Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28/2

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28/2

Nach der improvisierten Pressekonferenz im Expeditionslager wurde mit den Vorbereitungen zur Sicherung und Bergung des humanoiden Fundes unter Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Um etwaige weitere Verstimmungen unter den anwesenden Medienvertretern und der politischen sowie gesellschaftlichen Führung zu vermeiden wurden in diesem Falle sogar sämtliche eingeborenen Grabungskräfte für diesen Tag von der Arbeit (unter vollem Lohnausgleich) freigestellt, sodass lediglich das wissenschaftliche Team um Dr. Arkadasch Dag die erforderlichen Arbeiten durchführte. Gleichwohl war nicht zu verhindern, dass sich am Gegenhang der Kitzbueheler Ache, am Waldrand mehrere Journalisten mit Teleobjektiven niederliessen, um wenigstens dergestalt entsprechendes Bildmaterial von diesen Arbeiten zu erhalten. Auch wenn dies gegen die mündlichen Zusatzvereinbarungen stiess, wurden diese Missachtungen nicht geahndet, sondern stillschweigend geduldet. Zudem galt es im Sinne des weiteres Expeditionsablaufes nicht über Gebühr die Geduld und den Eifer der Berichterstattung einzubremsen.

Das Prozedere der Sicherung und Bergungsvorbereitung folgte den üblichen Abläufen: nach der Absperrung des unmittelbaren Garbungsgebietes mittels rot-weissem Absperrband wurde das Gelände topografisch eingenordet und detailliert vermessen. Als nächstes erfasste der Expeditionsfotograf Herwig Angerer unter Verwendung entsprechender Relevanzgrössen (Standardisierte Vermessungslatten und für die chronologische Bestimmung die Bildwiedergabe einer aktuellen Tageszeitung) das Grabungsgelände insgesamt und mittels dutzender Detaillaufnahmen fotografisch die einzelnen grabungsrelevanten Abschnitte. Sämtliche Expeditionsmitglieder waren dafür mit Schutzkleidung, Atemschutzmasen, Schutzbrillen und Einweghandschuhen ausgestattet, da es tunlichst galt jedwege Kontaminierung durch organisches Material nach Möglichkeit zu verhindern. Der Bergungscontainer wurde über den Anfahrtsweg unter Zuhilfenahme eines Traktorgespannes herbeigeschafft, desgleichen eine verplombte Kiste mit fabrikneuen und desinfizierten Grabungswerkzeugen.humanoider fund, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie

Vom umgebenden Lagermaterial des humanoiden Fundes wurden zahlreiche Proben gezogen, um eventuell spezifische botanische und geologische Besonderheiten im näheren Umfeld einer nachfolgenden fächerübergreifenden wissenschaftlichen Analyse zuführen zu können.

Zudem wurden sämtliche Bewegungslinien, sowie Transportstrecken und Fluchtwege direkt am Gelände ausgewiesen, besprochen und vom kompletten Grabungsteam eingesichtet.humanoider fund, detail, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie

Der eigentliche Sicherungs- und Bergungsvorgang wurde von der Leiterin der Fundgruppe, Frau Mag. Miriam Yeshildas unter Assistenz von Dr. Arkadasch Dag geleitet.

Die Fundstelle selbst liegt wenige Meter von der neuzeitlich errichteten Gedenkstele entfernt, wobei bemerkenswert ist, dass dieser humanoide Fund lediglich 35 cm unter der Oberfläche vorgefunden wurde. Aufgrund des vorhandenen Schichtbildes des geologischen Bodenaufbaus konnte rasch und relativ eindeutig (zu recht, wie die nachfolgenden Erstanalysen ergaben) eine entsprechende arteologische Zuordnung getroffen werden. Eingebettet in eine schmale Schicht aus feinkörnigem Erosionsschiefer, vermischt mit durchschnittlich 35 % lehmigem Mergel erfolgte die Ablagerung dieses Fundes im Bereich des Randgeschiebes der Kitzbueheler Ache. Begünstigt durch den hydrogeologischen Gewässerverlauf in diesem Abschnitt des Gerinnes, kam es offensichtlich zu keinen weiteren nachträglichen Verschiebungen, vielmehr verhinderte die tieferliegende Schicht aus Kieseln und Schottern ein zusätzliches Absinken dieser Schicht in die instabileren Bereiche des unmittelbaren Schwemm- und Überflutungsgebietes. Die Kleinräumlichkeit dieses Fundabschnittes weist dadurch jedoch keinerlei weitere relevante Fundstücke auf, weder in baulicher noch in artifizieller Hinsicht. Es handelt sich somit um eine rein monotypisierte humanoide Fundung, die für die kontextuelle Subsumierung eine interessante Herausforderung darstellt.