Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 27
Gerade die Kleinstadt Kitzbuehel gilt in der Eigenwahrnehmung der ansässigen Eingeborenen als das Mekka des Schisports und des Wintertourismus, wie überhaupt das gesamte Bundesland Tirol sich wirtschaftlich auf den Tourismus fokussiert hat. Dabei gilt zu beachten, dass diese Region bis vor wenigen Jahrzehnten (bis zur letzten Generation der heute 40-jährigen) überwiegend von karger, bäuerlicher Selbstversorgung und / oder generell prekären wirtschaftlichen Verhältnissen mehr schlecht als recht lebte. Die wenige Industrie beschränkte sich ausnahmslos auf das Inntal und die drei größten Seitentäler, das entsprechende kulturelle Leben auf die wenigen maximal kleinstädtischen Zentren und erst mit dem enormen Ausbau der Tourismusinfrastruktur und dem parallel dazu einsetzenden Nächtigungsplus vermochte sich Nordtirol zu einer Region mit bescheidenem Wohlstand zu entwickeln. Dies zeigt sich auch deutlich im nach wie vor extrem niedrigen Lohnniveau im Vergleich zu den restlichen Bundesländern der Republik Österreich und den gleichzeitig äusserst hohen Lebenshaltungskosten. Dabei werden beinahe jedes Jahr steigende Nächtigungszahlen als nahezu selbstverständlich betrachtet: Hier die offiziellen Zahlen der Jahre 1999 bis 2003:
| Jahr | Winter | Sommer | Ankünfte | Winter | Sommer | Nächtigungen |
| 1999 | 3.940.170 | 3.605.499 | 7.545.669 | 21.680.068 | 17.858.073 | 39.538.141 |
| 2000 | 4.150.994 | 3.617.668 | 7.768.662 | 22.400.614 | 17.404.601 | 39.805.215 |
| 2001 | 4.363.262 | 3.558.318 | 7.921.580 | 23.503.160 | 17.006.337 | 40.509.497 |
| 2002 | 4.456.807 | 3.703.808 | 8.160.615 | 23.870.576 | 17.656.247 | 41.526.82 |
Quelle: Amt der Tiroler Landesregierung
Im Vergleich dazu weist etwa ganz Griechenland nicht einmal die Hälfte der Nächtigungszahlen von Tirol auf. Daraus wird ersichtlich, welchen Stellenwert der Tourismus – und hier vor allem die entsprechenden Führungskräfte – im wirtschaftlichen Gesamtdiskurs in Nordtirol aufweist.
Umso bedeutender ist es daher für jede arteologisch, wissenschaftliche Arbeit vor Ort, sich sämtlichen Vereinnahmungsversuchen durch lokale Interessen zu widersetzen und das Primat der Forschung und Lehre zu betonen.
Wie wichtig diese Vorabklärung durch das Kommuniqué des Expeditionsteams war, stellte sich am 28. August 2003 in aller Deutlichkeit heraus, als die Grabungsgruppe 3 um Mag. Miriam Yeshildas auf die erste humanoide Fundung in ihrem Grabungsabschnitt stiess.
Obgleich umgehend das komplette Standardverfahren, wie es bei derartigen Fundungen üblich ist, hochgefahren und das gesamte Grabungsgelände abgeriegelt und abgesperrt, sowie eine interne Informationssperre nach aussen verfügt wurde, entstand dennoch innerhalb weniger Stunden ein medialer Auflauf von lokalen Printvertretern und einem TV-Team von der ORF – Aussenstelle in Innsbruck. An deren Spitze erschienen neben den Medienvertretern der Bezirkshauptmann des politischen Bezirks Kitzbuehel, der Bürgermeister der Stadt Kitzbuehel, begleitet von einem Stadtrat und dem verantwortlichen Leiter des städtischen Bauhofs, sowie einer drei Mann starken Abordnung der lokalen Stadtpolizei. Es bedurfte vehementer Anstrengungen durch das gesamte Expeditionsteam, um diese Herrschaften vom Betreten des Grabungsgeländes abzuhalten. Erst durch eine improvisierte Pressekonferenz im Expeditionslager gelang es die anwesenden Medienvertreter sowie die politischen Führungskräfte insoweit ruhig zu stellen, damit sie zumindest den weiteren, geordneten Verlauf der Sicherung und Bergung des humanoiden Fundes nicht zusätzlich erschwerten und beeinträchtigten.