Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 14/2
Der erste Grabungserfolg ist immer die beste Motivation für eine Expedition. Und hier vor allem für das vor Ort angeheuerte eingeborene Hilfspersonal. Nichts führt zu einer besseren Identifikation mit den Expeditionszielen als eine relativ rasch auftretender Fundsituation. Die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeitsleistung wird dadurch augenscheinlich, fördert die Bereitschaft zu konzentrierter und anleitungsgemässer Arbeit und schafft innert der Gruppe ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und verleiht zudem der eigenen Tätigkeit jene Bedeutung, die in weiterer Folge im kommunikativen Austausch mit der einheimischen Bevölkerung im den dem Grabungsgebiet angrenzenden Siedlungsbereich, für Anerkennung der wissenschaftlichen Arbeit sorgt und gleichzeitig insgesamt der lokalen Region jene Wertigkeit verleiht, die nachfolgend in der arteologischen Aufarbeitung zu einem tieferen Verständnis der eigenen arteologischen Geschichte beiträgt.
Mit den drei bisherigen arteologischen Ausgrabungen in Nordtirol (Inntal, Wipp- und Stubaital) entwickelte sich ein gut eingespieltes Ablaufmuster, welches zum einen die weitestgehende Sicherheit und Unversehrtheit der Fundstücke und deren Bergung gewährleistet und zum anderen die eingeborenen Arbeitskräfte vor Ort insoweit in das Geschehen mit einbindet, dass sich daraus keine Ausgeschlossenheit von der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit generiert, welche ansonsten in weiterer Folge zu einer ungewollten und damit unproduktiven Separierung des wissenschaftlich-arteologischen Leitungsteams führen würde.
Bei aller Euphorie der Arbeit und bei allem wissenschaftlichen Eifer ist es für eine jede Expedition in unbekannte Länder und zu fremden Völkerschaften von immenser Bedeutung niemals ausser Acht zu lassen, dass sowohl die als oftmals elitär verstandenen wissenschaftlichen Fachkräfte, die zudem meist aus fremdsprachigen und der eigenen Kultur fremden Ländern kommen, bei der eingeborenen Bevölkerung vor Ort zu Skepsis und irrealen Ängsten führen, die sich bei Unbedachtheit der lokalen Sitten und Traditionen zu verstecktem oder gar offen zur Schau getragenen Fremdenhass entwickeln können. Umso wichtiger ist die bereits beschriebene Einbindung der Menschen vor Ort in die Grabungsabläufe insgesamt als auch die spezifische Aufarbeitung der Fundsituation als solcher und die nachfolgende mediengerechte und dem Bildungsstandard der Bevölkerung entsprechende Aufarbeitung.
Somit gilt es als erste den Fundort durch Absperrungen zu sichern, die Grabungsmannschaft von der unmittelbaren Fundstelle abzuziehen und gleichzeitig mit einem öffentlichen Lob derart zu befrieden, dass niemals das Gefühl entsteht, bei der eigentlichen Entdeckungsarbeit in die zweite Reihe gedrängt worden zu sein. Dazu empfiehlt es sich, jene Personen welche die Erstentdeckung machten, sofort fotografisch an der Fundstelle zu dokumentieren, unter der Ansage, dass dieses Bildmaterial umgehend der Presse mit Namensnennung zur Verfügung gestellt wird. Weiters soll dieses Personal nach einer groben Reinigung der Arbeitskleidung mit der Absperrung und personellen Sicherung der Fundstelle betraut werden, während die arteologischen Experten die weiterführenden Feinarbeiten der Freilegung der Artefakte und des Geländeumfeldes bewerkstelligen. Dabei ist es sinnvoll dieses Absperrungspersonal für zusätzliche Hilfsdienste wie der Grobversiebung der Grabungserde oder der Bereitstellung des Fundlagerungsequipments einzuteilen, um dergestalt die innere Gruppenwertigkeit zu stärken. Selbstverständlich ruhen bei derartigen Fundbergungen sämtliche anderen Arbeiten am Grabungsgelände (es sei denn aussergewöhnliche Umstände verlangen nach der Fortführung bestimmter Tätigkeiten, wie etwa das Abpumpen von Sickerwässern), so dass sämtliche am Grabungsgelände anwesenden Personen ausserhalb der Absperrung an diesem für jede Grabung so bedeutsamen Ereignis mit partizipieren können.
In diesem Fall leitete Dr. Arkadasch persönlich die Feinarbeiten zur Freilegung der Artefakte und beschied die anwesenden Grabungsmitarbeiter vom uferseitigen Feldweg aus auf die Fundstelle am südseitigen Furteingang Einsicht zu nehmen. Mit feinhaarigen Pinseln und Spachteln wurde die Fundstelle so weit freigelegt, dass eine erste kartographische Erfassung und Vermessung stattfinden konnte. Im Anschluss daran wurde die Fundstelle schichtweise freigelegt und unter grösster Vorsicht die drei dort liegenden Artefakte von Sand, Kieseln und Erde befreit.