{"id":926,"date":"2015-01-13T23:07:49","date_gmt":"2015-01-13T21:07:49","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=926"},"modified":"2015-01-13T23:07:49","modified_gmt":"2015-01-13T21:07:49","slug":"pitztal-juli-oktober-1999-ausgrabungsprotokoll-155","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=926","title":{"rendered":"Pitztal, Juli &#8211; Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 15\/5"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die folgende Beschreibung wurde f\u00fcr das nord\u00f6stlich gelegene <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Object<\/i> der aus einer paarweisen Anordnung bestehenden dualen Gruppe von zwei <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i> im Detail angefertigt, gilt jedoch f\u00fcr den Bereich des Griffst\u00fccks auch f\u00fcr die s\u00fcdwestlich direkt angelegte H\u00e4lfte der beiden <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i>. Die genauen Unterschiede und deren exakte Abbildungen samt Beschreibung sind im \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischer Bericht der Arteologischen Expedition in den Raum Nordtirol (Republik \u00d6sterreich) der Freien Universit\u00e4t Izmir, Arteologisches Institut, Juli bis Oktober 1999<\/i>\u201c zu entnehmen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die mineralogische Zusammensetzung der verwendeten Metalle hat in der metallurgischen Analyse der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i> eine stimmige Fortsetzung der bisherigen Fundergebnisse im nordtirolerischen Alpenraum ergeben. Die dabei hergestellten Verh\u00fcttungsprodukte sind den \u00fcblichen Erzvorkommen des Alpenraums eindeutig zuordenbar und belegen eine kontinuierliche Verwendung von Metallen im allt\u00e4glichen Gebrauch der eingeborenen Menschen. Freilich ist festzustellen, dass \u2013 wie bei vielen rural dispositionierten und halbnomadischen V\u00f6lkern &#8211; die Verwendung von Metallen f\u00fcr situativ bedingte Ausnahmen (rituelle Handlungen, Zeremonien, tradierte Brauchtumsformen) \u00fcberwiegend zur Anwendung kam, w\u00e4hrend den \u00fcblichen Hauptwerkstoff, f\u00fcr nahezu jede denkbare Anwendung, heimische H\u00f6lzer lieferten. So wurden etwa bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts sogar Kamine und Rauchabz\u00fcge von offenen Haushaltsfeuerstellen nach wie vor aus L\u00e4rchenholz hergestellt. Ebenso wurden Haushaltsgegenst\u00e4nde wie K\u00e4mme, Kochutensilien, Spielzeug, aber auch ganze landwirtschaftliche Maschinen und\/oder mechanische Teile (Dreschmaschinen, M\u00fchlen, Butterf\u00e4sser etc.) aus Holz hergestellt. Wie wichtig dieser einheimische Werkstoff f\u00fcr die eingeborene Bev\u00f6lkerung war und ist, zeigt sich in der Architektur und im Baustil Nordtirols, aber auch des gesamten Alpenraums (der klimatisch, vegetativ betrachtet eine einheitliche Bewuchszone darstellt). Die Wertigkeit dieses Rohstoffes verdeutlicht sich noch heute in vielen Familien-und Ortsnamen: Holzer, Holzmann, H\u00f6lzl (= Verkleinerungsform), Jungholz, Rotholz \u2026<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Metall und seine verarbeiteten Formen waren daher zwar allgemein bekannt, aber abgesehen von wenigen metallenen Gegenst\u00e4nden in der Haushaltsf\u00fchrung (Messer, Werkzeuge), geh\u00f6rte ihr Besitz nicht zum leistbaren Allgemeingut. Dies dr\u00fcckt sich auch durch die k\u00fcnstlerische Kontinuit\u00e4t in der Formensprache der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i> aus, die nun bereits \u00fcber mindestens acht Generationen hinweg eindeutig kultischen Charakter aufweist und somit im Gebrauch der Priesterschaft und ihren rituellen Szenerien vorbehalten war. Die Formsprache findet zwar ihre Entsprechung in vereinfachter Weise in h\u00f6lzernen, kopiehaften Anlehnungen, wie sie heute noch in diversen Zierschnitzereien von Balkonen und Balustraden im Nordtiroler Raum weit verbreitet sind, verm\u00f6gen aber nicht jene formsprachliche Grundlage auszubilden, welche die Grundvoraussetzung f\u00fcr einen eigenen artifiziellen Ansatz begr\u00fcndet. Da im gegebenen Fall keinerlei dauerhafte okkupative Beherrschungsformen nachweisbar sind, ist von einer weitestgehend friedlichen, wohl durch transistale Beeinflussung entstandene \u00dcbernahme und Aneignung dieses kunsthandwerklichen Wissens auszugehen. Dass dabei fahrende H\u00e4ndler und Handwerker die notwendigen Impulse setzten und in Folge Niederlassungen transistal wandernder Clans im Zuge zu einer vorerst wohl lediglich geduldeten Koexistenz mit nichteingeborenen Siedlern f\u00fchrte, die erst in weiterer Generationsfolge sich in einer akzeptierten Elitenbildung dieser Einwanderergruppen niederschlug erscheint auf Grund der vergleichenden Analysen mit dem Wissenstand metallverarbeitender V\u00f6lker als zwingend. Die technischen und handwerklichen Parallelen zum norditalienischen und helvetischen Kulturbereich (Grossraum <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Etrurien\/Italien<\/i>, Grabungsst\u00e4tten rund um <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Mezzovico-Vira<\/i> [CH] und <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arbedo-Castione<\/i> [CH]) sind zeitlich eindeutig und augenscheinlich. Somit ist auch in diesen Fall von keiner origin\u00e4ren Leistung der eingeborenen nordtiroler Bev\u00f6lkerung auszugehen, vielmehr handelt es sich um eine transistal bedingte \u00dcbernahme von