{"id":752,"date":"2014-07-01T10:13:32","date_gmt":"2014-07-01T08:13:32","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=752"},"modified":"2014-07-01T10:13:32","modified_gmt":"2014-07-01T08:13:32","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-192","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=752","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 19\/2"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">In der Regel gilt, dass bei arch\u00e4ologischen Ausgrabungen generell zuerst damit zu rechnen ist, dass die vorgefundenen Objekte, Bauten und\/oder Artefakte zum \u00fcberwiegenden Teil nur mehr als rudiment\u00e4re \u00dcberreste vorhanden sind, bzw. durch den Zahn der Zeit oder aber menschlich bedingte Eingriffe beinahe vollkommen zerst\u00f6rt wurden. Dabei kann es sich um quasi kriminelle Machenschaften wie professionelles Grabr\u00e4ubertum (vor allem in Zeiten politischer Krisen oder gar kriegerischer Auseinandersetzungen) handeln, um lokal beschr\u00e4nkten Souvenierhandel mit Zufallsfunden (oder, wie es quantitativ betrachtet noch viel h\u00e4ufiger vorkommt, mit meist primitiv angefertigten F\u00e4lschungen), oder um \u00e4ltere und alte Ausgrabungen, bei denen noch nicht am Stand der heutigen wissenschaftlichen Vorgaben gewerkt wurde. S\u00e4mtliche dieser Erfahrungen sind eins zu eins auf die angewandte Arteologie umlegbar.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es gilt daher bei jeder Fundung zuallererst die genaue und auch planerisch erfasste Verortung im kartografischen Sinn eines jeden Fundst\u00fcckes durchzuf\u00fchren, um zum Einen auch nachfolgenden arteologischen und anderen wissenschaftlichen Untersuchungen den m\u00f6glichst origin\u00e4ren Status der jeweiligen Fundst\u00fccke zumindest bildnerisch zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen, und zum anderen jederzeit eine theoretische Gesamtbestandsaufnahme der Fundstelle zur Verf\u00fcgung zu haben, um so dergestalt eine spezifische Kontextualsierung der jeweils untersuchten Parameter als theoretischen Ansatz zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Somit stellt meistens auch das Nichtvorhandensein und\/oder Fehlen von Teilen von Fundungen als solches keinerlei zus\u00e4tzliche Problematik dar, sondern gilt vielmehr als arteologischer Normalzustand, als wissenschaftliche Ausgangsbasis, von der ab die weiterf\u00fchrenden Grundlagen und Schlussfolgerungen entwickelt werden k\u00f6nnen. Der Grossteil aller arch\u00e4ologischen und arteologischen Ausgrabungen entspricht nicht dem g\u00e4ngigen Bild der von den Medien gerne verbreiteten \u201eSensationsfunde\u201c \u2013 wie etwa dem Grab Tutanchamuns (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Howard Carter<\/i>, 1922, <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Tal der K\u00f6nige<\/i>, \u00c4gypten), oder der Grabst\u00e4tte des K\u00f6nigs Phillip von Makedonien (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Manolis Andronikos<\/i>, 1977, <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Vergina<\/i>, Griechenland) \u2013 sondern besteht zum \u00fcberwiegenden Teil aus fragmentarischen \u00dcberresten, welche erst durch die wissenschaftliche Aufarbeitung zu einer Gesamtdarstellung zusammenf\u00fcgbar sind und so in einen arteologischen und\/oder historischen Konnex impliziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Freilich bringen die oftmals f\u00fcr den Laien nur in marginalen Spuren vorhandenen Funde das Verst\u00e4ndnis der \u00d6ffentlichkeit an ihre Grenze, umso wichtiger ist daher die genaue wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Funde, um dergestalt die Bedeutung und Relevanz der arteologischen Arbeit angemessen und nachvollziehbar zu gestalten. Hierbei gilt es besonders der eingeborenen Bev\u00f6lkerung vor Ort und den eingesetzten lokalen Hilfskr\u00e4ften umgehend die Wertigkeit der jeweiligen Fundsituation zu vermitteln, um so von vornherein falsche Erwartungen und eventuell daraus resultierende Frustrationen zu verhindern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/gendarmerie.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-753\" alt=\"gendarmerie, kaunertal 1997, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/gendarmerie-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Freilegung der Stele\/Nische an der Grabungsstelle Kaunertal weckte umgehend das Interesse der lokalen Medien und f\u00fchrte zu einer Art von Schautourismus an der Grabungsstelle, dem nur mit einer rigiden Beschr\u00e4nkung der Zutrittsm\u00f6glichkeiten beizukommen war. Je weiter die Freilegung der Stele\/Nische erfolgte, umso gr\u00f6sser wurde die Zahl der Schaulustigen und auch die \u2013 bis zu einem gewissen Grad \u2013 Euphorie der eingeborenen Hilfskr\u00e4fte. Der lokale Tiroler Radiosender brachte jeden Tag unter dem Titel \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Das Geheimnis der Kaunertaler Nische<\/i>\u201c Live-Reportagen zur Ausgrabung, sodass sich <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Arkadasch Dag<\/i> veranlasst sah, in einer eigenen Presseaussendung vor zu hoch gesteckten Erwartungen abzusehen. Um das Grabungsgel\u00e4nde abzusichern wurden auf Antrag der Expeditionsleitung Gendarmeriebeamte abgestellt, die nicht nur den Besucherstrom kontrollierten, sondern auch das Grabungsgel\u00e4nde rund um die Uhr bewachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Regel gilt, dass bei arch\u00e4ologischen Ausgrabungen generell zuerst damit zu rechnen ist, dass&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/752"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=752"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":754,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/752\/revisions\/754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}