Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 13
Der Sommer ist in den alpinen Regionen Europas die Hauptniederschlagszeit.
Nordtirol gehört der gemässigten Klimazone an und liegt im Grenzbereich zwischen atlantischem, kontinentalem und mediterranem Einfluss. Vorherrschend für Nordtirol ist das inneralpine Gebirgsklima, welches subkontinentale Züge aufweist. Relativ Die Sommer sind relativ feucht, der Herbst eher trocken und der Winter kann durchaus schneereich sein. Insgesamt jedoch prägen starke lokale Unterschiede diesen Klimatypus.
Kettengebirge (wie sie für die Nordtiroler Kalkalpen typisch sind) stellen oftmals klar definierte Wasserscheiden dar, während bei isolierten Gebirgsstöcken die Luftströmungen ausweichen können und somit zu andersartigen Wetterlagen beitragen. Die nördlichen Tiroler Kalkalpen bestehen vor allem aus Gebirgsketten, an deren oben beschriebenen Staulagen es zu häufigem Niederschlag kommt. Die Leeseiten sind meist mild und trocken. Nordtirol steht wie ganz Mitteleuropa unter dem Einfluss der Westwetterzone, daher ist der nördliche Alpenrand am feuchtesten und schneereichsten.
Die inneralpinen Täler haben ein vergleichsweise mildes Klima aufzuweisen. Während die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Reutte noch 1.375 mm, am Nordrand des Karwendelgebirges etwa 2.000 mm und in Kufstein 1.330 mm beträgt, sind es um Innsbruck um die 900 mm und im obersten Inntal nur 600 mm. Prägend für die inneralpinen Täler sind auch große Tagesamplituden der Temperatur; so liegt das mittlere Tagesmaximum im Juli für Innsbruck mit 25,1 °C höher als das der meisten anderen Wetterstationen Österreichs.
jahresniederschlagsmengenGrossen Einfluss auf die Temperaturen hat die mittlere Höhe von Nordtirol. Bis auf die Umgebung von Kufstein liegen alle Siedlungen über 500 m.ü.M.. Das Gebirge verringert die mögliche Sonneneinstrahlung, besonders in den schmalen Nord-Süd-Tälern wie dem Ötztal (vgl. dazu:Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 2) und dem Pitztal.
Der Winter ist meist geprägt vom Wechsel zwischen schneereichen und schneearmen Witterungen. In den nördlichen Landesteilen (Unterland, Ausserfern-Lechtal und Karwendelgebiet) sind dicke Schneedecken von 50 cm und mehr auch in Lagen unter 1000 m Seehöhe aufgrund des Nordstaueffektes, dessen Wirkung bei Kaltfronten besonders stark ausgeprägt ist, keine Seltenheit. Inneralpin schneit es bei solcher Witterung wenig bis gar nicht. Umgekehrt sind inneralpin gerade bei Eintreffen von Warmfronten grössere Niederschlagsmengen möglich. Da die Niederschläge aufgrund der dann milderen Witterung in tieferen Lagen vielfach als Regen fallen, kommt es gerade im Oberinntal weitaus seltener zu einer dicken Schneedecke. So kommt es häufig vor, dass in Landeck und Innsbruck weniger Schnee liegt als in Wörgl oder Kufstein. Das Frühjahr ist im Alpenraum meist sehr unbeständig und regenreich, es kann zu Kälteeinbrüchen kommen. Im Sommer fällt der meiste Regen durch Gewitter. Der Herbst zeichnet sich oft durch lange Schönwetterperioden aus. Ein besonderes Wetterereignis ist der Föhn, der vor allem in den Übergangsjahreszeiten auftritt, am Patscherkofel Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h und in Innsbruck bis zu 120 km/h erreichen kann und selbst im Spätherbst und Vorfrühling Temperaturen von über 20 °C möglich macht.
Es war daher von besonderem Vorteil, dass das Expeditionsteam um Dr. Arkadasch auf die Erfahrungen der drei bisherigen Expeditionen im Raum Nordtirol zurück greifen konnte, um so vorab für den zu erwartenden regenreichen Sommer bestmöglichst gerüstet zu sein. Zudem erforderte die direkte Lage in und am Flussbett des Flusses Lech eine zusätzliche Sicherung gegen kurzzeitige Hochwässer auf Grund von Gewittern, damit weder Personal noch Grabungsgelände durch die jäh auftretenden Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dies bedingte zum einen eine stark verankerte und durch tiefbödige Kernfundamentierungen gefestigte Einzäunungen, welche auch starkströmigen Wasserverläufen standzuhalten vermochten, und zum anderen die generelle Absicherung des Grabungsgeländes und des Lagerbereiches durch Wassergräben und Ablaufgerinne. Nur etwa die Hälfte dieser Arbeiten konnte unter Zuhilfenahme von schwerem Gerät (Bagger) bewerkstelligt werden, ansonsten war Manneskraft und händisches Arbeiten notwendig. Diese unerlässlichen – und wie sich zeigen sollte unbedingt notwendigen – Sicherungsmassnahmen wurden innerhalb von zehn Arbeitstagen umgesetzt. Zeitgleich wurde eine eigene Zufahrt in den Grabungsbereich und ins Lager trassiert.