{"id":921,"date":"2015-01-12T22:23:36","date_gmt":"2015-01-12T20:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=921"},"modified":"2015-01-12T22:24:49","modified_gmt":"2015-01-12T20:24:49","slug":"pitztal-juli-oktober-1999-ausgrabungsprotokoll-154","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=921","title":{"rendered":"Pitztal, Juli &#8211; Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 15\/4"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die bisherigen Fundungen von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i> \u00fcberwiegend als donative Darbringungen in einem rituellen Umfeld interpretierbar sind-mit Ausnahme der Fundung des \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Triptychons<\/i>\u201c im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Lechtal<\/i>, 1992 &#8211; so erscheint nunmehr bereits die Art und Weise der Pr\u00e4sentation, respektive der Zur-Schau-Stellung (aktiv) oder Lagerung (passiv), als eine bewusst gesetzte Umsetzung geistiger und\/oder geistlicher \u00dcberlegungen, die sich in der Symbolik der Anordnung der beiden Fundobjekte unverkennbar manifestieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Somit ist nicht nur die Formensprache samt ihrer Umsetzung im Material von genereller Bedeutung, vielmehr erschliesst erst die Gesamtheit aus den diametral, paarweise angeordneten <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i> in ihrem Bezug zum direkten Umfeld (steinerner Schrein, Kubus) und zum mythologischen Anspruch, der den Bogen vom lokal, individuellen Geschehen vor Ort bis hin zum kosmischen Ganzen, spannt, jene im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Nordtiroler Raum<\/i> erstmalig auftretende Bereitschaft jenseits der Dinglichkeit des Alltags in gr\u00f6sseren Zusammenh\u00e4ngen zu denken, bzw. denken zu lassen. Die achsiale Ausrichtung nach dem Sonnenstand zur Wintersonnenwende ist daher von soziohistorisch immenser Bedeutung und kann in seinen weiteren Auswirkungen nicht genug betont werden und stellt mithin den \u00dcbergang vom <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen Zeitalter <\/i>zum <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Hocharteologischen Zeitalter<\/i> dar (sh. \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Chronological Table of Arteology\u201c, Dr. Arkadasch Dag, Freie Universit\u00e4t Izmir, 1982<\/i>). Das Gemeinwesen definiert sich somit nicht mehr ausschliesslich \u00fcber verschiedene hierarchisch, patriarchale Abstufungen der (Bluts)-Verwandtschaft zueinander und \u00fcber die daraus sich im Laufe der Zeit entwickelten oder partizipatorisch \u00fcbernommenen Traditionen und Riten, sondern richtet erstmalig ihren Fokus auf intellektuelle Fragestellungen, auch wenn die Besch\u00e4ftigung damit ohne Zweifel den Eliten der Priesterschaft und der F\u00fchrungskr\u00e4fte vorbehalten war.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object-vorne-zeichnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-922\" alt=\"cult object, vorne, zeichnung, 1999, pitztal, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object-vorne-zeichnung-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Dies ging gleichzeitig mit einer bedeutenden Weiterentwicklung in der Formensprache als auch in der Kunst der Metallbearbeitung einher. Zum ersten Mal wurde hier im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Nordtiroler Raum<\/i> die F\u00e4higkeit nachgewiesen, zwei verschiedene Metallst\u00fccke mittels einer dauerhaften physikalisch-technischen Methode zu verbinden. Es handelt sich hierbei um einen Feuer- oder Hammerschweissvorgang, wie er bereits seit 1500 v. Chr. in <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Kleinasien<\/i> ausge\u00fcbt wurde und wiederum auf die <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Hethiter<\/i> und <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Sumerer<\/i> bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zur\u00fcckf\u00fchrbar ist. Dabei werden die im Feuer und unter Luftabschluss die beiden zu verbindenden Metalle in einen teigartigen Zustand gebracht und dann durch Hammerschl\u00e4ge miteinander verbunden. Dies erfordert grosses Gef\u00fchl durch die Handwerker, da es bei anf\u00e4nglich zu starken Hammerschl\u00e4gen zu einer Verprellung der zu verbindenden Teile kommt und somit eine Verbindung nicht mehr hergestellt werden kann. Das Eisen wird hierbei nicht aufgeschmolzen, sondern bei einer Temperatur von 1200 bis 1300 \u00b0 Celsius gef\u00fcgt. Vorbereitend muss im Schmiedefeuer darauf geachtet werden, dass bei den zu verbindenden Werkst\u00fccken der Luftabschluss gew\u00e4hrleistet bleibt, da ansonsten die Oberfl\u00e4chen oxidieren. Dieser Luftabschluss wurde durch eine stark reduzierende Flamme und feink\u00f6rnigen Flusssand erreicht, wobei dieser Sand schwer zu finden war, da er den richtigen Schmelzpunkt f\u00fcr den Verschweissungsvorgang aufweisen musste.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Mit dieser, erstmalig in <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Nordtirol<\/i> vorgefundenen Methode wurde bei den beiden <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i>, welche am Grabungsh\u00fcgel Nr. 4 im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztal<\/i> gefunden wurden, der jeweils linke \u201eArm\u201c der Verastung angef\u00fcgt. Ob davor eine serielle Fertigung der bisher \u00fcblichen Form der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i>, mit zwei \u201eArmen\u201c, bzw. einem gerundeten, innen offenen Dreieckskopfteil als Ausgangsbasis hergestellt wurde, l\u00e4sst sich zum gegebenen Zeitpunkt nicht belegen, gilt aber auf Grund der Einheitlichkeit der Form und Ausarbeitung des Griffst\u00fccks als sehr wahrscheinlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die bisherigen Fundungen von Cult-Objecten \u00fcberwiegend als donative Darbringungen in einem rituellen Umfeld interpretierbar&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/921"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=921"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/921\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":925,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/921\/revisions\/925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=921"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=921"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=921"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}