Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 13
Nachtrag 2012, 1. März: Die genaue kartographische Verortung der Grabungsstelle „Brixental“ ist unter folgenden GPS-Daten abrufbar:
Mit 24. Juni 2007 begannen nach einer ausführlichen Begehung des unmittelbar in Frage kommenden Gebungsbereiches die entsprechenden Zuordnungen in AHDP-, ANDP– und ALDP– Abschnitte, um einerseits eine möglichst effizienten Einsatz der jeweiligen Grabungsteams zu ermöglichen – vor allem in Hinblick auf die verkehrstechnische Situation entlang der Brixental Strasse, die nicht nur den Hauptverkehrsweg zwischen Wörgl (Inntal) und Kitzbuehel darstellt, sondern zu dieser Zeit auch für den Tourismus eine entscheidende Rolle spielt, da insbesondere die Monate Juli und August die zweite Fremdenverkehrssaison (neben der Wintersaison) in dieser Region bilden, mit einem starken Verkehrsaufkommen von PKWs aller Art, sowie Zugfahrzeugen mit Wohnwägen und der für den Tourismus notwendigen mobilen Transportkapazität im Hinblick auf die infrastrukturelle Gesamtversorgung der Gäste und Eingeborenen.Die Sondierungsgrabungen erfolgten daher zum einen im Bereich des Zusammenflusses von Windauer Ache und Brixentaler Ache, zum zweiten im direkt vorgelagerten westlichen Bereich rund um die Ruine Engelsberg und drittens im nordöstlichen, für Wegsanierungs-und Parkmöglichkeiten angeschüttetem Ausweichplatz, unmittelbar als Abzweigung an der Fahrspur nach Kitzbuehel 62 Meter nach der Einfahrt zum Kraftwerk Haslau angelegt und teilweise den Bachlauf der Brixentaler Ache bis zur natürlichen, felsdurchsetzten Steilböschung überbrückend.
Am 26. Juni traf, wie vereinbart, Frau Prof. Dr. Magdalena di Eusobia mit vier Studierenden von der Universität Lissabon ein, um aktiv an dieser Expedition teilzunehmen. Die Auswahl der eingeborenen Hilfskräfte wurde gleichfalls an diesem Tag abgeschlossen (14 Männer und fünf Frauen, angestellt nach dem geltenden Kollektivvertrag für Bergarbeiter), sodass bereits am 26. und 27. Juni die notwendigen verfahrenstechnischen und theoretischen Einschulungen sämtlicher Grabungskräfte vorgenommen werden konnten. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen erstellte dafür das Arteologische Institut der Freien Universität Izmir einen schriftlichen und auch in Deutsch übersetzten Lehrbehelf zusammen, der neben den detailliert dargestellten Abläufen für artefakerielle und humanoide Bergungen auch die generellen Arbeitsstrukturen in einem arteologisch wirkendem Team Schritt für Schritt in einfacher Sprache veranschaulicht. Mit der von unserem Expeditonsfotografen Herwig Angerer eingebrachten Idee einer kleinen Abschlussprüfung im Multiple-Choice-System für die angeheuerten eingeborenen Hilfskräfte konnte umgehend jene Ernsthaftigkeit in der Arbeitsauffassung dieser Menschen erreicht werden, die ansonsten immer wieder nur durch ständige und penible Kontrolle erreichbar ist, wobei festzuhalten bleibt, dass es meist nicht der Mangel an Eifer ist, der zu Fehlleistungen führt, sondern eher die ungewohnte Anforderung an ein eigenverantwortliches Handeln, welches generell die eingeborene Bevölkerung von Nordtirol oftmals rasch an die Grenzen des ihnen Möglichen führt.
Mit 29.Juni 2007 wurde an allen drei AHDP-Stellen bei gutem Grabungswetter mit den Sondierungsgrabungen begonnen. Während im Bereich der Ruine Engelsberg und im Mündungsgebiet der Windauer Ache in die Brixentaler Ache im Parallelverschiebungsverfahren die Sondierungen durchgeführt wurden, legte das Grabungsteam 2 um Mag. Peter Stolz sein Hauptaugenmerk auf die stellenweise deutlich zu erkennenden Hangverbauungen in Trockenbauweise entlang des Böschungsbereiches am aufgeschotterten Instandhaltungsplatz oberhalb des Kraftwerks Haslau.
Bereits am 1. Juli 2007 erfolgte dabei eine erste Fundung: Bei der Freilegung eines sorgsam geschlichteten Trockenmauerstücks aus Bachsteinen stiess das Team auf eine stark vegetativ überwachsene granitene Verschlussplatte, die mittels einer mörtelartigen Verklebung in diesen Mauerbereich eingelassen war. Nach entsprechender Entfernung dieser Platte zeigte sich eine kleine, teilweise durch Sand und Erde verbrochene Nische mit drei metallenen Cult-Objecten, welche eindeutig in ihrer Form dem arteologisch-traditionellen nordtirolischem Ritualkomplex zuordenbar sind.