Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 1

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 1

Die Arteologische Ausgrabung „Brixental“, Mai bis Oktober 2007

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 1

bisherige arteologische grabungen, arteologie, dr. arkadaschBei einem Blick auf die Karte des Bundeslandes Nordtirol wird deutlich, dass die bisherigen Schwerpunkte der arteologischen Erforschung vor Ort überwiegend im westlichen Teil dieser Region lagen. Diese Auswahl spiegelt zum einen eine bewusste Vorgangsweise aus arteologischer Sicht wider (vor allem im Hinblick auf zu erwartende Grabungsergebnisse) und ist zum anderen den jeweiligen Möglichkeiten finanzieller Art und administrativer sowie politischer Voraussetzungen geschuldet. Allerdings beinhaltet diese Auswahl keinerlei intrinsische Wertigkeit oder gar wertbezogene Reihenfolge in irgendeiner Form, vielmehr ist sie schlicht und einfach den jeweiligen Gegebenheiten geschuldet, wobei in aller Deutlichkeit festzuhalten ist, dass ohne die teilweise durchaus spektakulären Funde an Artefakten als auch an humanoiden Funden, wohl kaum mehr als eine einzige Expedition in diesen Bereich des Alpenhauptkammes durchgeführt worden wäre. Doch mit jedem Fund, mit jeder neuer Erkenntnis tauchen und tauchten neue Fragestellungen auf, die weit über das rein Artologische hinaus gehend, sowohl das direkte Interesse der eingeborenen Bevölkerung vor Ort, als auch der wissenschaftlichen Welt als solcher, wecken. Noch kann und soll daher kein abschliessendes Resümee über diesen äusserst spannenden und doch so kleinräumigen Bereich „Nordtirol“ gezogen werden – es ist durchaus erwartbar, dass auch in Zukunft noch die eine oder andere überraschende Fundung ans Tageslicht kommt und damit den Wissensstand über diese Grenzregion zwischen dem Norden und dem Süden Europas bereichert, erweitert und voran bringt.

transitale einfluesse in nordtirol, arteologie, dr. arkadaschMit Blick auf die bisher arteologisch nachgewiesenen transitalen Beeinflussungen des Raums Nordtirols wird deutlich, dass es bei allen bisherigen Fundungen zu einer manifesten und dauerhaften Vermengung von lokal entwickelten primitiven vergesellschaftlichten Kulturformen mit den jeweils höher entwickelten Ausdrucks- und Gestaltungsformen der jeweiligen Begegnungsgruppen – sowohl in friedlicher als auch usurpatorischer Hinsicht – kam und die Region Nordtirol als gesamtes als eine dauerhafte, typische Grenzregion mit allen spezifischen Eigenheiten betrachtet werden muss. Dies drückt sich nicht nur in der Vermischung von Kulturen und Traditionen aus, sondern auch in der Übernahme alltäglicher Lebensgestaltungsformen, die in weiterer Folge auch ansatzweise eigenständig einer bescheidenen Weiterentwicklung unterliegen. Am deutlichsten trat dies bisher im kultischen Bereich zutage und wird besonders in den bisher gefundenen Cult-Objecten deutlich. Die kartografische Aufarbeitung dieser Einflüsse zeigt sowohl die Stärke dieser transitalen Beeinflussungen, als auch die Wurzeln dieser ethnischen Wanderbewegungen. Anhand der bisherigen arteologischen als auch archäologischen Daten wird deutlich, dass dabei lediglich von einer punktuellen dauerhaften Besiedelung des Nordtiroler Raums in Arteologischer – als auch Vorarteologischer Zeit auszugehen ist, da weder die klimatischen Bedingungen, noch die terrestrischen Voraussetzungen (so waren das Inntal und die grossen Seitentäler zu jenen Epochen überwiegend sumpfige Flusslandschaften oder aber schotterreiche, von jährlichen Überschwemmungen gekennzeichnete Talschaften) eine primär landwirtschaftlich orientierte Nutzung und somit Urbarmachung anboten, um so mehr, als die sich nur wenige Dutzend Kilometer nördlich und südlich erstreckenden Landschaften eine wesentlich einfachere und ertragsreichere Bewirtschaftung ermöglichten.

Es ist somit genau diese durch den Alpenhauptkamm gebildete, natürliche Grenze, die letztendlich ausschlaggebend den Anreiz bildete, die sich daraus bietenden Entwicklungsvorteile in Form von Besiedelung wahr zu nehmen.