung in den Wintermonaten nicht in der Lage den Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften in den Tourismusbetrieben zu decken, vielmehr sind die meisten gastronomischen Einrichtungen auf Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen angewiesen. Die xenophobe Grundeinstellung der eingeborenen Bev\u00f6lkerung schl\u00e4gt sich dabei oftmals in fragw\u00fcrdigen Arbeitsbedingungen f\u00fcr das ausl\u00e4ndische Arbeitspersonal nieder (eine Situation die f\u00fcr diesen Bereich geradezu typisch f\u00fcr ganz Nordtirol ist) und m\u00fcndet in einer latenten Verhaltensdiskrepanz, zwischen nahezu unterw\u00fcrfiger und scheinheiliger Freundlichkeit gegen\u00fcber dem zahlenden Gast und einer oftmals arroganten Herrschaftsattit\u00fcde gegen\u00fcber dem angeheuerten Personal ausl\u00e4ndischer Herkunft.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dieses Verhaltensdilemma spiegelt einerseits die Grundeinstellung der eingeborenen Bev\u00f6lkerung wider \u2013 ein streng konservatives Festhalten an Gebr\u00e4uchen und geschlechterspezifischer Rollenverteilung \u2013 und zeigt andererseits die \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen auf, welche jede enklavische Bev\u00f6lkerungsgruppe als Selbstschutz entwickelt, um dergestalt nicht durch von aussen kommende Verhaltensweisen und\/oder Zuwanderungen die eigendefinierten Wertigkeit in Frage gestellt zu bekommen oder gar assimilativ zu verlieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Wirtschaftlich gesehen trat somit die arteologische Expedition als ausl\u00e4ndisches Unternehmen auf und wurde trotz der mittlerweile in Nordtirol vorzeigbaren Erfolge und Ergebnisse zumindest mit skeptischer Vorsicht beobachtet. Die \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung durch die Universit\u00e4t Innsbruck und das T\u00fcrkische Konsulat (mit Sitz in Salzburg) erleichterte zwar wesentlich die administrativen Vorarbeiten, jedoch wurde erst mit der Ank\u00fcndigung der Anstellung von 23 Grabungsarbeitern (sowohl Frauen als auch M\u00e4nner) einmal mehr ein positiver Zugang zur einheimischen Bev\u00f6lkerung vor Ort gefunden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Organisatorisch bedingt dies eine entsprechende Vorbereitung, da sowohl die sozialversicherungsrechtlichen als auch steuerrechtlichen Belange bereits vorab nach M\u00f6glichkeit restlos gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen, um sp\u00e4terhin Missverst\u00e4ndnisse und administrative H\u00fcrden hintanzuhalten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Mit der ersten Expedition nach Nordtirol gr\u00fcndete daher <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Arkadasch<\/i> eine eigene Gesellschaft (mit beschr\u00e4nkter Haftung), deren Teilhaber sich aus dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arch\u00e4ologischen Institut der Universit\u00e4t Innsbruck<\/i>, dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen Institut der Freien Universit\u00e4t Izmir,<\/i> dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Wissenschaftsministerium der Republik \u00d6sterreich<\/i> und <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Arkadasch<\/i> zusammensetzt. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer fungiert dabei <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Arkadasch<\/i>. Mit dieser Rechtskonstruktion war und ist es m\u00f6glich, an den jeweiligen Grabungsorten als eigenst\u00e4ndiges Unternehmen aufzutreten und im rechtlichen Sinn als Arbeitgeber zu fungieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wintersaison im Tourismus dauert im Kaunertal im Regelfall bis Mitte April (um diese Zeit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/716"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=716"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":718,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/716\/revisions\/718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}