Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28/3
Bedingt durch die relativ geringe Grabungstiefe der Fundungsstelle, entschloss sich das Team um Dr. Arkadasch Dag und Mag Miriam Yeshildas noch in der Nacht vom 28. Auf den 29. August 2003 diesen humanoiden Fund zu bergen. Dazu wurden zusätzliche Stromleitungen vom Expeditionslager her oberirdisch verlegt – dies war der zeitlich kürzeste Weg für eine zusätzliche Energieversorgung, da bereits das Anklemmen neuer Kabel an einem Verteiler der Kitzbueheler Stadtwerke im nahegelegenen Stadtteil „Siedlung Frieden“ (weniger als 200 m von der Grabungsstelle entfernt) nur mittels eines entsprechenden behördlich bewilligten Vorlaufs möglich gewesen wäre. Derartige Ansuchen scheitern meist nicht an der Ablehnung der mit diesen Arbeiten vor Ort betrauten Handwerker, sondern es ist die oft ausufernd anmutende Administration und deren zeitweise beinahe willkürlich erscheinendes Agieren, das es ortsfremden Personen ohne eingeborene Unterstützung fast verunmöglicht, entsprechende Bewilligungen und Erlaubnisse zu bekommen. Wobei diese Abläufe auch von einheimischen Personen hinter vorgehaltener Hand gerne als „Bürokratie um der Bürokratie willen“ bezeichnet werden. So hätte für einen zusätzlichen Kabelanschluss in der „Siedlung Frieden“ neben einem offiziellen Ansuchen in dreifacher Ausfertigung auch ein Bescheid vorgelegt werden müssen, aus dem die Nutzung des Grundstückes hervorgeht, für das der Grundstückseigentümer, bzw. der beglaubigte Mieter oder Pächter mittels eines Einreichplans die geplante Verwendung einschliesslich eines detaillierten Energiekonzeptes fundiert darstellt.
Diese Beschreibung soll verdeutlichen, wie schwierig es oft ist fremdländische Sitten und Traditionen dann im Detail nachzuvollziehen, wenn deren Sinnhaftigkeit und Nutzen sich nicht erschliessen lassen – und dennoch gilt es, gerade diese Abläufe genau zu beachten, um dergestalt einerseits den notwendigen Respekt vor den herrschenden administrativen Einrichtungen zu zeigen und andererseits nicht unnötigerweise die Mühlen der Bürokratie gegen die eigenen wissenschaftlichen Interessen heraus zu fordern.
Rasches Handeln hilft hiebei meist. So wurden bis 22:00 Uhr Ortszeit die notwendigen Kabel verlegt, sieben Baustrahler mittels Dreibeinstativen derart platziert, dass der direkte Fundabschnitt möglichst taghell und schattenfrei ausgeleuchtet wurde, sowie der Bergungscontainer sowohl mit seiner Transporteinheit als auch den Laboratorien und der Kühlungslade in Einsatzbereitschaft versetzt.
Für die Bergung des humanoiden Fundes – es handelt sich dabei um einen menschlichen Unterarm – wurde zuerst rund um den gesamten Arm ein Rechteck ausgesteckt und anschliessend mittels eines 40 cm tiefen Grabens freigestellt, wobei die westliche Seite dieses Rechtecks bereits vom wesentlich tiefer ausgeführten und abgepölzten Sondierungsgraben gebildet wurde. Die drei Gräben an den anderen Seiten dieses Rechtecks wurden auf eine Breite von knapp 75 cm erweitert, um einerseits leichteren Zutritt zu erhalten und andererseits genügend Raum sowohl für den Werkzeugeinsatz als auch den Bergungsablauf als solchen zu haben. Bei diesen Vorbereitungsarbeiten stellte sich heraus, dass die Bodenbeschaffenheit des Aushubmaterials lediglich eine Kieselgrösse von bis zu 4 cm aufwies, sodass sich Mag. Miriam Yeshildas entschloss den humanoiden Fund mittels Blechschnitttechnik in einem Zug zu bergen. Dazu wurde ein Stahlblech auf die Grösse von 60 cm im Quadrat zugeschnitten und an einer Seite zu einer scharfen Klingenkante zugeschliffen. Die Seiten links und rechts davon erhielten hölzerne Griffstücke, die mit einer Nut in das Stahlblech eingelassen und fünffach vernietet wurden. Nach einer gründlichen Desinfizierung dieses „Backblechs“ (Zitat: Mag. Peter Stolz) erfolgte die genaue Einweisung an die Schnittfläche des ausgehobenen Rechtecks auf dem der humanoide Fund freigelegt worden war unter gleichzeitiger digitaler Erfassung, um etwaige Veränderungen im Laufe der Bergung dokumentieren zu können.
Mit äusserster Vorsicht wurde nun die geschliffene Stahlkante mit Hilfe eines Gummihammers Schlag für Schlag in das Erdreich getrieben, wobei damit eine Oberschicht von 8 cm (um etwaige Kieseleinschlüsse berücksichtigen zu können) abgetragen werden sollte, auf der letzendlich der humanoide Fund in seinem ursprünglichen Lagerstatus erhalten bleiben konnte.
Dieser Vorgang dauerte bis zwei Uhr früh des 29. Augusts und wurde erfolgreich mit der Verbringung dieses Bergungsstücks in die Kühlungslade des Bergungscontainers abgeschlossen.