Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 7
Die fussläufige Voraberkundung des Brixentales erfolgte im Rahmen einer Auslandsexkursion des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir und konnte aufgrund der bisherigen, sieben vorangegangenen Expeditionen in den Raum Nordtirol auf zahlreiche Forschungsergebnisse und Erfahrungen zurückgreifen, die insgesamt diesen Vorarbeiten ein ungemein breites und auch vielgestaltiges Betätigungsfeld eröffneten. Neben den bereits erwähnten sprachlich-etymologischen Beforschungen wurde speziell auf eine komparative Gesamtschau aller arteologischen Fakten besondere Rücksicht gelegt und dies bereits im Vorfeld organisatorisch berücksichtigt. So konnten neben den rein geografischen und geologischen Auswertungen auch archäologische und historische Daten in die Grundlagenerstellung mit einfliessen und so das Gesamtbild dieser Talschaft schon im Vorfeld entsprechend theoretisch aufgearbeitet werden. Dennoch ergibt gerade eine detaillierte Erkundung vor Ort einen ungemein erweiterten Zugang zu speziellen lokal verortbaren Faktizitäten, die einerseits anhand analytischer Untersuchungen in den Ergebnissen der Feldforschung ihren Niederschlag finden, andererseits aber in weiterer Folge zu genau jenen Fragestellungen führen, die letztendlich die spezifischen Kausalitäten jeder arteologischen Arbeit in sich begründen.
Ausgehend von der Marktgemeinde Wörgl wurde das Brixental über Hopfgarten, Westendorf, Brixen im Thale und Kirchberg bis Kitzbuehel nach arteologischen Gesichtspunkten fussläufig erkundet. Es handelt sich bei diesen Ortschaften um dörfliche Niederlassungen mit einer für Nordtirol typischen Siedlungsstruktur. Um einen mehr oder weniger historisch gewachsenen Ortskern, der sich im Wesentlichen um einen kirchlich, katholisch-christlichen Sakralbau gruppiert, finden sich zahlreiche, überwiegend aus Einfamilienhäusern bestehende, Siedlungsbereiche, die überwiegend in den letzten Jahrzehnten entstanden sind und – auch dies ist typisch für diese durch und mit dem Tourismus zu einer gewissen Prosperität gelangten Region – infrastrukturell als gut bis sehr gut erschlossen bezeichnet werden können. Wirtschaftlich ist die gesamte Region stark vom Fremdenverkehr geprägt. Dies zeigt sich am offensichtlichsten durch zahlreiche Schiliftanlagen, aber auch durch eine überdurchschnittliche Anzahl von Gasthöfen, Hotels und Beherbergungsbetrieben aller Art. Handwerks- und Gewerbebetriebe sind im Vergleich etwa zum Pitztal häufiger vorzufinden, was durchaus auch der geografischen Nähe zum Inntal, dem nordtirolerischen, wirtschaftlichen Kerngebiet, zuzurechnen sein dürfte. Gleichwohl bildet neben dem Tourismus die Landwirtschaft (überwiegend in Form der Viehzucht, und hier wieder in der typischen halbnomadischen Form, wie sie im gesamten Alpenraum häufig vorzufinden ist) als bestimmende gestalterische Landschaftsnutzung das charakteristische Erscheinungsbild des Brixentals.
Wie generell zu beobachten ist, schlägt sich auch in dieser Talschaft die wirtschaftliche Gesamtsituation in aller Deutlichkeit auf die soziokulturellen Strukturen nieder, umso mehr, als gerade im gesamten Nordtiroler Raum die grundlegend agrarisch ausgerichtete Lebensweise in Sitten und Gebräuchen weiterhin manifest ist. Dies tritt in aller Deutlichkeit in der architektonischen Gestaltung nahezu sämtlicher Neubauten zutage, wobei aber insbesondere infrastrukturelle Einrichtungen wie Seilbahnstationen oder auch kleinformatige Einkaufszentren nachgerade oftmals einen rigorosen ästhetischen Bruch mit der tradierten architektonischen Formensprache aufweisen.