Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 9

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 9

An dieser einführenden Schulung nahmen auch die Teilnehmer der Studierendengruppe um Dr. Stephan Rheinthaler vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck wechselweise, je nach Studienschwerpunkt teil, um auf diese Weise die Unterschiedlichkeiten aber auch Similaritäten zwischen der archäologischen und der arteologischen Arbeitsweise zu erfahren. Zudem konnte dabei der erforderliche Kontakt zu den eingeborenen Hilfskräften aufgebaut werden, da die letzten drei Verbleibtage der Studierendengruppe um Dr. Stephan Rheinthaler den Studien Vorort und im tatsächlichen Grabungsgelände dienen sollten. Hierbei wurde das Hauptaugenmerk auf den Verlauf des Grillerbaches gelegt und die bereits erkundeten und teilweise schon grabungstechnisch initialisierten AHDPs weiter zu bearbeiten.

Es wurden insgesamt fünf Teams gebildet, wobei die Leitung dieser Teams jeweils in den vertrauten Händen der erfahrenen Gruppenmitglieder der arteologischen Expedition lag. Es galt dabei – um auch den Lehrauftrag einer derartigen Zusammenarbeit bestmöglich umzusetzen – die Studierenden um Dr. Rheinthaler sowohl in die direkte Erstanalyse vor Ort mit einzubinden, als auch die fotodokumentarische Ist- Bestandsaufnahme vornehmen zu lassen. Hierbei zeigte sich einmal mehr die praxisbezogene und pädagogisch orientierte Arbeitsweise unseres Expeditionsfotografen Herrn Herwig Angerer, der die anwesenden Studentinnen und Studenten in den Gebrauch der analogen Feldfotografie einführte und ihnen, dem technisch-fotografischen Standard entsprechend auch den Umgang mit einer digitalen Kamera in Theorie und Praxis vermittelte. Der Bereich der digitalen Bildtechnik bringt generell jeder Feldforschung vor Ort erhebliche Erleichterung, da zum einen das Bildmaterial umgehend auf Computer überspielt werden kann, digital speicherbar und über Email an unterschiedliche Personen und Institute zur wissenschaftlichen Weiter- und/oder Bearbeitung übermittelbar ist. Weiters eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten einer direkten kartografischen Verknüpfung von Echtdaten mit den jeweiligen Vermessungsergebnissen, so dass hier mit digitalen Zeichenprogrammen rasch und sehr genau ein den wissenschaftlichen Parametern entsprechendes Nutzungsabbild angefertigt werden kann. Gleichwohl obliegt die picturale Erfassung von Fundungen wohl auch weiterhin nicht nur der Fotografie (analog als auch digital), sondern ist – vor allem für Schulungszwecke – auf die genaue bildnerische Reproduktion durch künstlerische und kunsthandwerkliche Mittel angewiesen. Art- und typustypische Eigenheiten werden auf diese Weise, ohne das individuelle Gesamtbild einer Fundung ausser Acht zu lassen, detailliert und anschaulich derart festgehalten, dass diese Bilder und Schautafeln der expliziten Charakteristik eines jeweiligen Beschreibungsstatus viel näher kommen, als es mit einem rein fotografischen Abbild, welches selbst bei aller Nutzung von Lichtgebung und Nachbearbeitung immer an das spezielle Objekt mit seinen Eigenheiten kompositorisch gebunden bleibt, möglich wäre.

gemalte karte, arteologie, pitztal 1999, herwig angerer, arteologie, dr. arkadaschHerr Herwig Angerer, der die arteologischen Expeditionen in Nordtirol seit der ersten Expedition als Fotograf und wissenschaftlicher Aquarellieur begleitet, versteht es mit seinen Zeichnungen und Bildern, unter Einhaltung der jeweiligen Primärcharakteristika der Fundungen, diese entsprechend den oben genannten Vorgaben in ihrem arteologischen Kontext darzustellen und hat seine diesbezüglichen Erfahrungen und Arbeitsweisen auch der Studierendengruppe um Dr. Stephan Rheinthaler in einem Kurzseminar am Abend des 24. Juli (letzter Besuchstag der Studierendengruppe) näher gebracht.

Trotz einiger wetterbedingter Erschwernisse – es regnete an mehreren Tagen, sodass die Grabungstätigkeit im Freien von allen Expeditionsteilnehmern einiges an Ausdauer und Motivation abverlangte – waren bereits diese ersten Grabungstätigkeiten entlang der Uferlinie des Grillerbaches von Erfolg gekrönt.