Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 4

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 4

Die erste dieser Erkundungswanderungen wurde von Dr. Arkadasch und vieren seiner Doktoransinnen und Doktoranden im Juli 1987 begonnen. Dabei wurde zuerst das notwendige wissenschaftliche Equipment für die arteologischen Anamnesen am Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir Forschungstauglich in metallene Kisten verpackt und anschliessend im Privatkraftfahrzeug von Dr. Arkadasch verstaut. Die Erkundungstruppe traf sich am 28. Juni 1987 am Fährhafen von Istanbul, buchte aus finanziellen Gründen Deckpassage auf dem Fährschiff Kemal I und erreichte nach einer problemlosen Dreitages-Passage am Abend des 31. Juli 1987 Genua. Von dort reiste Dr. Arkadasch mit seinem Pkw nach Landeck in Nordtirol und wartete hier in der Jugendherberge auf die Ankunft seiner Begleiter, welche per Bahn und Bus aus Genua anreisten.

karte wanderung 1 und 2, 1987, dr. arkadasch, arteologieDiese erste Wanderung sollte von Landeck aus beginnend, dem Inn folgend bis kurz vor der Ortschaft Prutz gehen, um dann in das Kaunertal abzuschwenken und dort über die Weiler Kauns, Nufels, Feichten über Rodelswald bis zum Gepatschstausee und anschliessend westwärts das Tal des Fissladbaches zu erkunden.

Diese eineinhalb Tage nützte Dr. Arkadasch um sich persönlich vor Ort über die Reisebedingungen und Unterkünfte zu erkundigen, welche er bisher nur fernschriftlich, brieflich oder per Telefon avisiert hatte. Mit seinem Pkw fuhr er deshalb – soweit dies routenmässig machbar war – die zu erkundende Strecke ab und nahm mit den zuständigen Herbergsmüttern und- vätern persönlichen Kontakt auf. Gleichzeitig hinterlegte er an den Herbergsplätzen sperriges Reisegepäck sowie diverses wissenschaftliches Gebrauchsmaterial (Fotofilme, Literatur, Wanderkarten, Schreibmaterial etc.) um das eigentliche Erkunden per pedes so effizient wie möglich für die Gruppe bewerkstelligbar zu machen. Ein erster Reiseeindruck der eingeborenen Bevölkerung liess Dr. Arkadasch auf einen eklatanten Jodmangel in der Ernährung der Menschen dieser Talschaft schliessen, da er ein häufiges Auftreten von Struma, einer tastbaren, sichtbaren oder messbaren Vergrösserung der Schilddrüse, bemerkte. Bei weiteren diesbezüglichen Beobachtungen stellte Dr. Arkadasch zudem fest, dass in prozentuellem Ausmasse gesehen eine hohe intellektuelle Minderbeschaffenheit innerhalb der indigenen Völkerschaft dieses Tales manifest ist, welche einen primären Mangel an Jod als untergeordnete Symptomatik diagnostiziert, während die theoretische Wahrscheinlichkeit von inzestiösem Paarungsverhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit indiziert erscheint. Dies drückte sich auch in einer Art verhaltenem Balzritual aus, welches insbesondere von weiblichen Eingeborenen ab der Altersstufe von plus/minus vierzig Lebensjahren häufig gegenüber talfremden Personen zu beobachten ist. Selbst die andernorts regelmässig auftretende Scheu oder gar Inakzeptanz von fremdsprachigen und/oder einem anderen Kulturkreis angehörenden männlichen Personen ist hier in relativ hohem Ausmasse bei derartigen weiblichen Personen nicht feststellbar. Umgekehrt ist dieses Ablehnungsverhalten jedoch bei allen männlichen Personen ab dem 14en Lebensjahr sehr stark ausgeprägt, so dass lediglich eine reine monetäre Beziehung möglich scheint, die lediglich in Ansätzen noch Reste der Traditionen der Gastfreundschaft beinhaltet, im überwiegenden Ausmass jedoch als extrem touristisch definiert werden muss.

Daraus folgte, dass Dr. Arkadasch seinen wissenschaftlichen Begleitern einen rigiden Verhaltenskodex im Umgang mit der eingeborenen Bevölkerung auferlegte, um so möglichst reibungslos die arteologischen Erkundungen durchführen zu können. Interessant in diesem Zusammenhang erscheint auch die Tatsache, dass ein derartiges Verhalten der eingeborenen Bevölkerung zwar auch im Gebiet des Inntals, des Wipp- und Stbaitales zu beobachten war, die Ausformung dieser Erscheinungen jedoch nicht in einer fast schon als feindselig wirkenden Skepsis zu Tage trat.