{"id":967,"date":"2015-03-12T23:58:06","date_gmt":"2015-03-12T21:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=967"},"modified":"2015-03-12T23:58:06","modified_gmt":"2015-03-12T21:58:06","slug":"pitztal-juli-oktober-1999-ausgrabungsprotokoll-225","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=967","title":{"rendered":"Pitztal, Juli &#8211; Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 22\/5"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dieser Mangel an aussagekr\u00e4ftigen Zusatzfundungen, der insgesamt die spezifische Zuordenbarkeit der beiden humanoiden Funde sowohl in der chronologischen Amplitude innerhalb eines arteologischen Zeitgef\u00fcges, als auch im jeweiligen individuellen Soziet\u00e4tsgef\u00fcge erschwert, artikulierte sich in entsprechenden Fragestellungen und theoretischen Ans\u00e4tzen, welche nachhaltig erst mit der tats\u00e4chlichen Verifizierung der Erstdiagnose von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Dr. Armin Lengauer<\/i> und der zeitlichen Zuordnung in die Epoche der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen Zeit<\/i>, beendigt werden konnten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerade diese Besonderheit des Fehlens jeder weiterf\u00fchrenden arch\u00e4ologischen und\/oder arteologischen Fundungen charakterisiert in aller Deutlichkeit die Besonderheit dieser <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler<\/i> Ausgrabungen. Abgesehen von der artifiziell erzeugten Sch\u00fcttung eines Schotterbettes aus gewaschenen Kieseln und einer rechteckigen Einfriedung aus Trockenmauern konnten keinerlei weitere bauliche oder durch regelm\u00e4ssigen Gebrauch erzeugten Hinweise und\/oder Spuren einer spezifischen Nutzung in oder an dieser Fundstelle entdeckt werden. Weder gibt es eindeutige \u00dcberreste von Zugangspfaden, Wegen oder gar vorplatzartigen Bauwerken, die in irgendeiner Weise auf die origin\u00e4re Verwendung dieses Mauergeviertes hindeuten, noch sind sonstige Spuren erhalten, die zumindest einen indirekten Hinweis auf etwaige Nutzungen erlauben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es gilt daher bis auf weiteres die monoformale Gestaltung und Ausarbeitung dieser Fundstelle mitsamt den beiden humanoiden Fundungen auf ihre reine arteologische Beschreibung zu beschr\u00e4nken und jede hypothetische Interpretation in den Bereich der Spekulation zu verweisen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Das trockengemauerte Geviert erstreckt sich \u00fcber sieben Meter abfallend zum Ufer des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Grillerbachs<\/i> und weist eine Breite von 3,5 bis 3,7 m in west-\u00f6stlicher Richtung auf. Die westliche L\u00e4ngsmauer konnte nahezu unbesch\u00e4digt freigelegt werden, lediglich im Bereich der Mauerkrone, die mittels abgeflachter und unbehauener Steinplatten gebildet wurde, sind vereinzelte Besch\u00e4digungen feststellbar. Der \u00f6stliche Mauerbereich hingegen besteht nur mehr aus wenigen Fundamentresten, die jedoch eindeutig den urspr\u00fcnglichen Mauerverlauf wiedergeben. Durch das Fehlen dieser Mauerung erfolgte im Laufe der Zeit eine nat\u00fcrliche Verflachung der Schottersch\u00fcttung in \u00f6stlicher Richtung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die beiden humanoiden Fundst\u00fccke waren in einem Abstand von wenigen Zentimetern derart abgelegt, dass sich daraus bildlich die urspr\u00fcngliche Stellung der Finger an einer gesamten linken Hand nachvollziehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/mittelfingervorne.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-968\" alt=\"humanoider fund, finger nr. 3, aussen, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/mittelfingervorne-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Beim <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Finger Nr. 3<\/i> handelt es sich um einen weiblichen Mittelfinger, der professionell an der Fingerwurzel von der restlichen Hand post mortem, unter Verwendung einer scharfen Klinge oder einem axt\u00e4hnlichen Instrument in einem Zug abgetrennt wurde. Die Schnittstelle ist sowohl im gesamten Bereich der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Cutis<\/i>, als auch im darunterliegenden Gewebe fransenfrei und unperforiert. Der \u00dcbergang zum skelettalen Schnitt ist lediglich strukturell erkennbar und weist keinerlei Ans\u00e4tze f\u00fcr einen weiteren mechanischen Abtrennungsvorgang