{"id":745,"date":"2014-06-20T21:55:30","date_gmt":"2014-06-20T19:55:30","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=745"},"modified":"2014-06-20T21:55:30","modified_gmt":"2014-06-20T19:55:30","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=745","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 18"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Auch im weiteren Verlauf der gesamten Grabung in diesem Areal wurden keine zus\u00e4tzlichen bautechnischen Spuren vorgefunden, welche in einem direkten Zusammenhang mit dieser Platzgestaltung oder auch der Stele\/Nische als solcher stehen. Das daraus resultierende Alleinstellungsmerkmal dieses architektonischen Ensembles weist somit keinerlei vordergr\u00fcndig merkantile Verwendungsmerkmale auf und muss daher einem rein kultischen oder sakralen Zweck zugeordnet werden (wobei theoretisch durchaus auch ein obrigkeitsverordnetes Machtsymbol hier unter Umst\u00e4nden andenkbar erscheint). Dieser Ansatz wird durch die Formensprache der Stele\/Nische in ihrer Gesamtgestaltung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Laboranalysen der Oberfl\u00e4chen der in Trockenbauweise hergestellten Grunds\u00e4ule weisen keinerlei Spuren einer etwaigen Verh\u00fcbschung durch mineralische oder organische Putze auf. Die im Fundamentbereich vorgefundenen Reste einer kleinfl\u00e4chigen Bedeckung des Mauerwerks durch eine Mischung aus Stroh (heimischen Gr\u00e4sern) und Rinderdung, sind wohl im Zuge der Planierungsarbeiten zur Endherstellung dieser Stele\/Nische entstanden, da sowohl die Aplanierung des durch die von Ost nach West verlaufende St\u00fctzmauerung entstandenen Stelenvorplatzes und die Einbettung der Stele\/Nische in denselben nur durch grosse gemeinschaftliche Anstrengungen und unter Verwendung von Ochsenkarren zum Schottertransport m\u00f6glich war. Zudem wurden an mehreren Stellen derartiger Rinderdung vorgefunden, der zwar Aufschluss \u00fcber die Ern\u00e4hrung und F\u00fctterung der damaligen domestizierten Rinder gibt, aber keinerlei zus\u00e4tzlichen bautechnische R\u00fcckschl\u00fcsse zul\u00e4sst, oder gar \u00c4hnlichkeiten mit afrikanischen Praktiken der Verputzung eines Hauses mit frischem Rinderdung aufweist. Auch wurde bis dato im gesamten Alpenraum keine einzige vergleichbare Verwendung von Kuhdung vorgefunden, sofern man von der Gewohnheit absieht, dass f\u00fcr frische Anstriche aus Kalk immer eine grosse Handvoll frischer Kuhdung in das Wasser-Kalk-Gemisch einger\u00fchrt wurde, um so die Deckkraft des Anstriches zu erh\u00f6hen. Diese Praxis ist aber im Nordtiroler Raum nur mehr in der \u00e4ltesten lebenden Generation bekannt; die gegenw\u00e4rtigen Anstriche in und an den Wohngeb\u00e4uden und Industriebauten werden s\u00e4mtlich mit mineralischen Farben oder Dispersionen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Aplanierung des Vorplatzes und die damit einhergehende Einbindung der Stele\/Nische erfolgte bis auf eine H\u00f6he von 72 cm ab Fundament der Nische\/Stele. Bei einer Gesamth\u00f6he von 176,90 cm der Nische\/Stele ragte somit die Nische\/Stele einen Meter und 4,90 cm aus dem Boden heraus, wobei der durch ein Sims vom Sockel zus\u00e4tzlich architektonisch betonte Nischenteil mit einer H\u00f6he zwischen 30,90 cm (an den abgerundeten Eckkanten) und einer Scheitelh\u00f6he von 32,10 cm seine eigenst\u00e4ndige Bedeutung gewinnt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die exakte Ausrichtung der Nische in Nord-S\u00fcdrichtung (wobei hier die Betrachtung von der granitenen Verschlussplatte an der s\u00fcdlichen Seite der Nische ausgeht) steht dabei nahezu gegens\u00e4tzlich zur Ausrichtung des aplanierten Vorplatzes. Somit war jede Ann\u00e4herung an diese Nische eine gezwungenermassen indirekt und belegt damit den kultischen Charakter dieses Bauwerks. Dieses sich bereits in der Ann\u00e4herung Abgrenzen und Abschoten findet sich auch in den bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts \u00fcblichen Kultvorschriften der katholischen Kirchen wieder, bei denen die Priesterschaft ihre religi\u00f6sen Handlungen vorwiegend mit dem R\u00fccken zu den Gl\u00e4ubigen zelebrierte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/nische_detail.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-746\" alt=\"nische_detail, kaunertal 1997, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/nische_detail-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Nische selbst ist im Gegensatz zum trockengemauerten Sockel aus behauenen Steinen gefertigt, die in sich Ans\u00e4tze einer polygonalen Verarbeitung aufweisen. Die Steine selbst sind ausschliesslich Material welches vor Ort gefunden wurde, wenn auch die Auswahl und Bearbeitung auf relativ hohes handwerkliches K\u00f6nnen im Umgang mit diesem Material schliessen l\u00e4sst. Die Verkittung der Steine erfolgte mittels eines mineralischen M\u00f6rtels, einem Gemisch von Lehm, Gips und geriebenem Bimsstein (welcher dem vulkanischen Teil der Apenninen zuordenbar ist) welcher \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt &#8211; aufgrund seiner Verh\u00e4rtungseigenschaft zu einem wasserdichten Verschluss der Kammer f\u00fchrt, aber auch die Nische insgesamt vor dem Eindringen von Regenw\u00e4ssern zu sch\u00fctzen vermag, wobei hier insbesondere die Anschlussstellen zwischen den drei Abdecksteinen und den ansatzweise polygonale verlegten Mauersteinen einer extrem hohen klimatischen Belastung ausgesetzt waren\/sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Eine interessante Entdeckung brachte die genaue Untersuchung der drei Abdecksteine der Nische: diese weisen nicht nur eine nach Osten und Westen verlaufende, geringe aber konstante Kr\u00fcmmung auf, an der entlang jedes Oberfl\u00e4chenwasser abrinnen muss, sondern diese Abdecksteine wurden, wie deutliche Spuren der Bearbeitung zeigen, geschliffen und poliert und mit Wachsen und Harzen behandelt, um so eine Kontaminierung dieser Steine durch Regen oder schmelzw\u00e4sser zu verhindern. Zudem wurden diese drei Abdecksteine untereinander mit einem Nut-Fugen-System versehen, um dergestalt eine starke und m\u00f6glichst dichte Verbindung zu erreichen. Auf eine Verbindung mit M\u00f6rtel wurde bewusst verzichtet, stattdessen auch hier mit einem Gemisch aus Wachsen und Harz gearbeitet um so zwar eine feste, gleichzeitig aber ersch\u00fctterungsresistente Abdeckung zu erhalten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Derartig hohes technisches K\u00f6nnen im Bezug auf Steinmetz- und Maurerarbeiten war zu jener Zeit in der einheimischen Soziet\u00e4tsstruktur nicht vorhanden. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass diese Nische\/Stele von einer Gruppe errichtet wurde, welche weder bislang hierorts heimisch noch ans\u00e4ssig war. <span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch im weiteren Verlauf der gesamten Grabung in diesem Areal wurden keine zus\u00e4tzlichen bautechnischen Spuren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=745"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":747,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745\/revisions\/747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}