Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 14/2
Durch die heutige Gestaltung des Trassenverlaufes der Brixental Strasse und die damit verbundenen starken und nachhaltigen Eingriffe in die gesamte Umgebung dieses unmittelbaren Klammbereiches im Zusammenfluss von Brixentaler Ache und Windauer Ache, sowie die mittels einer betonenen Brücke diese Verkehrsader kreuzende Bahnlinie der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) kann lediglich aufgrund alter Stiche auf die ursprüngliche Geländegestaltung insofern ein Rückschluss gezogen werden, als diese Bilder, unter Berücksichtigung terrestrischer Veränderungen durch die Wasserläufe als auch durch Unwetter und die permanenten Kräfte der Erosion, lediglich einen theoretischen Ausgangspunkt für entsprechende Bewertungen darstellen können. Aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse und der Auswertungen aller arteologischen Funde in Nordtirol ist davon auszugehen, dass sich diese Kultnische ursprünglich entweder an einem durch eine Altarform oder aber durch Stufen erhöhten Präsentationspunkt befunden hat, welcher zwar für die Allgemeinheit optisch zugänglich, jedoch in den rituellen Abläufen der Handhabung einzig der Priesterschaft vorbehalten war. Dies deckt sich auch mit den entsprechenden Untersuchungsergebnissen der Kultnische welche bei der Furt der Ausgrabung im Lechtal freigelegt wurden. Beiden Fundstellen ist die verkehrstechnische Bedeutung immanent und unterscheidet sich lediglich durch ihren natürlichen Hinderungsgrad im Bezug auf den Transport von Personen, Materialien und Waren. Ist am Grabungsort Lechtal von spezifischen Schutzritualen für eine gesunde Überquerung des Flusses Lech an dieser Furt auszugehen, so stellt die Kultnische hier im Eingangsbereich der Klamm bei Hopfgarten das entsprechende Pedant für eine zur damaligen Zeit sicherlich schwierige oder gar gefährliche Durchquerung dieses Wegabschnitts dar.
Eine Analyse der Sichtachsen aus beiden Wegrichtungen hat ergeben, dass unter Annahme einer bachbettnahen Wegführung die freigelegte Kultnische sowohl von Zu- als auch Abwanderern dieses Klammabschnitts perfekt eingesehen werden konnte. Die Ausrichtung der Nische selbst folgt zwar an ihrem äusseren Rand den natürlich vorgegebenen Felsformationen, weist an ihrer Rückwand jedoch eine exakte Nord-Süd-Ausrichtung vor. Die gesamte Nische wurde an allen drei Wänden und an Decke und Boden geglättet. Die vorgefundenen Bearbeitungsspuren weisen auf den Gebrauch von zumindest zwei metallischen Stösseln hin, wobei eine Stösselform für Boden und Decke zur Anwendung kam und der zweite (eventuell auch ein dritter) für die Bearbeitung aller drei Nischenwände.
Der Triptychon aus drei metallenen Cult-objecten stellt formal ein gleichschenkeliges Dreieck mit einer Seitenlänge von 14,56 cm dar, gemessen jeweils von der am weitesten nach aussen ragenden Spitze der Querbalken der beiden links und rechts vom mittig stehen Cult-object platzierten Cult-objecte. Diese Querbalken treffen sich in ihrer gedachten Verlängerung im Schnittpunkt der Längs- und Querachse des mittig, am Scheitelpunkt des Dreiecks, angeordneten Cult-objects.
Die gesamte Breite des Tritychons beträgt an der Vorderkante, wiederum an den Aussenpunkten der Querbalken gemessen, 24,40 cm und nimmt in die Tiefe die vorderen zwei Drittel des Nischenraumes ein.
Die senkrechte Befestigung der Cult-objecte im behauenen Felsboden der Nische erfolgte mittels einer Einbettung in ein Mörtelbett, welches in seiner Zusammensetzung ident ist mit dem Material welches für die Anbringung der granitenen Verschlussplatte verwendet wurde.