Kitzbühel, Juli - Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28/6

Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28/6

Natürlich wurden in den lokalen Print- und Rundfunkmedien vermeintlich spektakuläre Bilder und Aufnahmen gezeigt. So gestaltete etwa der ORF – Tirol (der föderale Ableger des staatlichen Rundfunksenders ORF mit Sitz in Wien, Bundeshauptstadt der Republik Österreich) eine Sendung namens „Österreich Bild“, bei welchem in Rückblenden und mit Archivmaterial unterlegt, die bisherigen arteologischen Expeditionen in den Raum Nordtirol dokumentiert wurden. Auf Grund der Zusammenarbeit mit Dr. Stephan Rheinthaler vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck – der sich während der Dreharbeiten immer wieder mit Dr. Arkadasch Dag absprach – war zumindest garantiert, dass die verwendeten Fakten und Quellen richtig zitiert und vermerkt wurden, sodass insgesamt auch in der populärwissenschaftlichen Aufarbeitung keine nennenswerten und bleibenden Fehlinformationen verbreitet wurden.

Allerdings liess sich nicht vermeiden, dass nahezu umgehend in allen Medien – auch im Ausland und selbst in wissenschaftlichen Magazinen – sofort vom „Kitzi“ die Rede war, so als ob tatsächlich ein weitestgehend vollständig mumifizierter menschlichen Körper ausgegraben worden wäre und nicht lediglich ein rechter, männlicher Unterarm.

Derartige Berichterstattungen mögen zwar im Detail oft ärgerlich sein (vor allem im Hinblick auf oft gewagte spekulative Folgerungen und romanhafte Dichtereien), allerdings muss bewusst bleiben, dass die Wertstellung und die damit verbundenen Finanzierungen heutzutage schlicht und einfach einer professionell durchgeführten Öffentlichkeitsarbeit bedürfen. Es darf sich folglich keine Wissenschaftlerin und kein Wissenschaftler auf Dauer zu schade sein, in die vermeintlichen Niederungen des Boulevards zeitweise abzusteigen, um auf diese Weise das Wohlwollen und die Akzeptenz einer breiten Öffentlichkeit sicher zu stellen und gleichzeitig darauf zu achten, dass tatsächlich jene Informationen verwendet werden, deren Faktengehalt einer Falsifizierung und Verifizierung standhalten.

Aus diesen Gründen entschloss sich Dr. Arkadasch Dag auch die Erstveröffentlichung der Fundaufarbeitung dieses humanoiden Fundes in Kitzbuehel über das Archäologische Institut der Universität Innsbruck, unter dem Titel: „Der Raum Kitzbuehel aus arteologischer Sicht – Eine Ergebnissichtung des humanoiden Fundes der Arteologischen Expedition der Freien Universität Izmir im Jahr 2003“ zu publizieren.fundprotokoll humanoider fund, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie

Beim humanoiden Fund der Grabungsgruppe 3 um Mag. Miriam Yeshildas handelt es sich, wie die Analysen des 29. September 2003 eindeutig belegen, um den rechten Unterarm einer männlichen Person, der post mortem amputativ erntfernt und anschliessend einem dauerhaften Balsamierungsverfahren unterzogen wurde. Die Gesamtlänge dieses Unterarms beträgt, gemessen von der Spitze des Mittelfingers bis zur Schnittfläche der Abtrennung 26,01 cm. Der Querriss der Schnittfläche misst 6,15 cm, die Handgelenksbreite, zu der sich der Unterarm hin etwa verjüngt, weist an der Handwurzel eine Breite von 5,28 cm auf. Alle fünf Finger sind komplett erhalten. Die Fingerstellung der Hand bildet eine Geste des Darreichens, des Annehmens aus, wobei hier ein weiterführender Zusammenhang, mangels weiterer relevanter Fundungen im unmittelbaren Fundbereich, lediglich spekulativ hergestellt werden kann (sh. auch nachfolgende Kontextbefundung zur Expedition „Kitzbuehel“). Der nach oben hin leicht abgespreizte Daumen misst vom Ballenende bis zur Spitze 10,02 cm und vom Sattel zwischen Daumen und Zeigefinger aus 5,55 cm. Der Höhenunterschied auf Grund dieser Abspreizung zu den restlichen Fingern beträgt 3,97 cm. Von der Spitze des Zeigefingers bis zu Spitze des Kleinen Fingers umfasst die Fingergestik eine Gesamtbreite von 8,14 cm, wobei der Abstand zwischen Zeigefinger und Mittelfinger (jeweils an den Fingerspitzen gemessen) 1,70 cm beträgt, zwischen Mittelfinger (längster Finger dieser Hand) und Ringfinger (zweitlängster Finger dieser Hand) 1,11 cm und zwischen Ringfinger und Kleinem Finger 1,25 cm. fundprotokoll humanoider fund_2, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologieDas vorhandene Stück des Unterarms misst von der Abtrennungsstelle bis zur Handwurzel 12,62 cm und ist somit um 0,76 cm kürzer als die Hand als solche. Der Mittelfinger als längster Finger misst, vom Sattel zwischen Zeigefinger und Mittelfinger aus gemessen, 8,71 cm und weist oberhalb des Fingermittelgelenks (Articulationes interphalangeales) eine deutlich erkennbare Verjüngung mit einer Breite von 1,30 bis 1,50 cm (je nach Messpunkt) auf.