auf. Die Amputation post mortem wurde folglich mit der notwendigen anatomischen Kenntnis fachgerecht vollzogen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Gesamtl\u00e4nge dieses Mittelfingers betr\u00e4gt 7,27 cm, gemessen von der Schnittstelle an der Fingerwurzel bis zur Rundungskuppe des bestens erhaltenen Fingernagels. An seiner breitesten Stelle misst der Finger an der Abtrennungsstelle 1,49 cm, w\u00e4hrend die Breite des Fingernagels, gemessen am Nagelbett 0,82 cm betr\u00e4gt. Die L\u00e4nge des Fingernagels, der deutliche Hinweise auf permanente Pflege zeigt, betr\u00e4gt 1,26 cm. Die L\u00e4nge des letzten Fingergliedes misst bis zum Gelenksbeginn 2,90 cm, der Abstand von der Fingerspitze bis zum zweiten Fingergelenk betr\u00e4gt 4,79 cm und das letzte Fingerglied (ohne jeden Gelenksteil) weist eine L\u00e4nge von 2,20 cm auf.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/finger-nummer-3_innen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-969\" alt=\"humanoider fund, finger nummer 3, innen, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/finger-nummer-3_innen-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Ansicht der handinnenliegenden Seite dieser Extremit\u00e4t ergibt bei einer Messung ab Schnittstelle bis zur Fingerkuppe (wobei hier der \u00fcberstehende Rand des Fingernagels ausser Acht gelassen wurde) eine L\u00e4nge von 7,02 cm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die gesamte Oberfl\u00e4che (sowohl von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Finger Nr. 3<\/i> als auch von <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Finger Nr. 4<\/i>) wurde von einer zwischen 0,8 mm bis zu 1,3 mm starken Kalkschicht bedeckt, die nachweislich auf die Einbettung in die Kieselsch\u00fcttung r\u00fcckf\u00fchrbar ist und sich erst im Laufe der Lagerung allm\u00e4hlich in einem nat\u00fcrlichen Prozedere entwickelt hat. Auf Grund der mineralogischen Analysen dieser Schicht und deren Abgleichung mit den Ergebnissen der forensischen Untersuchungen der verwendeten Mumifizierungsmethoden der beiden Extremit\u00e4ten kann gefolgert werden, dass es sich dabei um eine bewusste und beabsichtigte Vorgangsweise gehandelt hat, um dergestalt eine dauerhafte Konservierung der beiden humanoiden Fundst\u00fccke sicher zu stellen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Beide Fundst\u00fccke wurden nach derselben Art und Weise formerhaltend pr\u00e4pariert. In einem ersten Schritt erfolgte dabei eine Dehydration mittels thermischer Austrocknung in Form einer indirekten, l\u00e4nger andauernden pyrotechnischen Lagerung. Reste von extern aufgetretenen Verbrennungsvorg\u00e4ngen in relativer Objektn\u00e4he wurden mehrfach nachgewiesen. Die H\u00e4moglobinmessung belegt dabei eine senkrechte Lagerung im erweiterten Randgebiet einer Feuerungsstelle, wobei das offene Ende der Schnittstellen nach oben zeigte, um derart den Austritt von Feuchtigkeit zu gew\u00e4hrleisten. Dieser Vorgang d\u00fcrfte mehrere Wochen beansprucht haben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der eigentliche Pr\u00e4parationsprozess erfolgte sodann in mehreren Stufen: zuerst wurden die Finger in eine stark salzhaltige L\u00f6sung eingelegt und sodann einer weiteren Trocknung an der Sonne unterzogen, wie die pigmentalen Ver\u00e4nderungen in der Textur der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Epidermis<\/i> belegen. Im n\u00e4chsten Schritt erfolgte die Einbringung von \u00fcberwiegend mineralischem Strukturmaterial (einem Gemisch aus 85 % Gips und 15 % Kiefernharz) um unerw\u00fcnschte Schrumpfungsprozesse zu unterbinden. Die Schnittstelle selbst wurde gleichfalls mit diesem Strukturmaterial hermetisch abgedichtet, wobei hier eine zus\u00e4tzliche Schicht aus Kiefernharz und Pottasche eine hydrophobe Abdichtung gew\u00e4hrleistet. Abschliessend wurden die beiden Extremit\u00e4ten in einem doppelgereinigten Harzbad im Tauchverfahren mehrfach beschichtet und eingeh\u00e4rtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Mangel an aussagekr\u00e4ftigen Zusatzfundungen, der insgesamt die spezifische Zuordenbarkeit der beiden humanoiden Funde sowohl&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/967"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=967"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":970,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/967\/revisions\/970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}