{"id":911,"date":"2015-01-09T23:23:36","date_gmt":"2015-01-09T21:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=911"},"modified":"2015-01-09T23:23:36","modified_gmt":"2015-01-09T21:23:36","slug":"pitztal-juli-oktober-1999-ausgrabungsprotokoll-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=911","title":{"rendered":"Pitztal, Juli &#8211; Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 15"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Bei Expeditionen auf ein eingespieltes und bew\u00e4hrtes Team in jeder Situation zur\u00fcck greifen zu k\u00f6nnen, erleichtert neben den notwendigen internen Abl\u00e4ufen vor allem den Umgang mit nichtallt\u00e4glichen Situationen wie es nun einmal die \u2013 von allen herbeigesehnte \u2013 Fundung bei Grabungen darstellen. Auch wenn der \u00fcberwiegende Teil der Fundungen bei den Grabungen aus unspektakul\u00e4ren fragmentarischen \u00dcberresten und Spuren von Besiedelungen besteht, die im Wesentlichen vor allem nach einem disziplinierten Vorgehen bei den Grabungsarbeiten verlangen und aus vereinzelt auftretenden Artefakten und partiellen Fundanteilen (wie Scherben, \u00dcberresten aus Werkzeugen und Handwerksmaterialien), so ist es dennoch gerade f\u00fcr die jeweiligen eingeborenen Hilfskr\u00e4fte vor Ort immer wieder auch eine emotionale Herausforderungen mit vermeintlichen Zeugen der eigenen Genese konfrontiert zu werden. Neben den immer wieder auftretenden Fragen des Besitzrechts solcher Fundungen (vgl. die Diskussion um die <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Elgin Marbles<\/i>, welche heute im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">British Museum<\/i> ausgestellt werden und jene Skulpturen und Fragmente von Bauten der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Akropolis<\/i> von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Athen<\/i> umfasst, die <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Lord Elgin<\/i> 1801 aus der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Akropolis<\/i> herausbrechen liess und anschliessend an das <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">British Museum<\/i> verkaufte. <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Lord Elgin<\/i> hatte zum Herausbrechen und Abtransport dieser Teile des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Panathen\u00e4en-Frieses<\/i>, einiger Metopen sowie Giebelst\u00fccke des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Parthenon<\/i>. <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Lord Elgin<\/i>, als damaliger Botschafter im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Osmanischen Reich<\/i> hatte sich dazu eine Erlaubnis von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Abdullah Kaimacan<\/i> besorgt) sind es vor allem emotionale und bildungsrelevante Fragestellungen die in diesem Zusammenhang, sowohl f\u00fcr die unmittelbare Expeditionsarbeit als auch die nachfolgende wissenschaftliche Bearbeitung nicht ausser Acht gelassen werden d\u00fcrfen. Die Konfrontation mit der Historie im als heimatlich empfundenen Umfeld wird in den bildungsfernen Schichten einer Soziet\u00e4t meist von schwer zu definierenden Gef\u00fchlen eines diffusen Nationalismus gepr\u00e4gt, der leicht in Ressentiments gegen\u00fcber als fremd und auch elit\u00e4r erlebten, von ausw\u00e4rts kommenden Experten umschl\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Unerl\u00e4sslichkeit der Einbindung einheimischer Fachleute von Anbeginn der ersten arteologischen Expedition im Nordtiroler Inntal im Jahr 1982 und deren fortw\u00e4hrende kommunikative Pr\u00e4senz \u2013 gerade auch in den Zeitr\u00e4umen zwischen den mittlerweile sechs Expeditionen \u2013 kann derartige Vorkommnisse, die nur allzu leicht in Behinderung oder gar Verunm\u00f6glichung weiterer wissenschaftlicher Arbeit umschlagen k\u00f6nnen (oder auch Gefahr f\u00fcr Leib und Leben der Expeditionsteilnehmer mit sich bringen) weitestgehend hintanhalten. Denn immer wieder werden durch neueste Erkenntnisse, die sich aus der Analyse und Aufarbeitung von Funden, sowohl im arteologischen als auch arch\u00e4ologischen Bereich, ergeben, bisherige geschichtliche Narrative als falsch erkannt und f\u00fchren dann zwingend zu einer Neuinterpretation und Neupositionierung der jeweiligen ethnischen Genese. Dass dabei meist verkl\u00e4rende und\/oder heroisierende Selbstbilder fundamental korrigiert werden m\u00fcssen, f\u00fchrt immer wieder zu einer vollst\u00e4ndigen Aufhebung von bisher als unverr\u00fcckbar erschienen tradierten historischen Codices, die insgesamt als Basis der eigenen Wertvorstellungen und des Selbstverst\u00e4ndnisses dienten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Miteinbeziehung des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arch\u00e4ologischen Instituts der Universit\u00e4t Innsbruck<\/i>, die \u2013 seit 1982 begr\u00fcndete &#8211; Mitgliedschaft von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Herrn Herwig Angerer<\/i> und <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Herrn Dr. Armin Lengauer<\/i>, sowie von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Herrn Mag. Peter Stolz<\/i> im Expeditionsteam verschafft den arteologischen Intentionen im Raum <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Nordtirol<\/i> neben einem direkten Bezug zur Bev\u00f6lkerung vor allem einen seri\u00f6sen Zugang auf wissenschaftlicher Ebene, der von vornherein jeden Gedanken einer oktroyierenden Bevormundung ausschliessen hilft.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese Vertrauensbasis hat sich seit 1982 verst\u00e4rkt und bew\u00e4hrt und findet ihren Niederschlag im routinierten und disziplinierten Bergungsablauf einer jeden Fundung, welcher auch seit der Expedition im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Kaunertal<\/i> (1997) schulungsm\u00e4ssig in der Vorbereitung der eingeborenen Hilfskr\u00e4fte gelehrt und ge\u00fcbt wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/regen-grabungshuegel-nr_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-912\" alt=\"regen, grabungshuegel nr 4, pitztal 1999, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/regen-grabungshuegel-nr_4-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Sobald am Grabungsh\u00fcgel Nr. 4 die ersten Mauerungen freigelegt wurden, liess die Leiterin Frau <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Mag. Olga Frantisek <\/i>diesen Gel\u00e4ndeabschnitt absperren und meldete die Fundung an die Grabungsleitstelle. Sofort wurde mittels Zeltplanen der Fundort vor Regen gesch\u00fctzt und die weitere Grabungst\u00e4tigkeit von lediglich zwei Personen (wobei bewusst auf eine einheimische Hilfskraft zur\u00fcck gegriffen wurde) durchgef\u00fchrt. Die Dokumentation lag dabei in den bew\u00e4hrten H\u00e4nden des expeditionsfotografen und Aquarellisten <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Herrn Herwig Angerer<\/i>. Gleichzeitig wurde der Bergungscontainer aktiviert, um f\u00fcr etwaige humanoide Funde vorbereitet zu sein. Vor Ort erfolgte eine Elektrifizierung f\u00fcr k\u00fcnstliche Beleuchtung, sowie die r\u00e4umliche Zuweisung f\u00fcr Presseleute und Schaulustige. Der weitere Ablauf der Freilegung erfolgte gem\u00e4ss den arteologischen Richtlinien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Expeditionen auf ein eingespieltes und bew\u00e4hrtes Team in jeder Situation zur\u00fcck greifen zu k\u00f6nnen,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/911"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=911"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":913,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/911\/revisions\/913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}