Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 25

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 25

Gerade die bisherigen zahlreichen und auch reichen arteologischen Funde in Nordtirol stiessen international nicht nur in der wissenschaftlichen Gemeinde auf grosses Interesse. Wohl auch bedingt durch die kontinuierlich stattfindenden Expeditionen in immer neue Teilbereiche der nordtirolerischen Landschaft wuchs in der eingeborenen Bevölkerung nachgerade eine Art von nicht näher definierbarem Selbstverständnis für diese arteologischen Arbeiten; am ehesten umschreibt wohl die erstaunt wahrgenommene Beachtung von ausserhalb die dauraus abgeleitete und selbstschmeichlerische Eigenwahrnehmung der Tiroler. Wobei diese abstruse Nabelschau lediglich einmal mehr zeigt, wie diametral die wissenschaftliche Arbeit vor Ort von der betroffenen indigenen Bevölkerung aufgefasst und gedeutet wird. So bieten etwa die bisherigen Erkenntnisse der arteologischen Expeditionen in Nordtirol keinerlei Anhangspunkte für irgendeine Form einer elitären Deutung des eigenen arteologisch beschreibbaren Werdegangs, vielmehr werden die bisher oftmals als selbstverständlich betrachteten Anschauungen über die eigene Entwicklung und soziotive Formung generell in Frage gestellt, bzw. müssen grösstenteils samt und sonders auf den Müllplatz verquerer, nationalistischer und populistischer Ansichten und Mythen geworfen werden. Die Deutungshoheit eventueller Fundungen muss ohne Wenn und Aber dem wissenschaftlichen Disput, unter strenger Einhaltung des klaren Regelwerks der Theoriebildung, vorbehalten bleiben.

Umso erstaunlicher wirkt der beinahe prahlerische Stolz von vielen, auch halbwegs gebildeten Menschen in Tirol, wenn es um die gegenwärtige arteologische Forschung in Nordtirol geht. Offensichtlich interessiert lediglich das mediale Echo in fremdenverkehrstauglicher Hinsicht, alles andere, insbesondere die Ergebnisse und Analysen werden zwar geduldet wahrgenommen, führen jedoch in keinerlei Hinsicht zu einer Hinterfragung der eigenen Mythen, Gebräuche und Sitten. Vielmehr erscheint es von Expedition zu Expedition immer wichtiger, die eigene wissenschaftlich-arteologische Arbeit vor den Ansprüchen offizieller als auch halboffizieller Stellen zu schützen, da neben den entsprechenden Abteilungen der Administration des Landes Tirols gerade die lokalen politischen Grössen, meist im wie selbstverständlich wirkenden Einvernehmen mit diversen Heimatschutzvereinen und Gemeindemuseen, oftmals schon in anmassender Selbstgefälligkeit dazu neigen, auf die Arbeitsabläufe und auch >Zielsetzungen der jeweiligen Expeditionen mehr oder weniger offen Einfluss zu nehmen und für ihre eigenen Interessen entsprechend zu nutzen.

Es muss somit in aller Klarheit und Deutlichkeit festgestellt werden, dass jeder Fund nur insofern eine lokale Bedeutung aufweist, als dass er sich in den Kontext einer arteologischen Beurteilung einfügt und vorderhand ausschliesslich wissenschaftlichen Fragen und Untersuchungen zur Verfügung steht. Der kollaterale Nutzen einer fremdenverkehrstauglichen Vermarktung mag aus Sicht der eingeborenen Bevölkerung vor Ort durchaus sinnvoll erscheinen, jedoch darf dieser fragwürdige Deutungsversuch auf keinen Fall zu einer sich verselbständigenden Burlesque, im Sinn einer lokalen Folkloristik verkommen.

Je mehr Fundungen getätigt werden, je höher der Wunsch nach Vereinnahmung durch die lokalen Institutionen.

Die Leitung der Kitzbueheler Expedition sah sich daher veranlasst von ihrer bisherigen Informationspolitik grundlegend abzuweichen und über eine klare Definition des Aufgabenbereichs und der daraus folgenden rechtlichen Nutzung von diversem Bild-, Ton- und Textmaterials auf die wissenschaftlicheuniversität izmir, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie Letztverantwortung des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir, unter der Leitung von Dr. Arkadasch Dag hinzuweisen. Dazu wurde am 14. August 2003 (am Vorabend eines religiösen Feiertags) im Speisesaal des örtlichen Golfclubs eine offizielle Versammlung durch die Expeditionsleitung einberufen, bei der erstmalig und mit entsprechenden Unterlagen auf die rechtlich bindenen Vertragsteile bezüglich der Nutzung und Verwertung sämtlcher Expeditionsergebnisse dezidiert hingewiesen wurde. So bedingt ab nun jede Nutzung und Verwertung von irgendwelchen Materialien die direkt oder auch indirekt Bezug auf die arteologischen Arbeiten in und um Kitzbuehel Bezug nehmen vorher das schriftliche Einverständnis der Expeditionsleitung, bzw. in weiterer Folge des Dekanats der Freien Universität Izmir.