Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 5
Die Sommermonate stellen in den zentraleuropäisch, alpinen Bereichen die Hauptniederschlagszeit dar, mit durchaus beträchtlichen Regen- und in den höher gelegenen Bergregionen ab ca. 2500 m Schneemengen. Zudem nehmen generell die Niederschlagsmengen mit steigender Seehöhe zu, und andererseits stellt der Alpenhauptkamm eine mächtige Wetterscheide dar, die nicht nur die nördlichen klimatischen Zonen Europas von denen des Südens trennt, sondern gleichzeitig in seinen vielen Tälern und Kesseln lokalspezifische Wetter-und Klimainseln schafft, die von arktischen Bereichen in den Gletscherregionen und in den Bereichen des Permafrosts bis hin zu steppenartigen Landschaften und Vegetationsformen (sh. Vintschgau, Südtirol, Italien) reichen. In den östlichen Ausläufern des Alpenhauptkamms finden sich im Bereich des Wienerwaldes bereits erste Anzeichen des kontinentalen Klimas.
Die Verteilung der Niederschlagssummen hängt wesentlich auch von der jeweiligen Lage im Anstau (Luv) oder im Niederschlagsschatten (Lee) der jeweilige vorherrschenden Strömungsrichtung ab.
Bei den häufig herrschenden West- bis Nordwestlagen liegen das Arlberggebiet, die gesamten Nördlichen Kalkalpen (von den Lechtaler Alpen über das Karwendel, Hochkönig, Dachstein, das Tote Gebirge bis zu Hochschwab und Ötscher) im Anstau (Luv). Die gemessenen Jahresniederschlagsmengen erreichen in diesen Regionen im langjährigen Durchschnitt ca. 2000 mm, in vereinzelten regionalen Sektoren sogar an die 3000 mm.
Das Flächenmittelmass für Gesamtösterreich beträgt ca. 1100 mm im Jahr, wobei über 60 % der Jahresniederschlagsmenge im Durchschnitt auf das Sommerhalbjahr (April bis September) entfallen und für den Zeitraum von Oktober bis März dementsprechend um die 40 %. Für die Vegetationsentwicklung erweist sich diese Niederschlagsverteilung als sehr günstig, sodass trotz der alpinen Lage Nordtirols insgesamt von einem positiven ruralen Bewirtschaftungsfaktor ausgegangen werden kann. An Getreiden findet sich neben Weizen (in Gunstlagen) überwiegend Mais (vorwiegend seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) sowie etwas Roggen und vereinzelt Gerste. Der weitaus größte Anteil dient der Erzeugung von Grünfutter für die Viehzucht und Milchwirtschaft, die traditionell im Alpenbereich seit Vorarteologischer Zeit (nomadisch, halbnomadisch und heutzutage überwiegend sesshaft) nachweislich betrieben wird.
Diese Form der Bewirtschaftung hat sich auch deutlich im Benutzverhalten der Landschaft niedergeschlagen. So konnte bis Ende der achtziger Jahre bei den Waldflächen in Nordtirol lediglich in den montanen Randgebieten entlang der Waldgrenze und im Bereich aufgelassener alpiner Weideflächen (den sogenannten Almen) eine Zunahme festgestellt werden, während durch die zunehmende Besiedlung in den Tälern die landwirtschaftlichen Flächen teilweise zu Bauland umgewidmet wurden. Diese Zersiedelung geht mit einer nahezu ungebremst wirkenden touristischen Erschliessung der Berge einher – so hat Nordtirol die weitaus grösste Dichte an Seilbahnen und künstlichen Aufstiegshilfen weltweit. Die daraus resultierenden Veränderungen im Gesamterscheinungsbild treten im Brixental, welches als eine bedeutende Zulaufstrecke für den touristischen Bereich um Kitzbuehel dient, deutlich zutage.