urspr\u00fcnglich kulturfremden Zivilisationstechniken. Die soziologische und kulturelle Grundstruktur der pitztaler Bev\u00f6lkerung wurde daher nachweislich durch eine transistale Implementierung von nichteingeborenen Eliten dauerhaft gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object-rueckansicht-zeichnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-927\" alt=\"cult object, rueckansicht, pitztal 1999, dr.arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult-object-rueckansicht-zeichnung-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Jedes der beiden <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i> besteht aus einem flachen, stark eisenhaltigen Grundblech in einer Materialst\u00e4rke von durchschnittlich 2,3 bis 2,4 mm und ist insgesamt in Form eines grossen \u201eT\u201c ausgebildet. Die Gesamtl\u00e4nge diese liegenden \u201eT\u201c betr\u00e4gt 68,02 mm und der zwigestaltete Querbalken ist insgesamt 89,10 mm breit. Die abgerundete Basis des mit einer 5 mm Aufbohrung versehenen Griffst\u00fccks hat eine Breite von 15, 19 mm und verj\u00fcngt sich nach oben hin bis zu einer L\u00e4nge von 50,01 mm auf ihren schmalsten Teil von 11,15 mm. Ab da verstrebt sich das Griffst\u00fcck V-f\u00f6rmig jeweils nach aussen, um die zwei unterschiedlichst gestalteten Querteile zu formen. Die linke Verastung wird dabei durch ein 43,27 mm langes Rundmetall (Durchmesser 7,50 mm) gebildet, das an seinem zum Griffst\u00fcck hin f\u00fchrenden Anschlussteil nach 26,50 mm im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Hammerschweissverfahren<\/i> an die dortige Verstrebung des Griffst\u00fccks angeschmiedet wurde. Dadurch konnte auch lediglich die linke H\u00e4lfte des zweiwelligen Flachst\u00fccks beibehalten werden, welches bei den bisherig vorgefundenen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i> eine verwendbare operative Werkzeugssystematik gew\u00e4hrleistete. Der Wellenkamm dieses Flachst\u00fccks erhebt sich nach 5,31 mm, gemessen vom unteren Kantenpunkt der runden Querstrebe und findet im nachfolgenden 5,10 mm langen Wellental seinen \u00dcbergang zur linken Verastung. Ein handwerklicher Einsatz dieser Ger\u00e4tschaft erscheint damit verunm\u00f6glicht. Somit haben wir es erstmalig mit einer gewollten Weiterentwicklung zu ausschliesslich artifiziellem Gebrauch zu tun, die fernab einer logischen allt\u00e4glichen Verwendbarkeit den Schluss einer rein kultisch bedingten Nutzung nahelegt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die rechte Verastung besteht aus einer nachbearbeiteten, gedrehten Verformung, welche mit Hilfe von Hitze (Feuerungsspuren) vorgenommen wurde. Die leicht nach oben weisende Verformung erreicht nach 17,94 mm (gemessen ab dem Anschlusspunkt zum flachst\u00fcckigen Wellental) ihren Scheitel und endet nach weiteren 14,95 mm in einem abgeflachten Endst\u00fcck (Querriss 6,55 mm). Die nach unten, zum Griffst\u00fcck hin, ausgebildete 4,51 mm breite Lasche kann zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt lediglich spekulativ bewertet werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die mittels Ritztechnik in das Griffst\u00fcck eingebrachten schriftartigen Zeichen entsprechen ident den letzten im <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Nordtiroler Raum<\/i> gefunden Ritzungen auf <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecten<\/i>. Dabei ist von einer durch handwerkliche Routinen gefestigten Kopiertechnik auszugehen, da weder in der Formgebung noch in der technischen Ausf\u00fchrung diesbez\u00fcglich auf Fortentwicklung oder bewusste Innovation zu schliessen ist. Vielmehr wird dadurch der tradierende Ansatz ritueller Vorgaben betont, der \u2013 bei aller augenscheinlichen Ver\u00e4nderung der Verastungen \u2013 eine formimanente Gr\u00f6sse darstellt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcckansicht der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cult-Objecte<\/i> weist die bereits typische, an den R\u00e4ndern durchgehende Materialversteifung durch eine bewusste Eindrehung der Kanten in abgerundeter Form auf. Die dadurch erreichte Versteifung der Gesamtform verhilft zu einer gr\u00f6sseren, optischen Plastizit\u00e4t und unterst\u00fctzt dabei die insgesamte \u00e4sthetische Ausgewogenheit der Objekte und neutralisiert die ansonsten doch vordergr\u00fcndig grobe Gestaltung der beiden Verastungen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Oberfl\u00e4chen weisen eine klare Trennung in ihrer Behandlung auf. W\u00e4hrend die Griffst\u00fccke sowohl an ihrer gerundeten Vorderseite als auch an der nach innen gebogenen R\u00fcckseite sorgf\u00e4ltig gegl\u00e4ttet wurden, kann lediglich am nachtr\u00e4glich angebrachten linken Rundmetallteilst\u00fcck eine Feinverschleifung festgestellt werden. Der rechte Arm der Verastung wurde hingegen nach seiner durch Drehung erfolgten Verformung keinerlei verfeinernden Bearbeitung mehr unterzogen, sondern stellt in seiner Ungeschliffenheit einen bewusst gesetzten Kontrapunkt im Gesamtensemble dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgende Beschreibung wurde f\u00fcr das nord\u00f6stlich gelegene Cult-Object der aus einer paarweisen Anordnung bestehenden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=926"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":928,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions\/928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}