Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 10

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 10

Anzumerken bleibt bei dieser Art der Verbringung des Blindmaterials, dass eine Kiesbruchanlage vor Ort notwendig ist, um das Blindgestein auf 5 mm zu zerkleinern. Hierbei konnte auf eine gebrauchte und zurzeit nicht in Verwendung stehende Brechanlage der Strassenmeisterei – Bezirk Kitzbuehel zurückgegriffen werden. Bis in die späten 80er Jahre des vorangegangenen Jahrhunderts war es in Tirol noch durchaus üblich, die Frühjahrssanierung der Hauptverbindungsstrassen mit vor Ort hergestellten Asphaltgemischen, bei kleinräumigen Belagsschäden durchzuführen. Dafür wurden spezielle Servicestellen in der Nähe von gefährdeten Streckenabschnitten am Strassenrand errichtet, um so jederzeit mit Teer und Kiesen die entsprechenden Ausbesserungsmaterialien herstellen zu können. Noch bei den ersten Expeditionen in Nordtirol (1982 und 1984) gehörte das mit Propangas beheizte „Teerwagerl“ (ein Anhänger oder eine selbstfahrende Maschine mit Kochvorrichtung für Teer) zum üblichen Strassenbild. Dabei wurde auf die vorher gereinigten Schadstellen heisser, flüssiger Teer aufgesprüht und mit einer entsprechenden Kiesstreuung gebunden. Aus dieser Zeit stammt das mittlerweile nicht mehr in Betrieb befindliche Brechwerk, welches der Expedition kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Die erforderlichen infrastrukturellen Anbindungen mit Strom und Wasser installierten die Kitzbueheler Stadtwerke.

Zudem wurden bereits im Mai 2003 im amtlichen Stadtblatt die notwendigen Stellen für einheimische Hilfskräfte ausgeschrieben. Es meldeten sich insgesamt 8 Frauen und 17 Männer, von denen sich am 14. Juli 2003 23 Personen in der Aula der Volksschule Kitzbuehel einem Hearing stellten. Die Leitung der Kommission oblag dabei Herrn Herwig Angerer, da er sowohl muttersprachlich die Landessprache beherrschte, als auch die ortsüblichen Gepflogenheiten im Umgang mit Arbeitssuchenden kannte. Von Seiten der Expeditionsführung wurde dabei neben der körperlichen Tauglichkeit auch die jeweilige soziale Situation der Bewerberinnen und Bewerber mitberücksichtigt. Aus diesem Grund sass auch die Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadtgemeinde Kitzbuehel, Frau Stadträtin Mathilde Vorderberger als Beisitzende in dieser Kommission. Bis zum späten Nachmittag wurde das Team, bestehend aus sieben Frauen und 13 Männern ausgewählt und gemäss dem herrschenden Kollektivvertrag für Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter für vier Monate angestellt.

Die erforderlichen arteologischen Einschulungen (Grabungsverfahren, Fundverhalten, Bergungen und Sicherungen von Fundungen) erfolgten in den nächsten zwei Tagen, wobei bereits vorab zwei männliche Eingeborene für die Bedienung der Flüssigschwemmanlage samt Brechanlage abgestellt und gesondert eingeschult wurden.

sondieungsgrabung, kitzbuehel, 2003, dr. arkadasch, arteologieParallel dazu wurde das gesamte Grabungsgebiet vermessen und kartiert, eingezäunt (mit mobilen Bauzäunen) und ein entsprechender Grabungskataster erstellt. Somit konnte bereits am 16. Juli 2003 mit den ersten Sondierungsgrabungen an den AHDP– und den ANDP-Punkten begonnen werden. Bedingt durch das eher trockene Wetter und die vorherrschende Bodenbeschaffenheit – das Grabungsgebiet befindet sich im erweiterten Schwemmlandbereich der Kitzbueheler Ache – konnte überwiegend auf eine Grabenpölzung vorerst verzichtet werden, sodass bereits in der ersten Grabungswoche eine ansehliche Kubatur an Material gehoben und gesichtet wurde.

Insgesamt arbeiteten vier Grabungsgruppen, bestehend aus einer verantwortlichen Leitung aus dem direkten Expeditionsteam und drei eingeborenen Hilfskräften, an zwei AHDP – Punkten, wobei hier die erste wiederum an dem bereits im Jahr 2001 vorgefundenem Fundort weiterarbeitete, und an zwei ANDP – Stellen, die auf Grund der Vorabanalyse eine relativ hohe Fundwahrscheinlichkeit aufwiesen.