{"id":812,"date":"2014-10-06T21:29:26","date_gmt":"2014-10-06T19:29:26","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=812"},"modified":"2014-10-06T21:29:26","modified_gmt":"2014-10-06T19:29:26","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-217","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=812","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21\/7"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Nach der Bergung wurde diese rechte, humanoide Hand sofort in den Bergungscontainer \u00fcberstellt und dort noch w\u00e4hrend der konservierenden Erstbehandlungen gleichzeitig ersten arteologischen und pathologischen Untersuchungen unterzogen. Dies beinhaltete neben einer genauen bilddokumentatorischen Erfassung des Fundes (inklusive einer ersten r\u00f6ntgenologischen Aufnahmenserie) auch erste Gewebeprobenentnahmen an der Handwurzel und zellulare Abstriche an mehreren, streng dokumentierten Oberfl\u00e4chenbereichen, sowie in Anlehnung an kriminalforensische Vorgehensweisen, die Sicherstellung von Materialien, welche sich unter den K\u00e4mmen der Fingern\u00e4gel eingenistet haben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese kriminalforensische Untersuchung wurde im Rahmen einer arteologischen Beforschung zum ersten Mal durchgef\u00fchrt und zeigt auf, wie wichtig eine f\u00e4cher- und methoden\u00fcbergreifende Arbeit im wissenschaftlichen Sinne zu einem Mehr an Wissenszuwachs f\u00fchrt und so gleichzeitig im Rahmen neuer Fragestellungen zu eventuell bisher subspezifizierten Themenbereichen zu neuen Erkenntnisans\u00e4tzen wesentliches beitragen kann.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Rachel Holzstein Maurer<\/i>, vom <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Forensischen Institut der Universit\u00e4t Augsburg<\/i>, konnte anhand der unter den Fingern\u00e4geln geborgenen R\u00fcckst\u00e4nde sowohl die zeitliche Zuordnung des Fundes best\u00e4tigen (Endepoche der Arteologischen Zeit, +\/- 25 Jahre), als auch beweisen, dass diese Hand nach erfolgter Mumifizierung\/Haltbarmachung unmittelbar in das umgebende Erdreich eingebracht wurde und keine weitere topografischen Verlegung stattgefunden hat. Zudem entdeckte sie bei allen f\u00fcnf Nagelbettr\u00fcckst\u00e4nden eindeutige Spuren der verwendeten konservierenden Materialien und belegte auf diese Weise die Ergebnisse der chemischen Analyse betreffend die Mumifizierung dieser rechten Hand. Diese Ergebnisse unterst\u00fctzten die verfahrenstechnische Rekapitulation des Mumifizierungsvorganges, welcher im experimentellen arteologischen Versuch mit Erfolg nachgestellt wurde (vgl. \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Die Mumifizierung von humanoiden Funden in der Arteologischen und Hocharteologischen Zeit im Alpenraum\u201c, Dr. Severin Obhauser, Universit\u00e4t Innsbruck, Inneditionen, 1998<\/i>).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoider-fund-zeichnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-813\" alt=\"humanoider fund, fundprotokollzeichnung 36, 1997, kaunertal, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoider-fund-zeichnung-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bei dieser rechten menschlichen Hand handelt es sich um eine maskuline Extremit\u00e4t, welche mittels einer sauber durchgef\u00fchrten Abtrennung post mortem vom K\u00f6rper des Verstorbenen entfernt wurde. Die Gewebsanalysen belegen eine mechanische Separation dieser Extremit\u00e4t im Zeitraum von f\u00fcnf bis maximal zw\u00f6lf Stunden nach Eintritt des \u2013 wahrscheinlich &#8211; nat\u00fcrlichen Todes, da keinerlei Hinweise auf stresshormonelle Ver\u00e4nderungen im Feingewebe und in den Faszien festgestellt wurden. Die Abtrennung erfolgte mittels zweier von links nach rechts durchgef\u00fchrten Schnittbewegungen, wobei hier ein messerartiges Werkzeug zur Verwendung kam, da die Schnittstellen keinerlei s\u00e4geartiges Muster aufweisen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Mumifizierung erfolgte \u2013 \u00e4hnlich den bisherigen Fundungen im Alpenraum \u2013 \u00fcber mehrere Schritte, wobei hier zuerst durch stark salzhaltige Laugen dem nat\u00fcrlichen Verwesungsprozess durch hydrogenen Entzug die Basis entzogen wurde, um dann, nach erfolgter, mehrw\u00f6chiger Trocknung dem Gewebeinneren durch Implikationen mit einem Gemisch aus Harzen, feinst zerriebener Eichenholzasche und mineralischen Elementen eine erhaltende und konservierende Struktur zu verleihen, die nach erfolgter Aush\u00e4rtung das verbleibende organische Material in Form einer \u201eVersteinerung\u201c dauerhaft verfestigte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Abtrennstelle misst, gemessen am l\u00e4ngsten Durchmesser dieser elipsoiden Rundung, eine Ausdehung von 5,10 cm. Die gesamte Hand weist eine L\u00e4nge von 16,48 cm auf (gemessen von der Handwurzel zur Spitze des Mittelfingers) und eine Spannweite von 12,34 cm (vom Kleinen Finger bis zur Daumenspitze). Die Fingerstellung erscheint leicht ge\u00f6ffnet, ohne den Eindruck einer geplanten Zugriffst\u00e4tigkeit zu vermitteln. Die L\u00e4nge des Daumens betr\u00e4gt 5,00 cm, die des Kleinen Fingers 5,61 cm. Die gemessene Entfernung von der Handwurzel zur Spitze des Kleinen Fingers betr\u00e4gt 12,67 cm, w\u00e4hrend dieselbe Vermessungsspanne beim Daumen 9,73 cm misst. Die Spreizspanne zwischen dem Kleinen Finger und dem Ringfinger weist eine Entfernung von 3,90 cm auf, w\u00e4hrend sie weiterf\u00fchrend zum Mittelfinger, gemessen ab Fingerspitze Ringfinger, lediglich 2,01 cm betr\u00e4gt. Die Spreizung zwischen dem 7,05 cm langen Zeigefinger zum Mittelfinger betr\u00e4gt 3,82 cm. S\u00e4mtliche Nagelbette sind erhalten, ebenso die Fingern\u00e4gel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Bergung wurde diese rechte, humanoide Hand sofort in den Bergungscontainer \u00fcberstellt und dort&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/812"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=812"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/812\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":814,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/812\/revisions\/814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}