{"id":739,"date":"2014-06-01T19:31:15","date_gmt":"2014-06-01T17:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=739"},"modified":"2014-06-01T19:31:30","modified_gmt":"2014-06-01T17:31:30","slug":"kaukaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=739","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 17"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die P\u00f6lzungen an der Stele (Nische) wurden ab einer Grabungstiefe von 35 cm im Stollenvortriebssystem der Mineure angelegt: das heisst es wurde jeweils mit \u00fcberlappenden Brettern aus L\u00e4rchenholz ein schuppenartiges Teilkorsett entlang der senkrechten Grabungslinie auf allen vier Seiten angelegt und an der gegen\u00fcberliegenden Grabenwand mittels Kanth\u00f6lzern und Keilen verspreizt. Dies bedingt zwar eine Erschwerung der Grabungsarbeit als solches, da sowohl der Aktionsradius der arbeitenden Hilfskr\u00e4fte, welche sich im Graben direkt vor Ort befinden stark eingeschr\u00e4nkt ist, als auch die Ausbringung des Aushubmaterials aus der Grube selbst an den \u00e4usseren Grabenrand extrem erschwert wird, da sowohl auf die Arbeitskr\u00e4fte in der Grabung selbst, als auch auf die P\u00f6lzungen zu achten ist. Andererseits wird dadurch die systematisch richtige Grabungstechnik wie von selbst angewandt, da an freies Arbeiten mit Krampe und Schaufel, sp\u00e4testens ab einer Grabungstiefe von 60 cm nicht mehr zu denken ist. Vielmehr werden Unkrautharken f\u00fcr den Handgebrauch, Kehrwische, Pinsel und Maurerkellen zum bevorzugten Werkzeug, da alles langstielige Ger\u00e4t unanwendbar wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es dauerte insgesamt vier volle Tage, bis die Stele (Nische) komplett vierseitig freigelegt war und ihre wahre Gestalt zum ersten Mal in ihrer vollen Gr\u00f6sse ersichtig wurde. Dabei stellte Dr. Arkadasch fest, dass zwar die Fundamentierung des S\u00e4ulentr\u00e4gers (die Stelenbasis) direkt auf reinem Felsgrund erfolgte, der zudem rund um die Stellfl\u00e4che grobe Spuren einer Behauung aufwies um ein planes Fundamentgeviert zu erhalten, auf dem dann der Aufbau der Stele in Trockenbauweise erfolgte, aber bis zu einer H\u00f6he von 72 cm \u00fcber dem Felsgrund deutliche Hinweise einer bewussten Ummantelung in Form von losem, grob- bis feinkieseligem Sch\u00fcttgut vorzufinden sind. Diese Kiesel wurden mechanisch gebrochen, wobei in Laboranalysen lediglich Spuren von Granit vorzufinden waren, jedoch keinerlei metallene R\u00fcckst\u00e4nde (abgesehen von Sickerr\u00fcckst\u00e4nden aus Oberfl\u00e4chenw\u00e4ssern, welche jedoch alle eindeutig der Zeit ab 1900 [+\/- 30 Jahre] zuordenbar sind). Daraus ergibt sich, dass diese Kiesel vor Ort gebrochen wurden, wie auch ihre mineralogische Struktur beweist, welche ident mit dem Geschiebematerial des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Faggenbachs<\/i> und des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Gallruthbache<\/i>s ist. Die Stele (Nische) ragte somit lediglich 104,90 cm aus dem Erdboden, wobei der obere Teil, die \u201eKammer\u201c (Nische) nach einem verj\u00fcngenden Gesimse von 6 cm eine mittlere H\u00f6he von 25,02 cm aufweist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stelenische-zeichnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-740\" alt=\"stele,nische, trassierung, kaunertal 1997, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stelenische-zeichnung-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die zuvor im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Sondierungsgraben V<\/i> am 16. Juni 1997 vorgefundenen und quer zum Graben verlaufenden Trockenmauerreste weisen lediglich im s\u00fcdlichen Teil naturgewachsene St\u00fctz- und Sch\u00fcttmaterialien auf, w\u00e4hrend der n\u00f6rdlich angrenzende Teil deutliche Reste einer aplanierten und trassierten Fl\u00e4che beinhaltet. Nach genauerer Untersuchung der Schichtstruktur dieser Trassenfl\u00e4che gelangte das Expeditionsteam zur Schlussfolgerung, dass es sich hierbei um eine strassen\u00e4hnliche Befestigung handeln musste, die in ihrer gedachten Verl\u00e4ngerung direkt zur Stele (Nische) f\u00fchrt und diese wohl auch einfriedend umschliesst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Umgehend wurde daher in der gedachten Folgelinie der Trockenmauerreste vom <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Sondierungsgraben V<\/i> systematisch weitergegraben und weitere Mauerreste sowohl in westlicher als auch \u00f6stlicher Richtung vorgefunden, wobei die Mauerreste, welche am weitesten westlich gefunden wurden, bereits in einer Tiefe von gut einem Meter direkt mit dem gewachsenen Fels korrelieren und von da an, folgend dem felsigen Grundverlauf in \u00f6stliche Richtung, immer tiefer reichen, bis sie in H\u00f6he der Stele (Nische) g\u00e4nzlich aufh\u00f6ren, wobei hier die Abschlusskantenecke von grossen, sich wechselseitig \u00fcberlappenden Steinen gebildet wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Somit handelt es sich hier im Kaunertal um einen relativ gut erhaltenen und bewusst gestalteten Platz, der sowohl in bautechnischer als auch arch\u00e4ologischer Hinsicht die Pr\u00e4missen einer arteologischen Artefizit\u00e4t in allen Belangen erf\u00fcllt. Die Trassierung des Weges\/der Fl\u00e4che zur Stele (Nische) entbehrt auf Grund ihrer Lage jeden verkehrstechnischen Zweck und steht somit ausserhalb der bisherigen Fundungen, welche selbst in ihrem kultischen, rituellen Beiwerk immer einen direkten Bezug zum infrastrukturellen Bereich des jeweiligen Gemeinwesens beinhalteten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die P\u00f6lzungen an der Stele (Nische) wurden ab einer Grabungstiefe von 35 cm im Stollenvortriebssystem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/739"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=739"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":742,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/739\/revisions\/742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}