Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 12
Texturale Analyse der Oberfläche des keramoiden Funds Nummer 1, Juli 1985, Fundort. Grabungsstelle Stubaital:
Die Gesamtform des Fundobjekts Nummer 1 besteht aus einer hohlschaligen Gestaltungsrundung mit einem Aussendurchmesser an seiner breitesten Stelle von 125,5 mm. Die Aussenrundung weist dabei eine ellipsoide Halbrundung (nach aussen gebogen) auf und gibt der Form insgesamt eine absolute Höhe von 66 mm. An der Oberansicht (?) wird die Gesamtoberfläche von einer kreisrunden Öffnung mit einem Innendurchmesser von 89 mm aufgebrochen und gibt den Blick in das Innere dieser Gefässform frei.
In der Innenseite birgt diese Gefässform einen kegelförmigen Höcker, der, aufragend von der Bodengestaltung des Gefässes in seiner Basis zwar kreisrund gestaltet ist, sich nach oben hin jedoch zu einem 33 mm hohen regelmässigem Kegel formt.
Das keramoide Material aus welchem – wohl unter Zuhilfenahme einer Art von Töpferscheibe – diese Gefässform in einer regelmässigen Rundheit geformt wurde, weist eine durchschnittliche Wandstärke von 3,5 bis 4,5 mm auf, wobei die Sichtkanten generell einer Stärke von 4 mm entsprechen.
Im röntgenologischen Sichtverfahren wurden keinerlei Einschlüsse von weiteren Materialien festgestellt.
Es fehlen auch Hinweise auf den Ort der Herstellung. So wurden weder symbolhafte Signaturen noch lokalspezifische Ritzungen oder im Nasstonverfahren eingefügte Keilzeichen bzw. Herkunftsstampiglien entdeckt. Selbst im digitalisierten Bildgebungsverfahren wurden unter der doppelten Glasurschicht keinerlei derartig spezifische Hinweise vorgefunden.
Die Materialanalyse hat eindeutig ergeben, dass es sich bei den verwendeten Tonerden um typische Materialien aus der Gegend von Ravenna handelt, wobei hier die örtliche Zuordnung zu speziellen Lehm- oder Tongruben lediglich eine topografische Genauigkeit von 50 km ² ergab. Durch die verwendeten Glasurmaterialien (eine dreifach Glasur im Brandverfahren; wobei die erste Glasur lediglich der Oberflächenfestigung diente und erst die beiden darauffolgenden Glasurbrände der Farbgebung dienten), welche im Nassverfahren aufgetragen wurden, erfolgte eine Kontaminierung des verwendeten Tonmaterials, die zu einer chemischen Verschmelzungsreaktion bei den nachfolgenden Glasurbränden führte, welche zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine eindeutige Herkunftszuordenbarkeit ausschliessen.
Die Farbgebung des letzten Glasurbrandes erfolgte mit einer Mischung aus Ocker- und Rottönen, die durch den Brandprozess zu einem emailhaften Orangeton verschmolzen.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit erfolgte dieser Glasurauftrag nicht im Tauchverfahren, da am inneren Gefässrand (4 mm) das ursprüngliche Weiss des ersten Festigungsbrandes (wahrscheinlich bewusst) sichtbar erhalten wurde. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um ein ästhetisch gewähltes Gestaltungselement der Kunsthandwerker handelte.
Die Form insgesamt war wasserdicht.
Die Unteransicht (?) trägt die Negativform der Oberansicht: in einer regelmässig runden „Kraterform“, welche eine Tiefe von 39 mm aufweist, spiegelt sich der höckerförmige Kegel der Oberansicht (?) wider.
Auch hier wurde der obere Rand (oder auch Stellrand) in der Gestaltung des Festigungsbrandes (weiss) wiederholt. Die nach unten sich verjüngende „Innenwand“ weist einen Glasurfehler des letzten Glasurauftrages auf, was wiederum wesentlich die Annahme unterstützt, dass es sich bei dieser Ansicht tatsächlich um die Unteransicht des Gefässes handelt.
Die insgesamte Höhe dieses keramoiden Gefässes (keramoider Fund 1, Team „Stubaital“) beträgt in rekonstruierter Form 66 mm.