Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 7

Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 7

Für jedes wissenschaftliche Arbeiten stellt der tatsächliche Beginn der primären Forschungstätigkeit den eigentlichen Startschuss der scientifischen Herausforderung dar. So wichtig und wesentlich auch die zahlreichen Vorbereitungsarbeiten sind, bleiben sie per se nichts anderes als basale Rahmenbedingungen die als Grundlage zum eigentlichen Forschen bestmöglichst vorauszusetzen sind. Und dennoch entscheidet sich sehr oft bereits hier, ob das wissenschaftliche Arbeiten letztendlich von einem qualitativen und auch quantitativen Erfolg gekrönt wird.

Das Forschungsteam „Inntal“ legte daher ganz bewusst ein erstes Augenmerk auf die Schaffung von optimalen Strukturen, welche in sich die optimale Voraussetzung bieten, ein nachhaltiges, zielorientiertes, arteologisches Wirken zu ermöglichen.

Folgende Überlegungen bieten hierbei eine organisatorische Rahmenstruktur, die in weiterer Folge die Fokussierung auf die eigentliche Zielsetzung erleichtert:

 

  1. Genaueste Vorabanalysen aller in Frage kommender Grabungs- und Forschungsgebiete.
  2. Exakte wissenschaftliche Abgrenzungen und prioritäre Abwägung spezifischer Fundanwartschaften.
  3. Länder- und fachübergreifende Abgleichungen bisheriger Forschungsergebnisse.
  4. Frühzeitiges Miteinbeziehen staatlicher Organisationen und Regierungsstellen.
  5. Erstellung einer Responsibilitätshirarchie mit genau umrissenen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten.
  6. Betonung des Primates der arteologischen Gesamtleitung.
  7. Bildung von homogenen Teamstrukturen mit entsprechender wissenschaftlicher Variabilität und Bandbreite.
  8. Verschriftlichung aller grabungsrelevanten Kontrakte.
  9. Miteinbeziehung der Bevölkerung vor Ort.
  10.  Absicherung des Grabungsgeländes sowohl im Hinblick auf die arteologische Relevanz als auch für die Sicherheit von Mensch und Material.
  11.  Ständige Evaluation sämtlicher Bereiche der Forschungsarbeit.

Wie sich sehr schnell heraus stellte, waren es gerade diese mit äußerster Disziplin und Gründlichkeit vorgenommenen Vorbereitungsarbeiten, welche dann zu einem doch raschen arteologischen Erfolg führten. Denn die Wetterbedingungen vor Ort im August 1982 verlangten sowohl von Mensch als auch Material alles ab. Schwere Gewitterfronten, gepaart mit Starkregen und Hagelschlägen verwandelten das Grabungsgebiet mehr als einmal in ein morastisches, wasserdurchtränktes Landstück, das sich jeder sinnvollen Bearbeitung derart zu entziehen schien. Dank der vorsorglich organisierten Pumpeinrichtungen (vier Stück „Dreimannpumpe 1934“ – tragbar und lediglich durch manuelle Hebelbedienung flexibelst einsetzbar) gelang es immer wieder mittels Nachtschichten und einer Mannschaft von 24 Personen alle AHDPs bis in die Morgenstunden soweit zu entwässern, dass mit den Horizontalsondierungen planmässig fortgesetzt werden konnte.

Die brütende Sommerhitze während zahlreicher Augusttage begünstigte das Auftreten von Mückenschwärmen, sodass sich Dr. Arkadasch, als verantwortlicher Leiter veranlasst sah, die männlichen, einheimischen Arbeiter prophylaktisch jeden Morgen mit starken Insektiziden schutzgebend und vollkörperlich einzusprühen. Weibliche Hilfskräfte wurden von dieser Massnahme ausgenommen, da trotz nicht nachgewiesener Gefährdung jedes reproduktive Restrisiko auszuschliessen war.

li