{"id":771,"date":"2014-07-25T21:30:23","date_gmt":"2014-07-25T19:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=771"},"modified":"2014-07-25T21:30:23","modified_gmt":"2014-07-25T19:30:23","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-204","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=771","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 20\/4"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es ist jedoch davon auszugehen, dass insbesondere die Verarbeitung und hier wieder die weiterf\u00fchrende und auch k\u00fcnstlerische und\/oder gestalterische Bearbeitung von Materialien, sowohl f\u00fcr den t\u00e4glichen Gebrauch (wobei bis dato nur wenige Gebrauchsgegenst\u00e4nde aus Metall vorgefunden wurden; \u00fcberwiegend messerartige Werkzeuge, H\u00e4mmer und Schlegel) als auch f\u00fcr Kulthandlungen zwar im Kontext einer friedlichen Koexistenz mit heimischen Eingeborenen erfolgte, jedoch insgesamt dieses Wissen nur marginal der eingeborenen ortsans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung zur Verf\u00fcgung stand. Gleichzeitig beweist diese Spezialisierung, welche auch im architektonischen und mauergewerblichen Bereich manifestiert erscheint, dass wir es im gegenst\u00e4ndlichen Bereich weder mit einer Art von durch Suppression erreichter Kompetenzerweiterung (ev. in Form von Sklaverei und\/oder Gefangennahme innert kriegerischer Auseinandersetzungen), noch mit dem simplen monet\u00e4ren Zukauf von artifiziellen Leistungen welche im gegenw\u00e4rtigen Gesellschaftsgef\u00fcge einer Gemeinschaft aufgrund der eigenen entwicklungsbedingten kulturellen Ressourcen nicht im ausreichenden Ausmass vorhanden sind (sei es durch einen genuinen Mangel an Talent oder Experimentierneigung, oder aber durch eine schlichte R\u00fcckst\u00e4ndigkeit in der allgemeine n Entwicklung als solcher) zu tun haben, sondern vielmehr mit einer von aussen kommenden, also transalen Bereicherung in Form einer elitenhaften Infiltration einer nichteingeborenen F\u00fchrungsschicht, welche in relativ kurzer Zeit in der Lage war zum einen die althergebrachten, traditionellen Formen einer kultischen Grundkultur f\u00fcr ihre Zwecke zu adaptieren und zum anderen es verstand durch die eigene \u00dcberlegenheit in bestimmten Wirktechniken und Fertigkeiten im architektonischen als auch artifiziellen Bereich ihre Vormachtstellung als positive Kompetenzerweiterung der Gesamtgruppe im lokalen Umfeld des Kaunertals zu festigen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die handwerklichen und manipulativen Spuren an den beiden Cult-objecten tragen deutliche Hinweise auf \u00e4hnlichst gearbeitete Gegenst\u00e4nde welche im kultischen Umfeld von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Etrurien<\/i> (IT), aber auch in Grabungsst\u00e4tten rund um <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Mezzovico-Vira<\/i> (CH) und <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arbedo-Castione<\/i> (CH) vorgefunden wurden, und die s\u00e4mtliche der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Artreologischen Zeit<\/i> zuordenbar sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die koevolative, transale Implementierung von nichteingeborenen Eliten in die kulturelle und soziologische Grundstruktur der kaunertaler Bev\u00f6lkerung ist somit \u2013 sp\u00e4testens \u2013 mit dem Auslaufen der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen Zeit<\/i> als belegt anzuerkennen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_1_vorderansicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-772\" alt=\"cult_object_1_vorderansicht, kaunertal 1997, dr. arkadsch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_1_vorderansicht-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bei beiden Cult-objecten handelt es sich um im Durchschnitt 2,3 mm starke metallene Objekte, deren Ausarbeitung aus einem flachgeklopften stark eisenhaltigen Grundblech besteht. Die Gesamtform entspricht im weitesten einem grossen \u201eT\u201c, weist an der senkrechten Linie des ersten Cult-objectes eine Gesamtl\u00e4nge von 67,34 mm auf und einen horizontalen Spann von 81,03 mm. Am in der gehauenen Felsboden eingelassen Basis betr\u00e4gt die Breite 15,20 mm und verj\u00fcngt sich nach einer halbkreisf\u00f6rmig gerundeten Bogenform (mit einem Radius von7,10 mm) nach oben hin zu einer taillierten Form mit einem Querdurchmesser von 10,08 mm. Dieser schlankeste Punkt wird \u2013 von unten gemessen \u2013 nach 49,91 mm erreicht. Von da an verstrebt sich die Form V-f\u00f6rmig nach oben und bildet zwei sich gleichm\u00e4ssig nach links und rechts \u2013 ungleichm\u00e4ssig gedrehte- verlaufende Verastungen. Der Mittelteil der \u201eV\u201c \u2013 Form wird durch ein zweidimensionales, nach oben hin in einer dreiteiligen Welle gef\u00fchrtes Flachst\u00fcck gebildet, dessen beide Wellenk\u00e4mme