Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 8
Bedingt durch die im Mai 2001 vor Ort durchgeführten Sondierungen und den damit verbundenen Analysen am Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir, in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck unter der Leitung von Dr. Stephan Rheinthaler konnte die arteologische Relevanz in unterschiedlichen Bereichen des sondierten Gebietes zweifelsfrei belegt werden. Sowohl die unmittelbaren Untersuchungen der vorgefundenen Mauerungsreste, als auch die arteoforensische Analyse des direkten Umgebungsmaterials führten zu einer Datierung im Zeitraum der ersten Phase der Hocharteologischen Zeit und bestätigten somit die vorab befundeten Zuordnungen in eindeutiger Weise. Sämtliche dieser Voruntersuchungen wurden an beiden universitären Instituten im Wintersemester des Studienjahrs 2001/2002 durchgeführt und in einem gemeinsamen Kommuniqué im Februar 2002 in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Arteological Journal – 2002, Number 1“ veröffentlicht. Nach den bereits beschriebenen Kontaktierungen mit offiziellen österreichischen Stellen und politischen Verantwortungsträgern erfolgte noch im Juni 2002 der Auftrag an Dr. Arkadasch Dag im Jahr 2003 mit einer arteologischen Expedition die ausgewiesene Grabungsstelle eingehend und entsprechend den arteologischen Parametern zu erkunden und zu beforschen.
Bereits im Herbst 2002 konnte so ein qualifiziertes Grabungsteam rund um bereits bisher bewährte Mitarbeiter zusammengestellt werden. Neben Dr. Arkadasch Dag und einer Gruppe von Studierenden ist insbesondere wieder die bewährte Zusammenarbeit mit Experten vor Ort als wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Arbeitspraxis möglich geworden. Sowohl der langjährige Aquarellieur und Expeditionsfotograf, Herr Herwig Angerer, als auch der Polyglaciologe Mag. Peter Stolz und der Expeditionsarzt Dr. Armin Lengauer waren als leitende und hocherfahrene Experten Teil des Führungsteams.
Die Überstellung des Expeditionskorps mitsamt Ausrüstung und Hilfsmaterialien erfolgte für diese Expedition via Istanbul (Türkei) – Patras (Griechenland) nach Ancona (Italien) per Fährschiff. Während für den Personaltransport erstmalig ein eigener Kleinbus für die gesamte Expeditionsdauer zur Verfügung stand, wurden sämtliche Materialien in Ancona auf Sattelschlepper verladen und per LKW über den Brennerpass nach Kitzbühel verbracht. Erstmalig wurde dazu die komplette wissenschaftliche Infrastruktur als auch das vollständige Grabungswerkzeug vorab bereits in Izmir in Container verpackt, verplombt und einer einschlägig tätigen Spedition zum Transport übergeben. Diese Vorgangsweise ermöglichte es, sofort mit den Vorbereitungsarbeiten in Kitzbühel zu beginnen, und zwar sowohl am Grabungsgelände selbst, als auch bei der Gestellung und Errichtung des Expeditionslagers. Diese Vorgangsweise war der Notwendigkeit eines verknappten Zeitfensters geschuldet, da sowohl von Seiten der Kitzbüheler Stadtverwaltung als auch vom Streckenmanagement der ÖBB darauf gedrängt wurde, dass sämtliche Grabungsarbeiten mit dem Einsetzen der winterlichen Vorsaison so weit abgeschlossen sein müssen, dass es zu keinerlei Beeinträchtigungen der infrastrukturellen Strukturen kommen kann, die eine eventuelle wirtschaftliche Beeinträchtigung des Tourismus nach sich ziehen.
Mit Ankunft der Mannschaft am 9. Juli 2003 wurde umgehend das Basiscontainerlager, das sich ca 120 m südöstlich des Grabungsgeländes befindet, aufgebaut. Dem Expeditionsteam stand dafür der unmittelbare Nahbereich einer Gehöftgruppe zur Verfügung, die als einzelne Bebauungseinheit mitten im landwirtschaftlichen Bereich westlich des Römerwegs liegt und über einen gut befahrbaren Feldweg, der in einem Bogen durch das angrenzende Waldstück führt, mit dem Grabungsgelände direkt verbunden ist. Der Lagerplatz wurde vorab mittels eines befristeten Pachtvertrages angemietet und teilweise aufgeschottert. Die Zufahrt erfolgt über die einspurige Verkehrsstrasse Ried–Riesberg, die kurz nach der Gehöftgruppe in einen Feldweg übergeht und als Sackgasse endet. Zudem wurde im Rahmen dieser Vorarbeiten durch die Stadtwerke Kitzbühel eine entsprechende Versorgung mit Wasser (Be- und Entsorgung), als auch Elektrizität sichergestellt. Erstmalig stand auch eine direkte Internetverbindung (über Postkabel der Österreichischen Post- und Telegrafengesellschaft) zur Verfügung.
Das Grabungsgelände selbst schliesst sich unmittelbar an den nördlichsten Bereich der geschlossenen Siedlungsstruktur der Stadt Kitzbühel an, ist aber verkehrstechnisch durch die Trasse der ÖBB vom Siedlungsgebiet „Siedlung Frieden“ abgetrennt.
Während es für die Sattelschlepper gerade noch möglich war das Basislager der Expedition zu erreichen, mussten sämtliche Materialien die an den Grabungsorten zur Verwendung kamen, im Basislager auf landwirtschaftliche Zweiachsanhänger umgeladen und unter Zuhilfenahme von Traktoren an den Einsatzort verbracht werden. Das Basislager wurde daher mit zwei separaten Zu- bzw. Ausfahrten versehen, eine am südwestlichen Ende, unmittelbar nach der direkten Gehöftgrenze (für Versorgungsfahrten, An-und Abreisen sowie Besucher) und eine Arbeitsausfahrt am nordwestlichen Ende des Lagers, welche einen möglichst störungsfreien Verkehrsablauf zum Grabungsterrain gewährleistete.
Bereits am Tag der Ankunft wurde mittels vorgefertigten Bauzaunelementen das Basislager eingefriedet und an den Zu- bzw. Ausfahrten mit versperrbaren, zweiflügeligen Toren versehen. Binnen 48 Stunden konnte der Vollbetrieb sämtlicher wissenschaftlicher und administrativer Elemente aufgenommen, sowie eine direkte Verbindung mittels Internet mit dem Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir hergestellt werden. Diese Effizienz ist zum einen dem eingespielten team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken, zum anderen aber auch der rigorosen und detaillierten Vorbereitung, die sich speziell in der erstmaligen Gesamtstruktur einer containergestützten Infrastruktur als äusserst positiv und nachhaltig bewährt hat.