Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 16
In Fundsituationen gereicht es jedem Grabungsteam zum Vorteil, wenn die organisatorischen Abläufe für das leitende Personal klar strukturiert und eingeübt sind, so dass durch diese Routine das Hauptaugenmerk auf optimale Bergung und Bewahrung der Fundstücke gelegt werden kann, unter zeitgleicher Kontrolle der oftmals emotionell hochgradig erregten eingeborenen Hilfskräfte, die meist innerlich überzeugt scheinen, einen merkantilen Schatz von nahezu märchenhaftem Umfang gefunden zu haben. Hierbei gilt es in aller Strenge und Schärfe die Disziplin unter den Arbeiterinnen und Arbeitern aufrecht zu erhalten um vorsorglich jeden Ansatz von arteologischem Räubertum im Keim zu ersticken. Es ist dabei immer wieder einmal notwendig vor Ort ein Exempel zu statuieren und einen ertappten Funddieb nicht nur fristlos zu entlassen sondern gleichzeitig mit aller gesetzlichen Handhabe die im Gastland möglich ist, hartnäckig zu verfolgen. Nur so kann jene Qualität, aber auch Qualität der Grabungsarbeiten aufrecht erhalten bleiben, die nachhaltig jenes wissenschaftliche Niveau sichern, ohne welches eine kontinuierliche arteologische Beforschung nur rudimentäres Stückwerk bleiben kann.
Das bewährte Grabungsteam um Dr. Arkadasch Dag folgte daher dem üblichen Prozedere bei Fundungen und leitete umgehend die dafür erforderlichen Massnahmen ein:
- Mit der Fundung wurde sofort der betroffene Sondierungsgraben abgesperrt, mit Zeltplanen eingehaust, sowie topografisch eingeordnet und vermessen.
- Am gesamten Grabungsgelände wurden vorsorglich sämtliche Grabungstätigkeiten ad momentum eingestellt und der entsprechende Geländeabschnitt unter Verwendung der entsprechenden Relevanzgrössen (standardisierte Vermessungslatten, aktuelle Tageszeitung) fotografisch erfasst.
- Sämtlich erforderliche Zu- und Abgänge, sowohl für den Mannschaftstransport als auch die Materiallogistik samt Fluchtwegen wurden geplant, ausgewiesen, mit einem Farbleitcode versehen und eingerichtet.
- Erst dann hat eine ausgesuchte Bergungsgruppe, ausgestattet mit Schutzkleidung, Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Handschuhen den direkten Bergungsort betreten.
- Desgleichen wurden sämtliche Werkzeuge, Transportbehältnisse und der Bergungscontainer desinfiziert, wobei für die direkte Bergung nur fabrikneue Werkzeuge, die zudem sterilisiert wurden, zur Verwendung gelangten.
- Sowohl das umgebende Lagerungsmaterial des Fundes, als auch eventuell spezifische botanische und geologische Vorkommen im näheren Fundungsumfeld, werden entsprechend geborgen und gelagert, um so auch späterhin sparten- und fächerübergeifende wissenschaftliche Untersuchungen zu gewährleisten.
- Die allgemeine Freigabe des direkten Fundgebiets konnte erst mit 20. August erfolgen, nachdem sowohl die Bergung selbst, als auch die nachfolgenden forensisch-arteologischen Untersuchungen abgeschlossen waren.
Die Fundstelle besteht aus einem trockengemauerten Geviert, das eine Gesamtlänge von etwa 75 cm aufweist und eine Breite von 48 cm, wobei entsprechende Abweichungen dem trocken verlegten Gesteinsmaterial zugeordnet werden müssen. Die innere Fläche dieses Gevierts war zur Gänze mit lehmartigem Mergel ausgefüllt, wobei dieses Material eine insgesamte Schichtung von 58 cm im Bereich der Mauerfundung aufweist und sich sowohl nordöstlich als auch nach Südwesten hin, über mehrere Meter verjüngend hinzieht. Geologisch betrachtet handelt es sich dabei um eine Schwemmschichtung, die infolge einer länger andauernden, relativ schwach ausgeprägten Überflutung entstanden ist, welche eine derartig kontinuierliche Sedimentablagerung, ohne dabei nachhaltig die vorhandenen Geländestrukturen zu verändern, nach sich zog.
Gemessen vom Nullpunkt der Sondierungsgrabenkante wurde der obere Mauerkronenbereich des Gevierts in einer Tiefe von 45 cm freigelegt. Mit der schichtartigen Freilegung des Innenbereichs konnten bereits nach wenigen Zentimetern sieben Keramikbruchstücke geborgen werden, die sämtlich eindeutig dem Arteologischen Zeitalter zuordenbar waren. Weitere Grabungen im Inneren
des Gevierts brachten bereits am Abend des 13. August ein metallenes Cult-Object zum Vorschein, welches sowohl in seiner Art der Gestaltung als auch Ausführung einerseits dem typischen Charakter bisheriger Fundungen im Raum Nordtirol entspricht, andererseits aber auch eine formale Weiterentwicklung der bisher bekannten Gestaltungen darstellt. Am drauffolgenden Vormittag des 14. August wurde zudem ein zweites, gleichgeformtes Cult-Object am Grund des Gevierts freigelegt. Allerdings scheint durch die Lage des Cult-Objects schlüssig, dass es sich dabei um ein eigenständig angeordnetes Cult-Objects handelt, das in keinem direkten kultischem Bezug zum erstgefunden Object steht.