im Abstand von 11,30 mm ausgebildet sind. Die \u00dcberg\u00e4nge beidseitig dieses Flachst\u00fcckes werden von den dreidimensionalen Verastungen gebildet, die gegengleich nach aussen streben und an den Kurvenkanten, welche direkt am Flachst\u00fcck anschliessen, nachbearbeitete Verformungen, welche mithilfe von nachweisbaren Feuerungsspuren einer metallurgischen Bearbeitung zugef\u00fchrt wurden, aufweisen. Vom linken Scheitelpunkt der Verformung bildet der linke horizontale Ast eine balkenartige Struktur in der L\u00e4nge von 26,72 mm. Der entsprechende Balkenquerriss betr\u00e4gt an der linken Aussenkante 7,25 mm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die rechte Verastung erscheint formal geschlossener und erreicht ihren Scheitelpunkt, gemessen vom rechten Wellenkamm des V-f\u00f6rmigen Mittelteils, nach 16,40 mm und bildet dann einen leicht nach unten weisenden Querbalken in der L\u00e4nge von 18,51 mm. Der dazugeh\u00f6rende Querriss am Balkenende weist eine Breite von 7,10 mm auf.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die mittels Hitzeeinwirkung metallurgisch gedrehte Querbalkenformung zeigt hiebei zwei unterschiedliche Drehradien, welche klar darauf hinweisen, dass es sich hiebei weder um eine fr\u00fche serielle Darstellung anhand einer Grundform gehandelt haben kann, noch um eine in Schablonentechnik geformte und normative Darstellung. Vielmehr entspricht die handwerkliche Vorgangsweise einer individuellen und artefakturellen Bearbeitung einer bestehenden und traditionell \u00fcberlieferten Grundgestaltung, welche speziell f\u00fcr einen im rituellen Kontext zu findenden anlassgem\u00e4ssen und situativen Verwendung hergestellt wurden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Wie bei den bisher in Metall ausgef\u00fchrten Cult-objecten die im Nordtiroler Raum gefunden wurden, findet sich an der vertikalen Basis eine 5 mm betragende, kreisrunde Bohrung, die wohl urspr\u00fcnglich einer speziellen Verwendung zugedacht war, im gegenst\u00e4ndlichen Fall aber keinerlei Gebrauchspuren aufweist, welche auf eine tats\u00e4chliche manipulative Anwendung in diesem eingeschr\u00e4nkten Bereich hindeuten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Neben der artefakturellen Formensprache ergibt sich ein Kontext zu den bisher vorgefundenen metallenen Cult-objecten wiederrum durch die in Ritztechnik angebrachten schriftartigen Zeichen, welche den vertikalen Bereich dieses Cult-objectes zieren. Diese Ritzung wurde h\u00e4ndisch durchgef\u00fchrt und unter Zuhilfenahme von Essigs\u00e4ure im Metall dergestalt vertieft, dass sich dadurch zwar eine Verdeutlichung des Erkennens ergibt, andererseits aber eine Entgratung der Ritzzeichen durchgehend erfolgte. Es handelt sich insgesamt um sieben verschiedene Zeichen, wobei die beiden untersten ident sind, sowie das dritte und sechste von oben. Interessant dabei ist die Tatsache, dass das zweite Zeichen von oben gestalterisch eine gegengesetzte Formung einnimmt, w\u00e4hrend alle anderen Zeichen, und hier ganz besonders das erste und gr\u00f6sste Zeichen (von oben aus betrachtet) gestalterisch zur Basis hin ausgelegt sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcckansicht der beiden Cult-objecte belegt die Verwendung des handwerklichen Kunstgriffs der durchgehenden Materialversteifung durch bewusste Eindrehung der R\u00e4nder in abgerundeter Form nach innen. Dadurch wird nicht nur eine in sich tragende formale Verfestigung erreicht, sondern auch eine dreidimensionale Formgebung, die gestalterisch weit \u00fcber eine rein reliefartige Ausarbeitung hinausgeht, wie sie bei sp\u00e4terhin oft \u00fcblichen Treibarbeiten aus Bronze und Kupfer vorzufinden sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Oberfl\u00e4che der Cult-objecte wurde durchgehend gegl\u00e4ttet, lediglich an den Verastungen erscheint die Oberfl\u00e4che rauher, wobei dies mit hoher Wahrscheinlichkeit einer h\u00f6heren Anf\u00e4lligkeit gegen errosive Einwirkungen infolge der zus\u00e4tzlichen Bearbeitung mit Hilfe von Feuer geschuldet scheint.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Masse des zweiten Cult-objectes entsprechen weitestgehend dem des ersten, genauso seine gestalterische Ausformung und Charakteristik. Die dazugeh\u00f6renden genauen Angaben sind dem \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Spezifischen Fundprotokoll Kaunertal<\/i>\u201c zu entnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist jedoch davon auszugehen, dass insbesondere die Verarbeitung und hier wieder die weiterf\u00fchrende und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/771"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=771"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":773,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/771\/revisions\/773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}