Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 17

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 17

Die mobile Grabungsleitstelle wurde im Zuge der Sondierungsgrabungen immer weiter in Richtung Westen, zum Rande des begrenzenden Waldstücks hin verlagert. Daraus ergaben sich zwar Probleme mit direkten Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Grabungsgeländes, sodass es unabkömmlich war, die überwiegenden Transportbewegungen für das Grabungspersonal fussläufig zu gestalten; lediglich für die Verbringung des Grabungspersonals und das technische Equipment wurde ein Shuttledienst mithilfe eines Traktors und eines Einachsanhängers eingerichtet, der täglich um 07:30 Uhr von einem örtlich ansässigen Bauern gegen Entgelt wahrgenommen wurde. Dieser Bauer stand zudem auf Abruf bereit um etwaige Fuhren von Grabungsmaterial und sperrigem Werkzeug kurzfristig umzusetzen. Für diesen Behuf wurde auch in einer eigenen Übungssituation ausprobiert, ob es möglich wäre die mobile Transporteinheit für organische und / oder humanoide Funde auf diesem Einachsanhänger schadfrei vor Ort zu bringen. Dazu wurde im Containerlager extra eine nicht mehr benützte Mauer eines Lagersilagebeckens mit einer Auffahrrampe versehen, über die es möglich war unter Einsatz einer händischen Staplerameise, die mobile Transporteinheit auf den Einachsanhänger aufzuladen und transporttauglich zu verkeilen und zu verzurren.grabungsleitstelle, kitzbuehel2003, dr. arkadasch, arteologie

Direkt neben der Grabungsleitstelle, am Waldrand gelegen befindet sich eine religiös, traditionelle Gedenk- und Gebetsstelle, die mit einem Kreuz aus Holz versehen ist und an eine verstorbene Person erinnert. Dieses Wegkreuz – wie der landesübliche Name dafür lautet – stammt in seiner Ausführung aus jüngerer Zeit und erfährt eine fortlaufende Hege und Pflege durch versorgende Angehörige der verstorbenen Person. Der querende Teil dieses Kreuzes wurde mit einer rückseitig angebrachten Platte aus Holz versehen, die damit einen Rahmen für das innseitige Kreuz bildet und zudem eine Nische ausformt, die ein fotografisches Gedenkbild und einen Platz für regelmässig ausgetauschte Erinnerungskerzen bildet. Dieser – somit im weitesten eine kultische Nische bildende – Rahmen ist mit einem giebelartigen Dach aus Holz gegen die Unbilden von Wind und Wetter geschützt. Der Stamm dieses Wegkreuzes wurde an einem metallenen Flachstück, welches tief in den Boden eingelassen wurde, vertikal verschraubt. Gleichwohl eingebettet in die umgebende, bodendeckende Fauna aus Gräsern und Kräutern, dient dieser terrestrische Fixierungspunkt des Wegkreuzes der Darbringung von wechselndem Blumenschmuck, wobei während der gesamten Grabungszeit feststellbar bleibt, dass dazu ausschliesslich Schnittblumen verwendet wurden und keinerlei dauerhaftere Topfpflanzen.

Selbstverständlich wurde diese Gedenkstätte durch das Ausgrabungsteam in allen Belangen respektiert und von jeder Grabungstätigkeit ausgeschlossen. Mit der Versetzung der mobilen Grabungsleitstelle an den Rand des Waldstückes rückte jedoch dieses Wegkreuz zunehmend in den unmittelbaren Arbeitsbereich und wurde mittels Absperrungsbändern vorsorglich optisch zusätzlich gesichert.

Im Gespräch mit den betreuenden Angehörigen stellte sich heraus, dass diese Örtlichkeit, neben der äusserst tragischen Ursache dieser Gedenkstätte, im oral überlieferten Anekdotenschatz der eingeborenen Bevölkerung seit jeher als besonderer kultischer Platz gilt, der – je nach Interpretation der Überlieferung – von Flussfeen und/oder Bodengnomen innegehalten wird, die für die eine oder andere, mehr oder weniger geglückte Rettung aus prekärer Situation zuständig waren. Auch wenn die Nachforschungen im Heimatmuseum von Kitzbuehel und des Weiteren im Volkskundemuseum von Innsbruck keinerlei verschriftlichte Hinweise auf diesen Anekdotenschatz ergaben, so war dennoch das Interesse des Grabungsteams um Dr. Arkadasch Dag für diese spezielle Geländestelle geweckt, da erfahrungsgemäss in den meisten Fällen die lediglich lokal übermittelten und oftmals mystisch verbrämten Hinweise auf bestimmte Ereignisse nichts anderes als verschlüsselte Berichte über tatsächlich historische Vorkommnisse sind.