Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 11

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 11

Basierend auf den arteologischen fragmentalen Resten, welche bereits im Jahr 2001, anlässlich der Sanierungsarbeiten der ÖBB gefunden wurden, schien die Hoffnung berechtigt, dass sowohl artifizielle Fundungen, als auch organische und/oder humanoide Funde relativ oberflächennah im Grabungsgebiet freigelegt werden könnten. Trotz einer seitlichen Ausdehnung auf eine Grabenbreite von 1,20 m bei den Sondierungsgräben, konnten bis zum 23. Juli keine Grabungsergebnisse erzielt werden. Nach kurzer Beratung wurde daher beschlossen, die Grabungstiefe auf bis zu 1,50 m auszudehnen; diese Begrenzung erschien vorab als sinnvoll, da durch die Nähe zur Kitzbueheler Ache ab dieser Tiefe mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grundwasserspiegel erreicht werden würde. Zudem erfolgten – entgegen der üblichen Vorgangsweise – keine weiteren Parallelsondierungen. Zum einen bedingt durch die situationsbezogene Ausdehnung der Grabenbreite (der Abstand zwischen den Sondierungsgräben wurde dadurch von Haus aus um 1,20 m vermindert), und zum anderen erschien zum damaligen Zeitpunkt eine Erweiterung der Sondierungsgrabungen in einem derart eingegrenzten und engläufigen Gebiet als wenig zielführend und ausserdem äusserst ressourcenbindend.schalmaterial, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie

Allerdings stellte sich bei der Verbreiterung und Vertiefung der Gräben rasch heraus, dass der anfängliche Verzicht auf Pölzung der Gräben nicht weiter durchführbar war, da es ab einer Tiefe von ca. 70 cm immer wieder zu Verbrüchen der Grabenwände kam, die nicht nur arbeitstechnisch einen grossen Mehraufwand mit sich brachten, sondern leider auch zur Verunfallung eines eingeborenen Helfers führten. Am Nachmitttag des 25. Juli mussten die Grabungsarbeiten infolge eines lokalen Gewitters kurzfristig unterbrochen werden. Die begleitenden starken Regenfälle setzten nicht nur die Gräben vorübergehend unter Wasser, sondern bedingten gleichzeitig eine generelle Lockerung des Bodenmaterials im Randbereich der Grabungen. Um weitere Schäden zu vermeiden begannen unmittelbar nach dem Ende der Regenfälle sowohl die erforderlichen Trockenlegungen (mittels Eimern und einer Tauchpumpe), als auch die notwendigen Pölzungsarbeiten der Gräben. Das dafür erforderliche Material (Schalbretter, Kanthölzer und Streben) war bereits vorsorglich im Containerlager deponiert und konnte daher umgehend an die Grabungsorte verbracht werden. Beim Abladen der Bretter vom Anhänger des Transporttraktors rutschte leider ein männlicher Eingeborener im Schlick aus, sodass mehrere Bretter auf ihn stürzten und es in Folge zu einem Bruch des linken Unterarms kam. Der anwesende Expeditionsarzt Dr. Armin Lengauer leistete sofort Erste Hilfe, schiente den gebrochenen Unterarm und veranlasste die Überstellung des Verunfallten in das örtliche Krankenhaus.

sondierungsgraben, kitzbuehel, 2003, dr. arkadasch, arteologieAls dauerhafte weitere Erschwernis der Grabungen entpuppten sich die in unregelmässigen Abständen vorbeifahrenden Züge. Auch wenn die Fahrtgeschwindigkeit aller Züge in Folge der Nähe des Bahnhofs Kitzbuehel im unteren Geschwindigkeitsbereich angesiedelt war, bewirkten die damit verbundenen Erschütterungen entlang der Bahntrasse eine sich ständig wiederholende Lockerung des durch die Grabungen angeschnittenen Erdreichs, die sich vermehrt als Ursache für laufende Grabeneinbrüche herausstellten. Die nahezu vollständige Pölzung aller vier Sondierungsgräben wurde somit zwingend notwendig und beschäftigte das komplette Grabungsteam die nächsten drei Tage. Es ist dabei der Voraussicht und der Flexibilität des gesamten Expeditionsteams zu verdanken, dass diese technischen Herausforderungen derart schnell und effizient gelöst werden konnten. Wie so oft bei Expeditionen müssen innert kurzer Zeit Planungen und Arbeitsabläufe an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden, um die entsprechenden Zielvorgaben dennoch verwirklichen zu können.