{"id":815,"date":"2014-10-09T21:43:30","date_gmt":"2014-10-09T19:43:30","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=815"},"modified":"2014-10-09T21:43:30","modified_gmt":"2014-10-09T19:43:30","slug":"kaunertal-mai-oktober-1997-ausgrabungsprotokoll-218","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=815","title":{"rendered":"Kaunertal, Mai &#8211; Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21\/8"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Hand selbst hat an ihrer Oberfl\u00e4che keinerlei Besch\u00e4digungen, welche auf entweder auf den mechanischen Vorgang der Abtrennung, den Mumifizierungs- und\/oder Lagerungprozess zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Die Lagerung selbst im mineralisch, geologischen Umfeld dieses Abschnitts des Kaunertals zeitigte gleichfalls keinerlei Sch\u00e4digungen dieses humanoiden und mumifizierten Fundes, abgesehen von einer nat\u00fcrlichen Ausbleichung, die der typische permanente Pigmentverlust mit sich bringt. Dieser fusst auf der minimalen semipermeablen Membranstruktur der angewandten Mumifizierungsmaterialen, welche f\u00fcr den dauerhaften Erhalt der Lederhautschichten verfahrenstechnisch eingesetzt wurden. Die Zusammensetzung aus pflanzlichen \u00d6len, Eichenharz und durch Heissverfahren gereinigte tierische Fette garantiert zwar eine durchg\u00e4ngige Wasserresistenz von aussen nach innen, l\u00e4sst aber gleichzeitig eine einseitige, von innen nach aussen erfolgende Diffusion von Feuchtigkeit zu. Dieser Vorgang ist gewollt und beabsichtigt, da er die Abgabe von l\u00e4ngerfristig sch\u00e4digender Restfeuchtigkeit des innenliegenden humanoiden Gewebes gew\u00e4hrleistet und dergestalt den Mumifizierungsprozess in der Art eines <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Self-repair-Systems<\/i> (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Franziska Magenschmitt, 1992, \u201eDie Dehydrierung als Basis der Permanentmumifizierung\u201c, Pathologisches Institut Universit\u00e4t Genf, S. 124 ff<\/i>) dauerhaft unterst\u00fctzt. Die Pigmentstoffe selbst sind wasserunl\u00f6slich, sie werden aber im Laufe der Jahre durch die an der Oberfl\u00e4che aufgetragenen Mumifizierungmaterialien chemisch zerlegt und verlieren damit ihre farbgebende Zusammensetzung und werden ab einer gewissen Minimalisierung ihrer Struktur im oben beschriebenen Diffusionsverfahren nach und nach ausgeschieden. \u00dcbrig bleibt sodann eine einheitlich gef\u00e4rbte, blasse Oberfl\u00e4chenfarbe, die beschreibungsm\u00e4ssig stark an altes, h\u00e4ufig dem Licht ausgesetztes Pergament erinnert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/arteologisch_pathologische-analyse-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-816\" alt=\"arteologisch_pathologische analyse, 1997, kaunertal, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/arteologisch_pathologische-analyse-6-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Diese rechte Hand geh\u00f6rte einem erwachsenen Menschen. Auf Grund der physognomischen Eigenschaften kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei dieser Hand um die rechte, obere Extremit\u00e4t eines Mannes handelt. Gleichwohl weist die Hand keinerlei Merkmale an der Oberhaut oder auch den Innenseiten der Finger auf, welche explizit auf eine l\u00e4nger andauernde handwerkliche T\u00e4tigkeit dieser Person schliessen liessen. Keinerlei Vernarbungen \u2013 auch keine kleinformatigen, keine Schwielen oder sonstige Anzeichen von allt\u00e4glichen Verwundungen oder Verletzungen. Die gesamte Hautfl\u00e4che wirkt sorgf\u00e4ltig und bereits zu Lebzeiten nachhaltig gepflegt. Dies gilt auch f\u00fcr die sauber ausgearbeiteten Nagelbette und die sorgsam zugeschnittenen Fingern\u00e4gel. Alle f\u00fcnf <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/arteologisch_pathologische-analyse-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-817\" alt=\"arteologisch_pathologische analyse 2, 1997, kaunertal, dr. arkadasch, arteologiee analyse (5)\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/arteologisch_pathologische-analyse-5-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Fingern\u00e4gel sind nahezu vollst\u00e4ndig erhalten, lediglich kleine Absplitterungen sind an den Fingern eins und vier vorzufinden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Das Alter dieser Hand wird von der Anthropologin <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Marga Sudanavesi<\/i> zwischen 36 und 42 Lebensjahren datiert. Zudem konnten keinerlei krankhafte Ver\u00e4nderungen anhand der Gewebeproben festgestellt werden. Da bisher nirgendwo im Alpenraum rituelle Hinrichtungen im arteologischen Kontext feststellbar sind, ist davon auszugehen, dass es sich beim Hinscheiden des Inhabers dieser oberen, rechten Extremit\u00e4t um einen nat\u00fcrlichen Tod gehandelt haben muss, wobei jedoch a priori eine grunds\u00e4tzliche Verunfallung nicht auszuschliessen ist. Insbesondere die Art der Mumifizierung\/Einbalsamierung, sowie die nachfolgende konservierende Aufbewahrung l\u00e4sst den Schluss zu, dass es sich bei dieser m\u00e4nnlichen Person um einen Angeh\u00f6rigen der oberen Schicht gehandelt haben muss. Diese Annahme best\u00e4rkt auch das Fehlen jeden Hinweises auf manipulative, manuelle T\u00e4tigkeiten. Der Zusammenhang zwischen der Nische\/Stele und sowohl der genauen Fundstelle der Hand, als auch der Hand als solcher, erscheint zwingend, bedarf jedoch noch n\u00e4herer und eingehenderer Analysen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hand selbst hat an ihrer Oberfl\u00e4che keinerlei Besch\u00e4digungen, welche auf entweder auf den mechanischen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/815"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=815"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/815\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":818,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/815\/revisions\/818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=815"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=815"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=815"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}