Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 9
Aufgrund der eingeschränkten räumlichen Möglichkeiten im direkten Grabungsbereich ostseitig der Bahntrasse und zudem beschränkt durch den schmalen Waldstreifen der sich in Richtung des Flusslaufes der Kitzbüheler Ache Richtung Norden erstreckt, ergaben sich zwei Möglichkeiten einer genaueren Untersuchung des Aushubmaterials: entweder musste das gesamte Grabungsmaterial per LKW-Transport zum Hauptlager verbracht, dort deponiert und anschliessend entsprechend arteologisch aufgearbeitet werden, oder aber es gelang direkt vor Ort eine von ihrer Kapazität ausreichende Trocken- als auch Sickersiebanlage zu installieren und derart zu betreiben, dass eine weitere Verbringung des Aushubmaterials nicht mehr nötig war. Die grundlegende Frage der Platzwahl konnte rasch gelöst werden, da entlang des landwirtschaftlichen Weges, der zunehmend gegen Norden durch Überwucherungen unpassierbar und unkenntlich wurde, rasch eine passende Stelle sowohl für eine erste Trockensiebung als auch direkt im Anschluss für eine Sickersiebanlage erkundet wurde. Von Seiten der Grundbesitzer erfolgten keinerlei Einwände, da dieses Areal als reines Brachland ungenutzt verblieb (landwirtschaftliche Nutzung schied auch aufgrund der unmittelbaren Anrainerschaft der Bahntrasse und den damit verbundenen Spritzungen gegen Unkraut an der Trasse aus). Die einzigen Schwierigkeiten ergaben sich aus der notwendigen Wasserversorgung für die Sickersiebanlage, sowie mit der erforderlichen Abwasserentsorgung und der Verbringung des Blindmaterials, welches im Normalfall über 99 % des Gesamtaushubmaterials entspricht.
Es ist der „Wildwasserverbauung des Landes Tirol“ gedankt, dass – im Einvernehmen mit den ÖBB – hier rasch eine konstruktive und praktikable Lösung umgesetzt werden konnte. 150 m nördlich des ausgewiesenen Grabungsgebietes wurde die Bahntrasse kanalartig durch Betonröhren untertunnelt, um die Einspeisung eines kleinen Bachlaufes, der jedoch bei hohen Wasserständen ansonsten leicht zu einer kleinflächigen Überflutung des östlichen Trassenbereiches führte, in ausreichender Kubatur zu gewährleisten. Durch diese Untertunnelung wurde einerseits mittels Feuerwehrschläuchen die entsprechende Versorgung der Sickersiebanlage mit ständig frischem Wasser aus der westseitig der Bahntrasse verlaufenden Kitzbüheler Ache sichergestellt und ausserdem das Abwasser der Sickersiebanlage wiederum in die Kitzbüheler Ache eingeleitet. Für die Verbringung des Blindmaterials konnte erstmals auf ein vollkommen neues Verfahren zurück gegriffen werden: Herr Herwig Angerer, der Aquarellist und Fotograf aller bisherigen arteologischen Expeditionen im Raum Nordtirol, vermochte den entscheidenden Kontakt zur leitenden Diplomingenieurin, Frau DI Katherina Pfurtscheler, von der BIG (Brennerbasistunnel-Infrastruktur-Gesellschaft) herzustellen, die vor Ort die territoriale Lage analysierte und den entsprechenden Lösungsvorschlag samt durchkalkuliertem Angebot für die notwendige Infrastruktur einer Flüssigschwemmanlage innert acht Tagen an Dr. Arkadasch Dag übermittelte. Dabei wird das vollständige Blindmaterial auf eine Korngrösse von kleiner 5 mm gebrochen und anschliessend mittels Hochdruckwasserführung wiederum in die Kitzbüheler Ache eingebracht. Im Verein mit der Hydrogeologischen Abteilung des Landes Tirol erfolgte die Berechnung der maximalen Materialeinbringung von 200 Gramm Blindmaterial je Liter Wasser, bei einer durchschnittlichen Durchlaufgeschwindigkeit von 90 Minutenlitern. Auf diese Weise können pro Minute 18 kg Blindmaterial ökologisch und nachhaltig entsorgt werden, ohne dabei das natürlichen Geschiebe der Kitzbüheler Ache zu beeinträchtigen. Zudem erspart diese Vorgangsweise aufwändige Ladetätigkeiten, im Schnitt drei LKW-Fahrten pro Grabungstag und die Notwendigkeit einer dauerhaften Deponierung. Die dadurch freiwerdenden Kapazitäten an Personal und Zeit kamen unmittelbar der reinen arteologischen Arbeit zugute.