{"id":989,"date":"2015-04-05T17:56:11","date_gmt":"2015-04-05T15:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=989"},"modified":"2015-04-05T17:56:11","modified_gmt":"2015-04-05T15:56:11","slug":"pitztal-juli-oktober-1999-ausgrabungsprotokoll-234","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=989","title":{"rendered":"Pitztal, Juli &#8211; Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 23\/4"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i>\u201c \u2013 so der exakt definierte arteologische Name dieser Steinritzungen \u2013 unterscheiden sich zueinander lediglich in ihrer Dimensionierung und der mechanisch-handwerklichen Ausf\u00fchrung, wobei hier, bedingt durch unterschiedliche Grade klimatologischer und\/oder botanischer Abnutzungserscheinungen, die jeweiligen Beschreibungen sich einzig an den momentanen Jetztbefund halten k\u00f6nnen, ohne davon letztendlich g\u00fcltige Aussagen auf das urspr\u00fcngliche Erscheinungsbild ableiten zu k\u00f6nnen. Selbst die genaue Datierung der Felsritzungen kann lediglich mit dem <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen<\/i> <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Zeitalter<\/i> eingegrenzt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Alle f\u00fcnf vorgefundenen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler<\/i>&#8211;<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Sonnenr\u00e4der<\/i> sind in ihren gestalterischen Elementen konform konzipiert und ausgef\u00fchrt. Die Ritzungen erfolgten mittels der Stein-zu-Stein-Technik: dabei wird zuerst das gesamte Motiv mit Holzkohle oder farbiger Rinde auf den ausgew\u00e4hlten Stein \u00fcbertragen um anschliessend mit verschiedenen Steinen im Kratzverfahren bis zur gew\u00fcnschten Tiefe und Form eingekerbt zu werden. Dabei wird mit grobkantigen Handkieseln zuerst die Rohform herausgearbeitet um dann sukzessive mit immer feiner texturierten Steinen und unter Beimengung von Wasser das letztendliche Aussehen zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Drei der f\u00fcnf <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> wurden auf senkrecht stehenden Felsbrocken angebracht, wobei zwei davon in \u00fcber drei Metern H\u00f6he angebracht wurden. Beim dritten senkrecht angebrachten <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenrad<\/i> muss aufgrund der Bodenanalyse davon ausgegangen werden, dass sich dieses Abbild urspr\u00fcnglich gleichfalls in \u00dcbermannsh\u00f6he befunden hat, da die Bodenbeschaffenheit hier auf \u00fcber 1,5 m aus angeschwemmten Schottern und einer darauf liegenden Humusschicht die nicht \u00e4lter als 100 bis 130 Jahre alt ist, besteht. Die organischen Einschl\u00fcsse der Schotterschicht belegen, dass diese Schwemmschichten in ihrer \u00e4ltesten Schicht nicht \u00e4lter als 500 Jahre sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/frottagen-pitzstein-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-990\" alt=\"pitztaler_sonnenrad, frottage, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/frottagen-pitzstein-2-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Der Kreisdurchmesser betr\u00e4gt bei allen f\u00fcnf vorgefundenen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4dern<\/i> zwischen 27,5 cm und 29,1 cm. Die Ausf\u00fchrung belegt eine sehr pr\u00e4zise Einhaltung der Kreisrundung und damit verbunden ein hohes Mass an handwerklichem K\u00f6nnen. Zudem wurde selbst bei nat\u00fcrlichen mineralischen Fremdeinschl\u00fcssen und dadurch bedingten kleinr\u00e4umigen Verwerfungen die exakte Linienf\u00fchrung sehr genau eingehalten. Jedes der f\u00fcnf <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler\u2013Sonnenr\u00e4der<\/i> wird in acht gleichgrosse Kreissegmente aufgeteilt, deren Spitzen sich im gedachten Kreismittelpunkt treffen. Die gesamten Kerbungen weisen eine durchschnittliche Breite zwischen 8 und 9 mm auf und eine Tiefe zwischen 0,5 und 6,1 mm. Diese Bandbreite ergibt sich aus den unterschiedlichen Verwitterungs- und Erosionsszenarien, die nicht nur fl\u00e4chig die gesamte Oberfl\u00e4che der <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> \u00fcber die Jahrhunderte in Mitleidenschaft zogen, sondern gleichzeitig auch die Kanten der Kerbungen abrundeten oder gar stellenweise absprengten (Frostabsprengungen).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die zwei horizontal ausgef\u00fchrten <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> weisen auf Grund ihrer Ausrichtung einen wesentlich h\u00f6hren Grad der Abnutzung auf und sind stellenweise lediglich noch mit Hilfe des Frottagierungsverfahrens erkenntlich. Bei beiden dieser <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> zeigt eine Speichenachse, die zudem zus\u00e4tzlich vertieft ausgef\u00fchrt wurde, in die Nord-S\u00fcd-Richtung. Die Verortung der drei vertikalen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> erschliesst ein gleichschenkeliges Dreieck mit einer Schenkell\u00e4nge von 126,7 m und zeigt mit seiner Spitze gleichfalls gegen S\u00fcden. Die Basislinie verl\u00e4uft von West nach Ost und wird durch die beiden horizontalen <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitztaler-Sonnenr\u00e4der<\/i> in vier weitestgehend idente Streckenabschnitte geteilt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Vermutungen, dass es sich bei dieser Anordnung um eine kultische Anlage handelt liegen nahe, konnten jedoch bis Dato arteologisch nicht bewiesen werden. Gleichwohl bedingt die durchdachte und exakte Ausf\u00fchrung dieser Felsritzungen und deren geometrische <span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0<\/span>Umsetzung in der Landschaft eine bewusste Absichtlichkeit, die in ihrer Sinngebung eine gewollte Planung impliziert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Prof. Ernest Schuster<\/i> spricht in diesem Zusammenhang von einem sp\u00e4tsteinzeitlichem Brotkult, der zeitlich mit den Anf\u00e4ngen der Sesshaftigkeit, bzw. dem Beginn einer halbnomadischen Siedlungsform einhergeht. Laut <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Schuster<\/i> wird dieser Ansatz kausal durch die etymologische N\u00e4he des Wortes \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Pitze<\/i>\u201c zu \u201ePita\u201c (griechisch) und \u201ePizza\u201c (ital., lateinisch) best\u00e4rkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201ePitztaler-Sonnenr\u00e4der\u201c \u2013 so der exakt definierte arteologische Name dieser Steinritzungen \u2013 unterscheiden sich zueinander&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/989"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=989"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/989\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":991,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/989\/revisions\/991"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}