Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 4
Zudem konnte Dr. Arkadasch Dag auf jene verschriftlichten Verträge zurückgreifen, die er im Jahr zuvor, 2003, bei den Ausgrabungen in Kitzbuehel mit den lokalen politischen und administrativen Eliten ausverhandelt hatte und es gelang ihm bereits im Vorfeld über die österreichische Botschaft in Istanbul sämtliche notwendigen schriftlichen Zusagen zu erhalten, die sowohl die Anreise des gesamten Expeditionsteams – das sich aus Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus sechs verschiedenen Staaten zusammensetzte – samt Ausrüstung, als auch den Aufenthalt und die Abreise dokumentarisch und zollrechtlich regelten.
Neben der Forschung und Erforschung als primärer Aufgabenstellung, der sich das Arteologische Institut der Freien Universität Izmir im wissenschaftlichen Sinne streng verpflichtet fühlt, liegt das zweite Hauptaugenmerk in der Lehre und in der Vermittlung der wissenschaftlich-arteologischen Erkenntnisse. Aus diesem Grund setzen sich generell die Expeditionsteams zum überwiegenden Teil aus Studierenden unterschiedlicher Semester zusammen, um auf diese Weise den angehenden Arteologinnen und Arteologen ein direktes Lernen vor Ort zu ermöglichen und ihnen die einschlägige Praxis der Feldforschung in möglichst vielen Facetten nahe zu bringen. Besonders durch die zahlreichen technischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte, wie etwa terrestrisches Röntgen, Bodenradar,
verschiedene magnetresonanzgestützte Bildverfahren und die dreidimensionale Aufarbeitung dieser Daten in digitalisierter Form, hat sich der Forschungsschwerpunkt rein arbeitstechnisch vermehrt an den Schreibtisch und in die diversen Labors verlegt, dennoch aber muss gerade die Arteologie mit ihrem Anspruch auf eine artefaktbetonte Analyse und Interpretation jedweder humanoider Niederlassung und / oder Besiedelung immer wieder den direkten Kontakt mit der jeweiligen lokalen Örtlichkeit aufnehmen und daraus jene Bezugssysteme erarbeiten, die letztendlich den grundlegenden Fragestellungen adäquate Antworten ermöglichen. Lehren bedeutet somit jene Grundlagen zu vermitteln, welche fürderhin die Basis für die notwendigen und richtigen Fragestellungen eröffnet.
Um derartige Lehraufträge praktisch umzusetzen bedarf es einer funktionierenden Organisationsstruktur, die neben den wissenschaftlichen Inhalten auch die monetären und administrativen Rahmenbedingungen schafft und aufrecht erhält. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Labortechnikern, Handwerkern, Mitgliedern der staatlich-türkischen Beamtenschaft und zahlreichen ungenannten Helferinnen und Helfern waren und sind derartige Expeditionen unmöglich, wobei das interdisziplinäre Miteinander und Zusammenarbeitsmodelle die teilweise sogar tief in den privatwirtschaftlichen Sektor hinein reichen, heutzutage einen vollkommen neuartigen Zugang zu diversen Fragestellungen ermöglichen, wie etwa das Polyglacialisierungsverfahren nach Mag. Peter Stolz, und dergestalt die wissenschaftliche Arbeit direkt in die alltägliche Anwendbarkeit einer Wissensgesellschaft zu implementieren vermögen.
Diesem Auftrag gerecht zu werden entspricht das moderne Selbstverständnis der heutigen arteologischen Forschung.